„Dawning Eyes“, das vierte Album der dänischen Band Death Machine, beginnt für mich unerwartet. Der Opener „Opium Wound“ ist so gar nicht das, was ich mir unter dem angekündigten Mix aus Folk und Synthesizer-Klängen vorgestellt hatte. Düster und atmosphärisch steigt der Song ein – ja, die versprochenen Synthies sind da, aber mit dem Einsatz der verzerrten Gitarre und dem stoischen Schlagzeugbeat entwickelt sich fast ein Industrial-Sound. Überraschend hart, aber sehr gelungen.
Auch der zweite Track knüpft an diese Dunkelheit an. „Beat the Drum“ heißt er – und der Titel ist durchaus wörtlich zu nehmen. Der Song treibt kraftvoll nach vorn, bleibt tanzbar und wird in den Refrains von einer eingängigen, poppigen Synthie-Melodie getragen. Ein starker Track, der in den Indie-Clubs durchaus das Potenzial für eine volle Tanzfläche hat.
Danach wird die Platte ruhiger und nähert sich mehr dem Sound, den ich ursprünglich erwartet hatte. Die melancholische Grundstimmung bleibt zwar erhalten, doch insgesamt wird es deutlich zurückgenommener. Unverzerrte Gitarren rücken in den Vordergrund, und auch der Gesang von Jesper Mogensen bekommt mehr Raum. Durch den geschickten Einsatz elektronischer Elemente wird der Folk der Band jedoch keineswegs eindimensional – im Gegenteil: Er entwickelt sich zu einer vielschichtigen, atmosphärischen Klanglandschaft, die zwischen Intimität und Weite pendelt.
Death Machine gelingt es auf dem gesamten Album, den warmen Vibe der 70er-Jahre mit der kühlen Ästhetik der 80er zu verbinden – ohne dabei in Retro-Klischees abzudriften. Stattdessen entsteht ein eigener, moderner Sound, der nostalgische Elemente nur als Ausgangspunkt nutzt.
Anders als bei den früheren Alben hat sich die Band für „Dawning Eyes“ richtig Zeit genommen. Mit dem selbst auferlegten Dogma aus der Gründungszeit, dass jedes Lied innerhalb von acht Stunden fertiggestellt sein muss wurde gebrochen. Alles wirkt durchdachter, aber trotzdem nicht überproduziert. Jeder Song durfte wachsen, sich entwickeln – und das hört man. Die Bandmitglieder bringen verschiedene musikalische Hintergründe mit, und genau das macht die Platte so abwechslungsreich. Trotz der stilistischen Bandbreite wirkt das Album wie aus einem Guss.
Mich erinnert der Sound des Albums oft an Bands wie Mazzy Star, Cat Power, aber auch an Cigarettes After Sex – diese Mischung aus Zurückhaltung, Melancholie und atmosphärischer Dichte. Dreamfolkpop eben.
Einziger Kritikpunkt ist die Länge des Albums. Ein Doppelalbum hätte es nicht werden müssen, dafür ist die Hitdichte doch etwas zu gering.
Gepresst wurde auf hochwertigem 2×180-Gramm-Vinyl und verpackt in einem stabilen Gatefoldcover. Der Druck befindet sich auf der Rückseite des Kartons, was für eine raue Haptik sorgt.
Das Artwork scheint durchdacht, da es perfekt zur düster-melancholischen Stimmung des Albums passt.

Erschienen ist das gute Teil auf Celebration Records aus Dänemark, erhältlich aber auch hier in Deutschland über die Plattenläden und Mailorder eures Vertrauens.


