Eingefleischte Fans von Drain, aber wahrscheinlich hassen mich sicherlich auch (fast) alle anderen für die folgenden Zeilen, die man ansonsten eigentlich eher von irgendwelchen lokalen Reiseführern kennt, wenn dem/der Praktikant*in mal wieder keine bessere Floskel einfiel, als es darum ging, das neue und sündhaft teure Rathaus ins bestmögliche Licht zu rücken.
Die Floskel geht so: Drain verbinden Tradition mit Moderne. Speziell erstgenanntes Nomen wird ja in der Punk- und Hardcore-Szene eher nicht so gerne gehört, was wir nicht nur von der Institution (hach, gleich nochmal so ein unliebsames Wort!) D.O.A. wissen. Und dennoch passt das hier trotzdem, wenn ich mir das Drittwerk „…Is Your Friend“ (VÖ war am 07.11.2025 via Epitaph) von Drain anhöre. Denn soundtechnisch vermischt das Trio halt nunmal, ja gut, traditionelle HC-Hausmannskost mit moderneren HC-Vibes. Was soll ich also machen?
Nun, zunächst vielleicht mal ein dickes Lob aussprechen, denn „…Is Your Friend“ ist halt wirklich instant mein Freund. Und was Tradition und Moderne angeht, müssen bei den Abrissschows von Drain tatsächlich die „traditionellen“ Stagediver*Innen aufpassen, dass sie nicht in die Windmühlenarme der „moderneren“ HC-Kids geraten. So, dann nochmal kurz auf die Landkarte gelinst, wie weit das denn von Santa Cruz zur Bay Area ist. Ha ja, ist ja ein Katzensprung, den Drain offensichtlich auch schon des öfteren bewältigt haben. Denn was ich oben als „traditionelle HC-Hausmannskost“ benannt habe, hat seinen Ursprung für meinen Geschmack schon auch zu sehr großen Teilen im Bay Area Thrash Metal der ’80er und mindestens mal Drain’s Gitarrist Cody Chavez scheint großer Fan von Bands wie Exodus oder Death Angel zu sein.
Modern dagegen sind Drain dann in Momenten, in denen sie an Comeback Kid oder Every Time I Die erinnern. Und wer auf keinen Fall auf meiner Referenzliste fehlen darf, sind natürlich Municipal Waste. So. Das muss dann aber reichen. Nicht dass hier noch der falsche Verdacht aufkommt, Drain würden nur zusammenklauben, was andere hinterlassen haben. Dazu ist die Band selbst viel zu innovativ. Supi Beispiel dafür ist der auch als Video angebotene Song „Who’s Having Fun“, der in etwa bis zum megageilen Thrash-Solo zeigt, weshalb Drain auch schon im Vorprogramm von Blink 182 oder Neck Deep gespielt haben (und denen vermutlich auch die Show gestohlen haben??), ehe Sänger Sammy Ciaramitaro wieder zu dem übergeht, was er ansonsten so auf „…Is Your Friend“ tut: sich die Seele aus dem Leib keifen nämlich!
Dabei sehen die drei Buben doch so unscheinbar aus und mal ehrlich, würden Sie denen nicht auch ihren Hund zum Gassi gehen anvertrauen? Aber: stille Wasser sind tief – und laut! Drain kicken echt Arsch, direkt und ohne Umwege. Auch textlich. Da wird nicht lange um den heißen Brei geredet und mit Songs wie „Loudest In The Room“ sprechen sie mir und wahrscheinlich ganz vielen anderen Menschen aus dem Herzen. Wer kennt sie nicht, die Nervensägen, die nur Stuß rausquatschen, den aber trotzdem jeder mit anhören muss. Und manchmal ist man (bin ich?) das womöglich auch selber, gell Herr Trump?
Fazit, jawohl, hier gibt’s mal wieder ein Fazit: Drain prügeln sich herzerfrischend durch zehn Hardcorepunk-/Thrashmetal-Songs und hinterlassen damit ihre ganz eigene Fußnote in diesen Genres. Das Artwork: eh geil, aber schaut selbst – und hört v.a. selbst. Drain und „…Is Your Friend“ ist Pflichtstoff für alle Menschen mit Kutten und knöchelhohen Sportschuhen und noch für viele mehr. Schaut doch z.B. mal bei flight 13 danach.

