Eine Band, die hier mit ihrem letzten Album schon sehr positiv rezensiert wurde, landet nach ein paar kleineren Umwegen dann bei mir auf dem Tisch:
Die Bachratten, die das Nachfolgealbum „Rockmusik“ ein Jahr später hinterherschieben, als wäre es ein zweiter Teil. So zumindest nach ihrer Aussage.
Sie haben ihren Humor, denn sie gehen davon aus, dass wohl Kunstunitrottel so aussehen, wie der in ihrem 90er-Jahre Retro Video dargestellt. Da ich mich eher in der Unterschicht bewege, habe ich, ehrlich gesagt, keine Ahnung, was Kunst ist.
Dafür haben allerdings die Bachratten einen recht speziellen Sinn, bzw. Humor dafür.
Dieser Review, ihr merkt es vielleicht schon, ist von meiner Seite nicht ganz Ironiefrei zu lesen.
Für mich als alter Straßenköterpunk wäre diese Platte vor 30 Jahren nach circa 10 Sekunden brennend zerbrochen worden. Die Menschen hören sich auf dem ersten Song „Kunstunitrottel“ genauso an, wie eben jene, über die sie sich lustig machen. Da habt ihr nun genau den richtigen Rezensenten gefunden, für eure Platte, ja!
Das nächste Stück heißt dann „Tut mir leid“, wobei sie sich leider nicht für den ersten entschuldigen, und mir tut es dann auch nicht leid, zuzugeben, dass die Platte einen treffenden Titel hat: „Rockmusik“. Ja, isses.
Bachratten schreiben „Rockmusik“, erfrischend Retro, als hätte es die 20 Jahre zwischen dem glücklichen Verlust von Oasis und heute nicht gegeben. Ein wenig infantil, man bedient sich zwischen Englischsprachigem und Tocotronic. Und bleibt sich im Tempo durchweg sehr treu. Ein dutzend Songs können auf Albumlänge dann tatsächlich auch ab und an ein kleines, altersmildes Lächeln in mein Gesicht zaubern – vielleicht fühlt es sich aber auch nur so an und es ist eigentlich gar nicht da; nur in Gedanken?
„Zehn Stunden Schlaf“ kann ich nachvollziehen, denn das ist viel zu viel, da bleibt ja nichts mehr vom Tag. Da kann ich ja gar keinem Kunstprojekt mehr nachgehen. Die besten Sachen fallen einem ja ein, wenn man komplett übermüdet ist.
Bei „Automatisch“ spielt ein wenig, und dieses Spiel machen die Bachratten gemeinsam schon sehr bodenständig, der Einfluß der Neuen Deutschen Welle mit rein. Ich höre eine poppig angehauchte Melodie von Ideal, die da sehr gut reinpasst!
Je länger man das anhört, umso tanzbarer wird das. „Italien“ hat etwas grungiges, eigentlich wird das Album auf der zweiten Seite etwas lebendiger! Die Texte haben in gewisser Weise etwas Dadaistisches, da sie sehr reduziert sind und ich den Eindruck habe, als ob kein großer Inhalt transportiert werden will, der sich – möglicherweise – als erschreckender Ohrwurm in meinen Gehörgängen festfrisst.
„Rockmusik“ ist mit einem ganz ordentlichen Sahnehäubchen schmeichelndem Pop bedeckt und manchmal muss man aufpassen, dass der Rock darunter nicht ganz verschwindet. Denn auch die permament nölende Stimme, die so gar nicht poppig sein will, ist es dann aber doch in gewisser Weise.
Das ein oder andere Solo klingt dann ähnlich wie bei den Smashing Pumpkins; und die haben mich in den 90ern auch hart genervt. Die hab ich an die Wand genagelt, die Platte musste mit 6 Stichen genäht werden.
Was sehr persönlich klingt, ist aber ein kleines Kompliment an den durchweg angenehm aufgenommenen und abgemischten Sound der Band, der wirklich gut durchläuft.
Leider kommt zum Abschluß eine Kindergarteninstrumentierung um die Ecke, dass mir dirmelig wird. „Berlin“.
Das bekommt jeder nach der zweiten Schlagzeugstunde auf die Ketten, plus eine Akustikgitarre, eventuell auch diese lustige Keyboardtröte anbei, wo man so durch den Schlauch pusten muß, um ein paar quängelnde Töne herauszubekommen?
Glücklicherweise kommt da noch ein Hidden Track – der reißt nochmal das Ruder in das fast windstille Meer des Rock; leider weiß ich nicht, wie der heißt. Er ist wohl nur auf der Platte.
Über das schlichte Artwork möchte ich nicht sprechen.
A propos Platte: mir liegt sie in exklusivem, grünem Vinyl vor, die es nur bei der Band + Label gibt (siehe Bandcamp). Dann eine orangene Variante (Indie Exklusiv) und noch in Schwarz.
Ansonsten auch überall im Fachhandel wie auch beim Label La Pochette Surprise.

