Christian Fetish ist das aktuelle Projekt von Christian Fuchs, der schon in den 90er-Jahren mit Fetish 69 für einen kompromisslosen, industriell geprägten Sound stand. Nach vielen musikalischen Umwegen und Projekten wirkt „Aura Nera“ nicht wie ein nostalgisches Comeback, sondern eher wie eine bewusste Rückkehr zu etwas, das nie ganz verschwunden war. Nur ist der Blick heute ein anderer, reflektierterer, düsterer und deutlich konzeptueller. Das Album basiert lose auf philosophischen Ideen rund um existenzielle Bedeutungslosigkeit und eine eher pessimistische Weltsicht. Inspiriert unter anderem von Dante’s Inferno und den Gedanken von Eugene Thacker, kreist „Aura Nera“ immer wieder um die Frage, welchen Platz der Mensch überhaupt in einem gleichgültigen Universum hat. Das klingt theoretisch, wird hier aber nicht verkopft umgesetzt, sondern in eine sehr direkte, körperliche Klangsprache übersetzt.
Musikalisch knüpft das Album an die rohe Energie früherer Arbeiten an, ohne dabei alt zu wirken. Harte, teilweise fast mechanisch wirkende Gitarren treffen auf elektronische Elemente, die dem Ganzen eine kalte, industrielle Oberfläche geben. Gleichzeitig sorgt die Produktion dafür, dass alles druckvoll und modern klingt, ohne die Kanten abzuschleifen. Man merkt schnell, hier geht es nicht um Perfektion, sondern um Wirkung. Songs wie „Survival Diary pt. 2“ eröffnen das Album mit einer angespannten, fast schon isolierten Stimmung. Der Track wirkt wie ein inneres Protokoll, das eher beobachtet als erklärt.
„Minus Man“ bringt anschließend eine deutlich konfrontativere Energie rein, gerade durch das Feature von Sonja Maier, und setzt sich spürbar mit zwischenmenschlichen Spannungen auseinander. Auch „No Life In Outer Space“ fällt auf, weil er diese düstere Grundidee des Albums fast schon ironisch zuspitzt und gleichzeitig musikalisch eine eigenwillige, leicht morbide Note bekommt. Hier leistet Richy von den Bloodsucking Zombies From Outer Space seinen Beitrag und verleiht dem Song einen gewissen Charme.
Was sich durch alle Songs zieht, ist dieses Gefühl von Kontrolle und gleichzeitigem Zerfall. Die Stücke sind klar aufgebaut, wirken aber nie vollständig stabil. Immer wieder kippen sie, werden lauter, roher oder unangenehm direkt. Dadurch entsteht eine Spannung, die das Album durchgehend trägt. Thematisch bleibt „Aura Nera“ konsequent dunkel, ohne sich in bloßer Schwere zu verlieren. Es geht um persönliche und gesellschaftliche Brüche, um Schlaflosigkeit, um den Blick zurück auf das eigene frühere Ich – aber ohne Verklärung. Stattdessen wirkt vieles wie eine bewusste Auseinandersetzung mit dem, was war, und dem, was davon übrig geblieben ist. Insgesamt ist „Aura Nera“ kein Album, das gefallen will. Es fordert Aufmerksamkeit und funktioniert am besten, wenn man sich wirklich darauf einlässt. Die einzelnen Songs, von „Survival Diary pt. 2“ über „Minus Man“ bis hin zu „No Life In Outer Space“, sind dabei weniger als einzelne Highlights gedacht, sondern als Teile eines größeren Gesamtbilds. Genau darin liegt die Stärke. Es ist ein dichtes, unbequemes Werk, das nicht versucht, Antworten zu geben, sondern eher den Zustand beschreibt, in dem viele Fragen offen bleiben.
Das Album bekommt ihr direkt bei Noise Appeal Records oder dem Plattenhändler eures Vertrauens.

