Die Atzen von Hete kommen aus dem beschaulichen Oberschwaben. Zwar sehr schön und gar nicht mal so dauerdüster dort, aber halt auch sehr schön peripher. Zumindest für Punks. Was also machen, wenn’s nichts gibt? Richtig! DIY heißt da die alte Punker-Parole. Den Proberaum im eigenen Haus eingerichtet, die Aufnahmemöglichkeit gleich dazu. Und unter diesen selbst geschaffenen, gar ganz großartigen Bedingungen (ich war da schon, ist wirklich schön!), hat sich das Quartett viel Zeit genommen, um uns im dritten Anlauf endlich was auf Vinyl bieten zu können.
Bisher gab’s zwei selbstveröffentlichte Tapes zu haben. Aha, also auch hier wieder DIY. Nun aber haben Hete den Release erstmalig outgesourct und mit Kink Records und MyRuin Records haben gleich zwei angesagte Punklabels angebissen. Die sind aber auch DIY und außerdem wurde es auch höchste Zeit, bzw. geradezu selbstverständlich, dass Hete sozusagen eine Stufe höher geklettert sind. Die selbstbetitelte Langrille, die es hier zu besprechen gilt, ist nämlich von gar formidabler Qualität.
Was mir als erstes in die Ohren sticht, ist der raue, sehr naturbelassene Sound. Der Bass knarzt so dermaßen, da frag ich mich, ob die den überhaupt an einen Amp angeschlossen hatten, oder ob dass das blanke Holz ist, das uns da so nach vorne peitscht? Auch die Drums klingen so wie sie klingen, wenn man sie, tadaaa, einfach nur aufbaut und spielt. Die Klampfen dagegen sind auf jeden Fall ein bisschen angekünstelt, setzen Hete an den passenden Stellen auch mal ein paar Effekte ein. Aber wirklich nur ein paar und nur dann wenn’s auch stimmig ist. Ansonsten bleib ich dabei: wir haben es hier mit einem Naturprodukt zu tun. Mit einem ungeschliffenen schwarzen Diamanten. Und das hat wirklich Charme.
Die Musik selbst. Nun, die erinnert geradezu unausweichlich an die TübingerInnen Hysterese. An dem Vergleich komm‘ ich echt nicht vorbei. Ist aber nicht schlimm, denn ich weiß aus sicherer, weil direkter Quelle, dass Hete da schon auch große Fans von sind. Dystopischer, düsterer und sehr persönlicher Post-Punk also, jedoch nicht frei von einer offen inhalierbaren Pop-Note.
Ebenso wie die Tübinger Verwandtschaft bauen Hete ihren Sound auf den geradezu symbiotisch ineinandergreifenden male/female-Gesang, der hier im direkten Vergleich und ähnlich dem zugrunde liegenden Soundkonzept roher, vielleicht auch unverblümter aus den Boxen schallt. Mit dieser Erkenntnis kommen wir auch schon zum einzigen Schwachpunkt der Platte. Songs wie „Abyss“ mit seinen satten 3:47 Minuten Spielzeit, oder auch „Better You“ wären durch etwas mehr Kompaktheit für meinen Geschmack attraktiver, entstehen in den instrumentalen Zwischenparts doch verzichtbare Längen.
Andererseits ist das hier Punk und nichts für Joe Bonamassa-Fans. Ungeschönt und doch so schön, schaurig düster und doch hell leuchtend ist diese schwarze oder grey marbled-Platte schon längst draußen (hoffentlich noch nicht vergriffen??) und am besten bei einem der beiden verantwortlichen Labels, bei Kink Records oder bei MyRuin Records, erhältlich, oder aber – und den Tipp an alle Veranstalter*Innen gibt’s gratis on top! – ihr holt euch Hete in euer Punkerloch und nehmt ihnen die Platte einfach direkt ab. Bei denen ist nämlich nicht nur die Musik geil. Mit denen Rumhängen macht genauso viel Spaß!

