Yuppiescheuche kannte ich – wie bei Kamikaze in der vorherigen Review erwähnt – vorher auch nicht, aber das ist wohl auch ein bisschen der Punkt: der Typ macht seit Jahren Akustikpunk irgendwo aus der Lausitz, ziemlich abseits von allem, was man „Musikbusiness“ nennen würde. Hausbesetzungen, Knastkonzerte, Straßenfeste, Soli-Konzerte – das ist offenbar sein natürliches Habitat, und genau aus dieser Ecke kommt jetzt sein erstes „richtiges“ Album: Astreiner Techno (der Titel ist natürlich Ironie, hier gibt’s keinen einzigen Beat, dafür Akustikgitarre und Krächzgesang). Da hat dieser Kerl mich ganz schön auf die Schippe genommen.
14 Songs in 54 Minuten, erschienen auf Kassette beim kleinen Label Tanz auf Ruinen Records, jedes Tape sogar handbesprüht mit Downloadcode und Sticker dazu – das ist schon mal eine Ansage, wie DIY das Ganze gedacht ist. Aufgenommen hat Tom Reißmann, Mix und Master kamen von BoomByte Productions, und mit an Bord sind ein paar Gäste: FaulenzA rappt bei „Abgebrannt“ mit, bei „Hütte im Schnee“ gibt’s Geige von Die Diebin. Klingt nach einer Platte, die mit Freunden und in der eigenen Szene entstanden ist, nicht im großen Studio mit Produzent von außen.
Wenn man sich die Songtitel anschaut, merkt man schnell, in welche Richtung es inhaltlich geht: „Blöcke aus Beton“, „Alle guten Geister“, „Die Ballade von Paula und Klaus“ oder „In den Weg“ – einige dieser Songs kennt man tatsächlich schon von früheren Releases, teilweise sogar in mehreren Versionen über die Jahre, was zeigt, dass Yuppiescheuche seine Stücke immer wieder neu einspielt und weiterentwickelt. Das politische, linke Punk-Liedermacher-Ding zieht sich offenbar durch die ganze Karriere – frühere Tracks hatten schon Titel wie „Ich will kein Spießer sein“ oder „Antifa-Schlager“, da ist also eine klare Haltung erkennbar, die sich auch auf „Astreiner Techno!“ fortsetzt.
Was mir an dem Konzept gefällt: Hier wird nichts geglättet. Akustikpunk klingt naturgemäß schon roh, aber bei Yuppiescheuche kommt noch dazu, dass die Aufnahmen bewusst nicht nach Hochglanz-Studio klingen sollen – das passt einfach zur ganzen DIY-Attitüde, vom Hausbesetzer-Konzert bis zur handbesprühten Kassette. Ich kann zwar nicht aus eigenem Hören sagen, wie sich das im Detail anfühlt, aber aus dem, was an Infos da ist, ergibt sich ein stimmiges Bild: ein Liedermacher, der sich seit Jahren konsequent zwischen Punk und politischem Singer-Songwritertum bewegt, ohne dabei großspurig zu werden. „Astreiner Techno“ wirkt wie die wahrscheinlich bisher reifste, aufgeräumteste Version von dem, was er schon lange macht – nur halt mit Band-Gästen und einem richtigen Label im Hintergrund statt Eigenproduktion in der Galerie Fango.
Das Tape selbst ist über Bandcamp bei Yuppiescheuche nicht mehr zu bekommen, da ausverkauft. Erwerben könnt ihr das Tape – auf 50 Stück in der zweiten Auflage limitiert – dafür aber über folgenden Link:
Yuppiescheuche – Astreiner Techno
Viel Spaß beim Hören und Entdecken!

