Catharsis gehören zu den Bands, die man sofort erkennt, sobald sie loslegen, und deren Einfluss man im Hardcore-Underground kaum überschätzen kann. Gegründet 1994 in Chapel Hill, North Carolina, prägten sie in den späten 90ern und frühen 2000ern eine Szene, die kompromisslosen, politisch geladenen Hardcore feierte. Nach ihrer Trennung 2002 verschwand die Band zwar nicht komplett, doch ein richtiges Studioalbum gab es über zwei Jahrzehnte nicht. Mit “Hope Against Hope”, ihrem ersten vollständigen Longplayer seit 26 Jahren, melden sie sich 2025 zurück und es klingt, als sei all die Zeit direkt in die Songs eingeflossen, ohne dass sie an Biss verloren hätten.
Das Album selbst ist kein nostalgisches Zurücklehnen, sondern ein konzentrierter Schlag aus rohem Hardcore, Crust-Anleihen und metallischer Härte. Die Songs sind intensiv und dicht, selten einfach nur schnell. Die Drums treiben, ohne pausenlos zu hetzen, die Gitarren bringen Schwere und Aggression zugleich, und die Platte entfaltet ihre Wirkung wie ein unaufhaltsamer Strom, der zwischen harten Angriffen und dunkler, introspektiver Ruhe wechselt. Jede Sekunde wirkt bewusst gesetzt und dennoch bleibt alles organisch, roh und ungeschönt.
Der Gesang ist dabei das emotionale Herz der Platte. Er klingt reif und kraftvoll, gleichzeitig brüchig und nah am zerreißen. Catharsis setzen hier nicht auf simplen Ausbruch von Energie, sondern auf Ausdruck von Wut, Frustration und Durchhaltevermögen. Man spürt, dass diese Band aus Erfahrung spricht und nicht aus Pose. “Hope Against Hope” vermittelt damit ein Gefühl von unbedingter Ehrlichkeit, das selbst in den härtesten Momenten der Musik durchscheint.
Inhaltlich ist das Album politisch, aber nicht plakativ. Die Songs reflektieren die Widersprüche der Gegenwart und greifen persönliche, wie gesellschaftliche Konflikte auf, ohne einfache Lösungen vorzuschlagen. Hoffnung ist hier kein leichtes Versprechen, sondern ein hart erkämpfter Zustand, der sich durch die Intensität der Musik spürbar macht. Die Produktion unterstützt diesen Eindruck perfekt: dicht, druckvoll, aber organisch, so dass man das Gefühl hat, der Band direkt im Proberaum gegenüberzustehen.
Unterm Strich ist “Hope Against Hope” kein Revival, das sich auf alten Erfolgen ausruht, sondern ein kompromissloses Statement einer Band, die ihre Energie, ihre Haltung und ihre Stimme über Jahrzehnte geschärft hat. Die Platte fordert Aufmerksamkeit, sie will nicht nebenbei gehört werden, und genau das macht sie so eindringlich. Catharsis zeigen, dass Hardcore bei ihnen mehr als Musik ist — er ist Haltung, Ausdruck und Widerstand zugleich. Die Platte bekommt ihr unter anderem bei Refuse Records im Onlineshop.

