Year of the Snake says bye – Year of the Horse says hi!
Am 17. Februar 2026 startet das chinesische Jahr des Pferdes, dort wird der Jahreswechsel nämlich erst später gefeiert als bei uns. Das nehme ich doch gleich mal zum Anlass, um mit einem Album aus 2025 angaloppiert zu kommen.
Genauer gesagt eine LP Review von Minoh, dem deutsch-koreanischen Powerpunk-Duo. Denn auch in Nord- und Südkorea ist dieser Tage arbeits- und schulfrei, weil es wird Seollal gefeiert, was Neujahr / Silvester entspricht.
Das Album von Minoh „Where It Bleeds“ wurde schon im Jahr der Schlange, genauer im Mai 2025, bei Dackelton Records veröffentlicht. Das Album des seit 2023 bestehenden Duos entstand über einen gestreckten Zeitraum und zeichnet sich durch eine Mischung von ganz unterschiedlichen Genre auf einer Platte aus.
Auf der Innenhülle werden zur Partystimmung die Lyrics mitgeliefert. Das Foto des Duos in silbernen Bomberjacken passt zum Neujahrsdresscode hierzulande, wie auch zum Samstagnacht Discofieber. Wer jetzt aufgeregte Foto-Posen erwartet irrt, denn Minoh können ihre Disco-Jacken zur silbernen Rettungsdecke umwidmen und introvertiert das eigene innere Licht reflektieren. Dementsprechend stehen sie an eine grau verputzte Wand gelehnt, verschlossen und nachdenklich schauend.
Leider scheint das Papier der Innenhülle nicht besonders stabil, denn die LP hat sich bereits am ersten Tag einen Riss nach draußen in alle drei verleimten Seiten der Hülle gedrückt. Eine gefütterte Hülle oder eine separate schlichte Hülle plus Lyrics-Sheet hätten mir da besser gefallen.
Die Cover-Art vermittelt in ebenso schlichtem Grau mit zwei geometrisch als „Parallelogramm“ in einem quadratischen Rahmen angeordneten Sicherheitsnadeln akkurate Ordnung. Auch der Bandname ist klar und geometrisch stilisiert. Ein zurückhaltender Rahmen, der das wechselhafte Innenleben dieses Albums zusammenhält.
Insgesamt ergibt sich ein Wechselbad der Musikstile. Auch beim Gesang gibt es Unruhe. Meistens singt eine weibliche Stimme, zwischendurch mal eine Männliche. Seite A startet mit dem energiegeladenen Disco-Punk-Song „Lick Me Where It Bleeds“ durch. Der Song bringt Tanz-Spaß! Doch sofort danach wird die Geschwindigkeit des Albums gebremst und in ruhigere Bahnen geleitet. Es kommt aber trotz gedrosseltem Tempo keine Entspannung in das Album, es wirkt wie ein Kampf der Entscheidung auf dem Genre-Schlachtfeld.
Denn dies ist kein Album, dass nach kurzem Reinhören im gleichen Stil vor sich hinplätschert. Es ist Sport, die verschiedenen Genre und Zwischentöne von Synth, Wave, Punk, Hardcore herauszuhören und emotional mitzugehen. Ich persönlich bin bei großem Durcheinander ohne Übergänge tanzstimmungsmäßig lost, dabei stehe ich sonst auf Discospaß.
Die Stil-Reise, die das Duo aus vorangegangener Bühnen-Erfahrung beherrscht, bekommt als Soundmixtur auf der bandeigenen Homepage die Bezeichnung „Disco Punk“. Dabei ist schnell klar, dass tanzbare Beats hier für jede Menge Bewegungs-Spaß sorgen sollen. Außer Atem powert sich Sängerin Jamin Oh durch die sprunghaften Songs.
Könnte die passende Scheibe für eine internationale Neujahrsparty sein, bei der diese abwechslungsreiche Vinyl locker alleine eine ganze Mix-Playlist ersetzt. In diesem Sinne:
Frohes neues Jahr!
새해 복 많이 받으세요 (Koreanische Begrüßung zum Neuen Jahr, laut Wikipedia).
Kaufen könnt ihr die schwarze Vinyl am besten bei der Band selbst.
Video: Minoh – Liuck Me Where it Bleeds

