Kennt ihr das, ihr hört von einer Band und dem was die so macht und seid schon im Vorfeld total abgeschreckt? Und dann hört ihr euch das Ding doch an, widerwillig und unmotiviert und plötzlich kommt der Aha-Effekt. Mensch, das ist ja gar nicht schlecht. Mensch, das ist ja richtig gut! Ja ja, Vorurteile, das können wir doch alle ganz gut, stimmt’s? Ich jedenfalls schon, wenn es um gewisse musikalische Richtungen geht. Geb‘ ich ja zu. Jüngstes Beispiel ist das Pariser NuMetal-Quintett Rise Of The Northstar mit ihrem vierten Longplayer „Chapter 4: Red Falcon Super Battle! Neo Paris War!!“.
Klar hab‘ ich mir früher auch mal Coal Chamber, Limp Bizkit, Static X und Korn reingezogen, aber irgendwie dachte ich, ich hab‘ das eigentlich hinter mir gelassen. Aber hey! Baggy Pants sind wieder in und dann gibt’s da eben noch Rise Of The Northstar. Vorurteile, ihr könnt jetzt gehen, ich hör‘ jetzt wieder NuMetal. Kurzes „Turbo-Intro“ und dann gibt’s elf mal voll auf die zwölf. „75 Outro“ als waschechter HipHop-Track und ich bin kräftig durchgeschüttelt, vielleicht sogar wieder ein bisschen infiziert.
Soundtechnisch orientieren sich Rise Of The Northstar (absichtlich oder nicht?) an Sepultura’s Klassiker „Roots“. Und wie das Klassiker so oft an sich haben, ist dieses Album meiner Meinung nach absolut zeitlos, auch wenn sich seine Entstehung zeitlich relativ klar einordnen lässt. Warum also nicht Rise Of The Northstar im Jahr 2025 (VÖ war bereits im November ’25 auf Kuromaku Corp.)? Und wenn’s nur der alten Zeiten wegen ist – oder sollte „Chapter 4: Red Falcon Super Battle! Neo Paris War!!“ etwa auch zum zeitlosen Klassiker mutieren? Nun, dazu braucht es zunächst mal folgendes: Zeit.
Das hier ist halt einfach noch zu frisch und frisch ist auch das Stichwort. Rise Of The Northstar klingen frisch. Frisch im Sinne von agil und motiviert. Klar, die haben auch eine Message zu verbreiten. Und die sind echt sauer. Motivationsgründe genug also. Dass es in Paris, in Frankreich generell, abgehen kann, wenn es auf die Straße geht, wissen wir nicht erst seit den Gelbwesten. Und wenn ich von guten Freunden erfahre, dass sie Paris den Rücken aus Desillusion und weil sie die Mieten nicht mehr bezahlen können in Richtung Südfrankreich verlassen, dann zeichnet dies womöglich das wahre Paris ab, das Paris der „normalen“ Leute, fernab vom Modewahn und von PSG.
„…Say hello to the city of fights. Where everybody’s fucked and everything is bright. Far from the trees in the city, suburb, periphery…“ shouten Rise Of The Northstar etwa in „Neo Paris“. Probleme gibt es überall, seit es Menschen gibt. Rise Of The Northstar benennen sie aber auch, die Probleme direkt vor der eigenen Haustür. Und zumindest unter diesem Aspekt betrachtet, wäre wünschenswert, dass „Chapter 4: Red Falcon Super Battle! Neo Paris War!!“ kein zeitloser Klassiker wird.
Ansonsten aber – und aus rein musikalischen Gesichtspunkten gesehen – bieten Rise Of The Northstar euch hier einen absolut lohnenswerten Brocken harter Musik an, Baggy Pants hin oder her. Die optische Aufmachung wie üblich bei dieser Band in japanischer Ästhetik gehalten, mit vierseitigem Booklet, das auch als Poster funktionieren kann und Vinyl als schwarzer – haha! – Klassiker, oder in gelb, bekommt ihr „Chapter 4: Red Falcon Super Battle! Neo Paris War!!“ z.B. bei jpc.
