Nach fast einem Jahrzehnt als Band veröffentlichten Exploring Birdsong aus Liverpool am 26. Juni endlich ihr Debütalbum Every House We Built über Long Branch Records. Das Trio um Sängerin Lynsey Ward (die übrigens auch als Backing-Vocalistin bei Sleep Token aktiv war), Bassist Jonny Knight und Schlagzeuger Matt Harrison ist bewusst gitarrenlos unterwegs, stattdessen bestimmen Klavier und Synthesizer den Sound, was dem Ganzen eine sehr eigene, atmosphärische Note gibt. Genretechnisch lässt sich die Band schwer in eine Schublade stecken: mal poppig und melodieverliebt, mal überraschend düster und rockig.
Thematisch dreht sich das komplette Album um zwischenmenschliche Beziehungen wie Freundschaft, Familie und Liebe und darum, wie viel Zeit und Mühe es kostet, etwas Bedeutsames aufzubauen, während es manchmal in Sekunden zusammenbricht. Die Band nutzt dafür ein Bild, das sich durch die gesamte Platte zieht: Häuser. Beziehungen werden wie Gebäude beschrieben, die man errichtet, pflegt oder eben verliert. Diese Metapher haben sie sogar bei der Albumpromo weitergesponnen und sich als Immobilienmakler im Anzug inszeniert. Ein ziemlich witziger und cleverer Schachzug.
Zwölf Songs umfasst das Album, darunter der eher sanfte, fast naturhafte Opener „Archipelago“ sowie Singles wie „Romanticise“ und „Spy In The House Of Love“, die stärker in Richtung Synthpop gehen. Interessant fand ich vor allem „You Like It Best When It Hurts“, der laut Band selbst der bislang „schwerste“ Song ihrer Karriere ist, denn textlich geht es dabei um eine bestimmte Art von Mensch, die wohl (leider) jeder schon mal kennengelernt hat. Auch „The Warning“ wird in mehreren Reviews als düsterer Höhepunkt genannt, mit einer fast schon gothic-artigen Stimmung. Der Titeltrack „Every House We Built“ baut sich dagegen langsam auf – von reduzierten, fast traurig klingenden Anfängen bis zu einem lauten, trotzigen Ausbruch am Ende, was das Grundthema des Albums nochmal richtig auf den Punkt bringt. Zum Abschluss dann „Meadowlands“, benannt nach der Straße, in der Bassist Jonny mit seiner Frau eingezogen ist – ein versöhnlicher, hoffnungsvoller Ausklang, der zeigt, dass das Album trotz aller Schwere nicht in Trübsal enden will.
Zu Konzerten in Deutschland kann ich leider (noch) nichts Positives berichten: Aktuell touren Exploring Birdsong im September ausschließlich durchs Vereinigte Königreich – Stationen sind unter anderem Glasgow, London, Bristol und Manchester. Deutsche Termine sind derzeit nicht angekündigt, es lohnt sich aber, die Band im Blick zu behalten, falls doch noch europäische Zusatzshows dazukommen.
Wer das Album von Exploring Birdsong erwerben möchte, kann das u.a. hier machen oder halt bei den Plattenläden eures Vertrauens.
Viel Spaß beim Hören und Entdecken!
