Prélude:
Dies ist eine Folge von Rattster. Dem Roadtrip von Hamster und Ratte. Auf ihrer rastlosen Odyssee ist schon viel passiert, seitdem die beiden ihren Unterschlupf in der Abrissbaracke mitsamt ihrer Plattensammlung verloren haben. Auf der Suche nach ihrer geliebten Plattensammlung entdecken sie jedoch immer neue Musikalben, die den Soundtrack pro Folge liefern. Der heutige Soundtrack kommt von Paddelnohnekanu. Die Story liegt gleich der Vinyl bei, oder die Vinyl der Story. Platte hören und schmökern.
Aber das ist nicht genug!
Es gibt auch was für’s Auge. Auf einer Illustration mit Hamster, Ratte, Platte wird das Albumcover präsentiert. Da die eigenwilligen Nager ungern 100 Jahre lang immer gleich aussehen, obwohl sie die immer gleichen Klamotten anhaben, lasen sie sich am liebsten von unterschiedliche Leuten illustrieren. Die heutige Illustration stammt von electric.lizard, die auch das Albumcover von „Niemand leibt dich (mehr)“ gestaltet hat.
Aber das ist immer noch nicht genug!
Obendrauf gibt’s noch was zum Spielen. Es sind zwei Punkrock Lyrics Zitate von Hamster zu erraten, die von alten Alben anderer Bands stammen. Am Ende der Story findest du die Auflösung.
Alle anderen 16 Folgen kannst du nachlesen in unserem Archiv beim Online Musikmagazin Vinyl-Keks.eu.
Sowie in der Provinzpostille No. 12, 2025, mit einer Sonderfolge.

Rattster „Fear and Loathing an der Strandbar“
(Staffel 3, Folge #1)
Soundtrack: Paddelnohnekanu – Niemand liebt dich (mehr)
Es war Januar und am Strand herrschten 38 Grad Celsius. Hoch über dem Horizont entfachte die Sonne ein flimmerndes Lichtspiel mit den Glasfronten der entfernten Bettenburg. Doch Ratte bemerkte von alldem nichts mehr. Er hatte es wieder kräftig übertrieben, hatte sich an der abgelegen Strandbar massiv Cocktails genehmigt.
Guten Grund zum Feiern gab’s allemal, denn er war mit Hamsters Hilfe seinen Job im Squirrel Laguna Tagungshotel gleich am ersten Arbeitstag losgeworden und durchgebrannt.
„Job-Ghosting!“, hatte Hamster den Vorgang fachlich versiert genannt.
„Also, einfach ausschlafen und Job ignorieren. Nichts leichter als das,“ hatte Ratte bestätigt.
Die beiden Nager-Outlaws waren kurz darauf an dieser kleinen Strandbar namens „Mausefalle“ gelandet. Die Stimmung war super und auf den Brettern der selbstgezimmerten Bühne spielte grad die Band paddelnohnekanu ihren DIY-Punkrock. In seiner ganzen Kratzigkeit hatte der Sound die Nager sofort mitgerissen. Die nachtaktive Hamster stand mit einem Liter zusammengeschütteten Reste-Mokka in einer alten Coke-Flasche erste Reihe und nickte, selbst mittags noch morgenmufflig, belebt zum Takt.
Seit sie mit Glück der Winterkälte gen Süden entflohen waren, weil Hamster sonst in die Froststarre gefallen wäre, hatte es zu Ratte’s heimlichem Verdruss viel zu wenig Alkohol im selbstgewählten Exil gegeben. „Ja okeh, ich wollte ja mal weniger trinken,“ hatte er sich Silvester geschworen und gleichzeitig geschnieft, wegen der verdammten Askese. Diese kleistrige Melancholie wollte seitdem nicht mehr aus ihm weichen, erst recht nicht, wenn er obendrein an ihre Plattensammlung in unerreichbarer Ferne dachte.
Doch nun riss die Live-Mucke ihn aus seinem Loch! Sie ließ ihn kurz die Vinyl-Sammlung vergessen und unbequeme Versprechen gleich mit, als er ausgelassen herumpogte.
Fröhlich hatte Ratte bald die guten Neujahrsvorsätze mit glänzenden Augen sausen lassen und eingewilligt. Eine Wette war’s gewesen, wer die meisten Cocktails gleichzeitig trinken konnte. Sie sollte der Bar viel Zulauf und Ratte ein paar Free Drinks in praller Mittagshitze bescheren.
„Alkohol und Sonne, das ist krass!“, Hamster hatte ihn abhalten wollen. Sie erschauerte, als sie den Lachkater mit den spitzen Reisszähnen hinterm Tresen sah, der Barkeeper war. Aber Ratte war endlich freimütig in seinem Element gewesen. Er hatte in die Runde salutiert, mit fünf Cocktailgläsern gleichzeitig (eins in jeder Pfote, eins am nackten Rattenschwanz) und lachend Faxen gemacht.
Angefeuert vom Beifall des verdächtig katzlastigen Publikums und der ballernden Punkrock-Mucke, balancierte Ratte eben einen Berg Calimero-Cocktails aus Whiskey, Bier und faulen Eiern, wobei er sich jedoch kläglich in seinem grünen Wollmantel verhedderte. „Uäh, was soll das?“, quäkte er verwundert, aber viel zu langsam schaltend.
Dann plumpste er ungeschickt vom Barhocker, schlug mit dem Kopf an einer Deko-Kokosnuss auf und blieb als toter, grüner Wollknoten im Sande liegen.

Seine Systeme überhitzten, die Nervenbahnen schmorten, die Impuls-Übertragung stockte. „Schläft er nur, ist er im Delirium oder gar ohnmächtig?“, dachte Hamster zaudernd. Die Gluthitze stach, Hamster war müde! Brummig warf sie den Mokka fort, zupfte ihr schwarzes Frotteestirnband aus den Augen und schlurfte durch den Sand zu Ratte.
Sie rüttelte ungeduldig an seiner Schulter: “Hey Ratte, was ist los? Komm schon, merkst du noch was?“ Aber Ratte merkte nix, er war mitten in einen tiefen, schweren Traum abgeglitten. Gerade hörte er noch die E-Gitarren gedämpft in seine Traumwelt dröhnen, die Stimme des Sängers erklang darüber mit rhythmischem Sprechgesang fein artikulierend, leise aber bestimmt…
der blick nach draußen -- die lichter der stadt
blinzeln durch den flaschenboden – trink dich satt
horoskope laden dich – zum glauben ein
wohin soll die reise gehen, mein freund
akrakadabra uhuhu hi u
abrakadabra morgen kommt der kater uhuhu hi u
(epilog, Seite A, paddelnohnekanu, niemand liebt dich mehr)
Aus den diesigen Wellen stieg jetzt in Ratte’s delirierender Illusion ein wundersames Wesen empor. Halb Ratte, halb Fisch, mit langen pinken Schnurrhaaren, die kunstvoll über der Schnauze geflochten waren. Der plumpe Rattenrumpf war über und über bedeckt von blauen, in allen Regenbogennuancen schillernden Schuppen. Je nachdem, wie das Licht auf sie fiel, changierten und blitzten sie oder erschienen in einem sanften Perlglanz.
Das Wesen hatte die schönsten, hellpinken Augen, die Ratte jemals zuvor gesehen hatte. „Ahhhh!“, staunte er verzückt. Dort, wo der nackige Rattenschwanz hätte sein sollen, mündete der Wuchs in einer kräftigen, pinken Schwanzflosse. Dieses phantastische Wesen war so unglaublich überwältigend, so etwas zauberhaftes hatte er noch nie zuvor gesehen.
Sein Herzlein begann wild zu pochen, es rauschte in seinen Ohren, fast schämte er sich: „Verdammt noch mal, bin ich verknallt?“ Jetzt winkte das Wesen mit pinken Flösschen an zarter Pfote. „Ohaaa, meint der mich?“, stammelte Ratte überwältigt und konnte sein Glück kaum fassen.
„Ja, ey, ich meine dich!“, pampte Hamster ihn gereizt an. Aber es war sinnlos, Ratte verwickelte sich nur fatal aufschnarchend stärker in seinen grünen Mantel. Er stürzte schmatzend tiefer in diesen wunderlichen Traum hinab, während paddelnohnekanu von der Bretterbühne seine Phantasterei begleitete mit einem bassgetriebenen, schweren Sound, der von einem dumpfen Tinnitus-Piep-Ton untermauert wurde. Die Stimme des Sängers schwamm ernst über dem behäbigen, langsamen Beat. Dann wurde der Rhythmus eindringlicher, das Lied wurde melodischer und ein Gitarrensolo schob sich in den Tinnitus-Sound. In einem leicht heiseren, schönen Ton hörte Ratte jetzt die Stimme erklingen:
ich kann dich singen hören die schwaden lichten sich halt die welt an ich bleibe hier für dich (und wieder januar, Seite B, paddelnohnekanu, niemand liebt dich mehr)
Das betörende Wasserwesen kam ein Stück weiter aus dem Dunst des seichten Wassers empor, direkt auf Ratte zu. Es säuselte in einem Singsang, der zuerst wie die Stimme des Sängers klang und sich dann zu einem Bezirzen verzerrte: „Huhu, Engelchen, schau mal!“
Eine gewaltige Riesenmuschel tauchte neben dem Wesen aus dem Wasser auf, die all ihre lang vermissten Schallplatten in den Schalen beherbergte.
„Unsere Plattensammlung!“, flüsterte Ratte mit zittriger Glücksstimme. „Da sind obendrein neue Platten dabei,“ stellte er selig fest, „sogar die neue paddelnohnekanu sehe ich!“
Vorsichtig ging er ein paar Schritte auf das tiefe Meer zu und quiekte heftig über den Fund: „Jippie, heute ist unser Glückstag!“
Wie zur Bekräftigung nahm das blauglitzernde Ratten-Wesen mit seinem Fischmaul eine große Menge Wasser auf, seine Backentaschen füllten sich prall. Die pinken Knopfaugen poppten dabei schon fast aus dem Kopf, bevor es ihn in den Nacken legte und eine Wolke aus tausend feinen Glitzertröpfchen in die Luft spie.
In zig Miniprismen brachen sich die Sonnenstrahlen zu Regenbögen, explodierten in einem funkelnden Diamantfeuer der Spektralfarben. „Wow, was für eine Show!“, staunte Ratte und machte noch einen weiteren Schritt auf das Meereswesen zu.
Es war, als hätten die Wellen plötzlich einen gleichmäßigen Takt zu den Punkrockbeats von paddelnohnekanu angenommen, kunstvoll arrangiert wie im Broadwaymusical, kräuselten sie sich sternförmig um das Zauberwesen. „Ohhh,“ machte Ratte, „es muss eine Wasserratte sein!“ Verheißungsvoll lächelnd fischte die Wasserratte aus dem Meer drei violette Seeigel mit goldenen Stacheln und sprach: „Nun staunst du, Engelchen.“
Ja, Ratte staunte nicht schlecht, als das Wasserwesen jetzt begann, mit den Seeigeln zu jonglieren. So ein Anblick hatte sich ihm noch niemals geboten. Die drei Seeigel flogen scheinbar wild durcheinander, dann ordneten sie sich im Rhythmus der Musik zu den kreativsten Formationen, in die zwischendurch noch drei fliegende Fische rotflügelig winkend hineinsprangen. „Das kenne ich, das nennt sich Fabrik!“ jauchzte Ratte jetzt im Traum vergnügt und sprang zum Meer hin, als er das „Fabrik“ genannte Jongliermuster erkannte. Doch schon änderte sich das Muster in hundert neuartige Formen wie im Kaleidoskop.
„Komm näher, komm nur her, komm ins kuschlig Tiefe“, säuselten sanft die Wellenkämme um das wunderliche Wesen. Treibend war die Musik aus der realen Welt jetzt, der Sänger war dringlich singend zu hören, wie er über den Bass und die Drums anhub, bevor ab Mitte des Liedes wieder die Gitarren einsetzten. Ratte sang zwanghaft mit, ohne sich selbst zu hören, wie mit Kopfhörern, mit einer irren, schiefen, viel zu hohen Stimme. Die Musik, das Traumwesen, er war in einer anderen Welt…
das licht geht aus es glitzert über dir wie in ner silent disko nur ganz ohne die musik deine füße tanzen schwarze stiefel schwer verliebt feels like kommunismusdisko nur ohne die fabrik (vortänzer, Seite A, paddelnohnekanu, niemand liebt dich mehr)
Ehe er wusste, was er tat, glitt Ratte schon geräuschlos über das Meer auf die Wasserratte zu.
„Ich kann fliegen!“, entfuhr es ihm. Überglücklich flog er einen Looping und frohlockte: „Ich komme!“ Fast konnte er das Wesen schon berühren, da wurde das mechanische Jongliermuster abgebrochen und im Strudel wurde die schillernde Wasserratte jäh hinabgerissen ins Meer, – ein Schockmoment! Urplötzlich war alles komplett unter der Wasseroberfläche verschwunden, das Wunderwesen mitsamt der LP-Sammlung.
Ratte wurde bang ums Herz. „Wo sind alle, ist der Spaß jetzt vorbei?“, heulte er so laut, dass sogar Hamster ausserhalb des Traums bemerkte, wie sich in seinem Maul undefinierbare Gurgellaute formten. Hamster verstand nicht genau, was er bei getrübtem Bewusstsein fabulierte, schnüffelte besorgt an ihm und schrie vorwurfsvoll in Richtung Barkeeper: „Und das Zeug, was er verteilt, alle Welt träumt schlecht davon!“ „Drama zieht Publikum“, der Lachkater kicherte mit hexenhafter Fratze und rieb sich die Pfoten.
Ratte begann zu sabbern, seine schlafende Gestalt zuckte strampelnd, als sein Traum-Ich im Flug dicht an die Wasseroberfläche niederstürzte, wie ein Seeadler, der die Wellen absuchte. Doch keine Spur mehr von der Wasserratte und der geliebten Plattensammlung.
Sein Schädel hämmerte wie verrückt, als sein Wunschtraum sich jetzt machtergreifend zum Alptraum wandelte.
Die Musik klang nur noch quälend wie vom Leierkasten an sein Ohr. Er wollte seine Schwärmerei zurück, oder wenigsten aufwachen, aber es wurde noch düsterer. Der Himmel verfärbte sich dunkelviolett, er hatte schon von Anbeginn die Kontrolle verloren.
Eine nachtgrüne, mit metallic blauen Rattentotenköpfen verzierte, Hochzeitstorte trieb majestätisch dem Horizont entgegen. Ein mehrstöckiges Kreuzfahrtschiff aus giftigen Zutaten, scheinbar harmlos und ruhig. Oben auf der Spitze der Torte stieg Rauch aus einer pinken Kirsche, die Torte drehte sich, wurde zum Karussell um die eigene Schornsteinachse. Schneller und immer schneller wirbelte sie davon und entfachte in ihrem Sog eine Wasserhose.
„Halt! Nein…warte!“, drang ein erschütterter Laut aus Rattes Maul, als er weiter auf das Meer hinaus flog. Eine seltsame Macht ergriff ihn und zog ihn auf den offenen Ozean hinaus, hinter der Hochzeitstorte her, geradezu in den Wirbelsturm des Wahnsinns.
Am Strand hatte Hamster inzwischen ihr schwarzes Karatestirnband bis tief über die Augen gezogen. Sie hatte angestrengt und hoch konzentriert geblickt, nach Ratte’s Puls getastet und laut gerufen: „Wir verlieren ihn. Er hat kaum noch Puls! Wir bauchen einen Rettungswagen.“
Ein dünnes Rinnsal aus Erbrochenem lief nun aus Ratte’s Maul, er war nur noch sehr schwach und stank erbärmlich nach alkoholischen Ausdünstungen.
Im Hintergrund wählte jemand mitleidiges den Notruf, während Hamster die stabile Seitenlage ausführte und Ratte bei der Pfote ergriff. Die drei Musiker auf der Bühne hatten es nicht mitbekommen, zu vertieft waren sie in ihren leidenschaftlichen Auftritt. Ihr Punk-Song war ruppig leicht und toll melodisch, getragen von einer nachdenklichen Singmelodie. So schön! Hamsters Stärke lag im Hoffen, sie hielt Ratte dabei im Arm.
als der strom dann endlich weg war kamst du im dunkeln dicht zu mir und als mein ehrgeiz endlich verschwand ich dir nichts mehr beweisen wollte konnte ich dich sehen wie du bist konntest du mich sehen wie ich bin wir sind kinder der nacht an orten des lichts ohne reue und ohne angst (niemand liebt dich mehr, Seite B, paddelnohnekanu, niemand liebt dich mehr)
Diese Hoffnung schien sich nun auch auf Rattes Traum zu übertragen, in welchem ihm plötzlich Hamster erschien. Sie hatte ein wild gemustertes Stirnband in Neonfarben gegen ihr schwarzes Karatestirnband getauscht und flog sportlich neben Ratte, wobei sie schrie: “Schneller, wir verlieren ihn!“
Doch der Alptraum war noch nicht vorbei. „Wir verlieren ihn, den Kreuzfahrtkuchen!“ hatte Ratte ungewollt geantwortet und die Flugrichtung gewechselt. Er war verzweifelt, wollte umdrehen, sah Hamster hinter sich zurückbleiben und davonfliegen wie einen kleinen, pelzigen Ballon.
Erschrocken sah er sich jetzt selbst dort unten am Meeresufer im Sande liegen. War das noch ein Traum?
Nein, dieser Teil war leider Wirklichkeit.
Neben ihm kniete Hamster mit ihrem schwarzen Stirnband im Strandsand, über ihn war ein weißer Hund mit Schlappohren gebeugt, der einen grellroten Zweiteiler mit einem reflektierenden Rückenpatch trug. Darauf prangte die Aufschrift „Totarzt“. Stumm und verbissen arbeitete er an Ratte’s leblosem Körper.
Eine faltige Nacktkatze mit Pet Frerry Polo-Shirt sprang jetzt aus der gaffenden Menge vor und fauchte einen hungrigen Hasskommentar zu Ratte: „Was für ein leckerer Loser. Fresst ihn endlich!“ Er sah aus wie Skincat, ihr bester Feind, der hatte gerade noch gefehlt. Augenscheinlich war das ein abgekatertes Katz-und-Maus-Spiel gewesen.
Hamster starrte ihn bärbeißig an, der Kater stierte in lauernder Jagdpose zurück. Doch er schien sich an dem Hund nicht vorbeizutrauen. Glück gehabt! Hamster entspannte leicht, hätte den Typen gerne ausgiebig vertrimmt, stattdessen hielt sie Rattes cocktailklebrige Pfote fest umschlossen. Sie mochte einfach niemanden, außer Ratte. Und der durfte nicht sterben!
Ratte flog noch ein Stückchen höher: „Hehe, das ist spaßig! Bin ich schon ein Engel?“ Sehnsüchtig suchte sein Sehsinn nach dem wundersamen Tortenschiff und ganz besonders nach der Plattensammlung, die er einst als Geschenk für Hamster Stück um Stück ergaunert hatte. Dort ganz weit hinten auf der weißen Gischt meinte er für einen Moment die weiße Riesenmuschel mit ihrer Vinyl-Sammlung aufleuchten zu sehen.
„Hey ho, da ist sie!“ Kurzentschlossen wendetet er sich von seinem hilfsbedürftigen Kadaver am Badestrand ab und schwebte los. Aus den Augenwinkeln registrierte er, wie die Bemühungen des Notarztes heftiger wurden, je weiter er sich von seinem Leib entfernte.
Er konnte den Song von paddelnohnekanu’s neuem Album wie durch ein Wunder mitsingen, obwohl er ihn noch nie zuvor gehört hatte. Die Melodie war so traumhaft rauchig wie im Märchen, alle Instrumente perfekt abgestimmt, zum Sterben schön.
Der Polarstern war ein großer, heller Ball, auf den er jetzt zuflog. Dort würde er die Plattensammlung finden und sie Hamster mitbringen. Oh, sie würde sich freuen, er hörte sie immerzu seinen Namen rufen. Bald war er so nah an der Lichtquelle, dass nur noch gleißendes Sternenlicht um ihn herum war. Dann wurde es dunkel.
am tag als die polarlichter streiften haben alle sie gesehen zwischen diesen augenblicken waren meine augen nur bei dir ich will dir nicht beweisen wie sehr ich dich mag will nur bei dir sein, deine stimme hoeren wir werden die hofnarren bleiben zum sterben viel zu schoen (niemand liebt dich mehr, Seite B, paddelnohnekanu, niemand liebt dich mehr)
Auf dem Weg ins Krankenhaus hielt Hamster immer noch seine Pfote, während die Straße unter ihnen hinweg rippelte.
Der weiße Hund stellte eben den Tropf ein, dessen durchsichtiger Schlauch in Ratte’s Maul verschwand.
Es kam Ratte so vor, als führen sie in einem gelben, klapprigen Omnibus, an dessen Steuer ein Opossum in blauer Latzhose saß, das den Wagen waghalsig in die sinkende Abendsonne lenkte. „Träume ich etwa immer noch?“, murmelte er.
Ja, er sollte noch eine ganze Weile brauchen, um wieder vollständig bei Sinnen zu sein.
„Where is my mind?,“ brummelte Hamster und fügte hinzu: “Way out in the water, see it swimmin’. Du hast ziemlich übertrieben.“
Aus dem Radio setzte leise und drängend ein Punkrock-Gitarrensolo von paddelnohnekanu ein, dem bald der Bass folgte.
Ratte dachte bei dem Song sehnsüchtig an ihre Plattensammlung mit der neuen LP, die er für sich und Hamster zurückholen könnte, wenn er doch bloß nicht in diesem verdammten Rettungswagen mitfahren müsste. Ja, er war nicht der Einzige, der hier nicht länger mitfahren wollte. Hamster schaute aus dem Fenster und sang laut mit
nicht allzulange überlegen mit vollgas aus dem fenster schreien treffpunkt 20hundert an der brücke überm fluss am geländer ist noch ein platz frei für dich (liebe leben schreien, Seite B, paddelnohnekanu, niemand liebt dich mehr)
Postlude:
Hamsters Lyrics Zitat Lösungen:
„Und das Zeug was er verteilt, alle Welt träumt schlecht davon!“
„Sandsäcke“ – Dackelblut ( Album: Fluten und Tauchen, 1997)
“Where is my mind? Way out in the water, see it swimmin’.“
„Where is my mind“ – Pixies (Album: Surfer Rosa, 1988)
Encore:
Wird Ratte seine Alkoholprobleme überleben, geschweige denn jemals in den Griff bekommen? Und wenn ja, bleibt er dann überhaupt noch der Alte? Auch Hamster fragt sich, wahrscheinlich genau wie du: „Wie soll das alles bloß weitergehen?“ Keine Sorge, das erfährst du in der nächsten Folge, wenn es wieder heißt: Hamster und Ratte hören gerne Platte!
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Video: paddelnohnekanu – alles gut ich warte
Video: paddelnohnekanu – Nietendeckel
