Erstmal ein großes Sorry, dass dieser Text so spät erscheint. Ich habe das Album Fimbulvinter von Bjørn Riis über den Sommer hinweg immer wieder aufgelegt und bin nach wie vor absolut begeistert. Nur das Schreiben darüber habe ich immer wieder prokrastiniert, aber jetzt …
Bjørn Riis ist Gründer und Leadgitarrist der norwegischen Progressive-Rock-Band Airbag, die seit den frühen 2000er Jahren aktiv ist. Seine Soloalben, die er seit 2014 regelmäßig veröffentlicht, zeichnen sich durch atmosphärische Tiefe und eine riesige emotionale Bandbreite aus.
Der Titel „Fimbulvinter“ bezieht sich auf die lange und gnadenlose Winterzeit der nordischen Mythologie, die den Untergang der Götterwelt einleitet. Diese Metapher spiegelt sich in dem Album eindeutig wider: Ein Werk, das sich mit Angst, Hoffnungslosigkeit, Paranoia, letztlich aber auch einem Hauch von Hoffnung auseinandersetzt. Persönlich mag ich die Länge der einzelnen Tracks sehr. Ausgenommen des Intros pendeln sie zwischen 6:30 und fast 11 Minuten. Ein echter Traum für Hörer*innen, die sich darauf einlassen möchten. Die Songs sind auch in sich selbst abwechslungsreich und überraschen durch unerwartete Tempowechsel oder den Einsatz neuer Instrumente.
„Wenn ich schreibe, habe ich immer das Vinyl-Format in meinem Kopf. Ich möchte, dass meine Alben diese narrative Qualität besitzen wie die großen Werke der 60er, 70er aber auch der 80er Jahre“
Das spürt man sofort, denn der nach dem kurzen Intro „Illhug“ erste richtige Song „Gone“ entfacht sofort Energie mit treibendem Rhythmus und einer sehr präsenten Gitarre. Emotional aufgeladen und unmittelbar mitreißend. „Panic Attack“ bietet in fast 11 Minuten melancholischen Doom-Rock mit teils heftigen Breaks, kraftvollen Power-Chords und einem wirklich furiosem instrumentalen Ende.
Aufgewachsen ist Riis mit Kiss, Black Sabbath und Whitesnake; später entdeckte er Prog-Größen wie Pink Floyd und Porcupine Tree, die maßgeblich sein Songwriting beeinflussten. Und genau hier liegt für mich auch der Charme dieses Albums, denn die Songs bleiben straight und nicht zu verkopft. Es gibt auch mal einen gleich bleibenden Rhythmus oder einen wiederkehrenden Refrain.
„She“ ist beispielsweise so ein versöhnlicher Moment – ruhig, fast meditativ, mit psychedelischer Färbung und introspektivem Touch, ideal als Balance zu den härteren Tracks. Der Titeltrack ist dann der Spiegel. Ein instrumentales Prog-Epos, das zwischen psychedelischen Passagen, Mellotron-Klängen und klassischen Gitarrensoli im Floyd-Stil variiert. „Fear of Abandonment“ schließt mit leisem, verletzlichem Gesang und einem emotionalen Gitarrensolo, das an Anathema oder Porcupine Tree erinnert und eine authentische kathartische Wirkung entfaltet.
Fimbulvinter, erschienen bei Karisma Records, ist ein atmosphärisch dichtes, emotional intensives Prog-Rock-Album, das zwischen Schatten und Licht balanciert – dunkel, aber nie ohne einen Funken Hoffnung.
Es bietet eine starke Instrumentierung, melancholische Tiefe und eine überzeugende Produktion. Wenn ihr sowohl Fans von Pink Floyd-ähnlichen Klanglandschaften als auch von etwas härteren Prog- und Hard-Rock-Tönen seid, werdet ihr Fimbulvinter lieben.
Denn genau dafür sind Schallplatten gemacht: Auflegen, treiben lassen, umdrehen, eintauchen in die Welt des Künstlers, die er in diesem Augenblick nur für dich geschaffen hat.

