Wenn man an Rantanplan denkt, kommen einem normalerweise politische Ska-Punk-Hymnen, Offbeats und eine ordentliche Portion norddeutscher Schnoddrigkeit in den Sinn. Mit ihrem Album „Geschwedet“, das am 6. März 2026 erschienen ist, macht die Band aber etwas, das sie in ihrer langen Karriere so noch nicht gemacht hat: ein komplettes Coveralbum. Allerdings wäre es ziemlich un-Rantanplan, bekannte Songs einfach nur sauber nachzuspielen. Stattdessen werden sie einmal durch den bandinternen Ska-Punk-Mixer gejagt. Deckel drauf, ordentlich durchschütteln, fertig ist das „geschwedete“ Ergebnis. Der Titel ist dabei kein Zufall. Er spielt auf das Konzept aus dem Film Be Kind Rewind an, in dem bekannte Filme mit minimalem Budget und viel Improvisation neu nachgedreht werden. Genau dieses Prinzip übertragen Rantanplan auf Musik, bekannte Songs nehmen, sie auseinanderbauen und mit Offbeats, Bläsern und Punktempo wieder zusammensetzen. Das Ergebnis ist eine Art musikalischer Bastelabend, nur mit deutlich mehr Ska.
Insgesamt bringt es die Platte auf etwa 15 Songs und gut 40 Minuten Spielzeit und sie fühlt sich ein bisschen an wie ein Blick in die persönliche Plattensammlung der Band. Statt einer wilden Stil-Achterbahn sorgt der typische Rantanplan-Sound dafür, dass alles erstaunlich gut zusammenpasst. Egal aus welchem Jahrzehnt oder Genre das Original kommt, sobald die Bläser einsetzen und die Gitarren losrattern, klingt es plötzlich so, als hätte der Song schon immer darauf gewartet, Ska-Punk zu werden. Ein schönes Beispiel ist „Alles verkauft“, ursprünglich von Funny van Dannen. Der ohnehin schon bissige Text über Konsum und Kapitalismus bekommt hier einen ordentlichen Tempo-Schub und funktioniert plötzlich wie ein Song, der schon immer für verschwitzte Clubkonzerte geschrieben wurde. Lustigerweise wollten Rantanplan den Song schon Ende der 90er aufnehmen, offenbar hat er einfach ein paar Jahrzehnte gebraucht, bis er im richtigen Offbeat-Tempo gelandet ist.
Ein anderer spannender Moment ist ihre Version von „Kids“ von MGMT. Aus dem verträumten Indie-Pop-Hit wird hier ein erstaunlich druckvoller Ska-Punk-Track. Die bekannte Melodie bleibt zwar erkennbar, aber Synth-Melancholie weicht Bläsern und Gitarren, als hätte jemand den Song einmal kräftig durch eine Hamburger Hafenbrise gejagt. Gerade das macht den Reiz von „Geschwedet“ aus: Es ist weniger ein klassisches Coveralbum als eine Art musikalische Neuinterpretation bekannter Stücke. Manche Songs bleiben nah am Original, andere werden komplett umgebaut. Trotzdem klingt das Ganze nie wie eine zusammengewürfelte Playlist, sondern wie ein echtes Rantanplan-Album. Nur eben mit fremden Songs im Band-Outfit. Am Ende fühlt sich „Geschwedet“ ein bisschen an wie ein Besuch im Proberaum der Band: Hier wird ausprobiert, gelacht, vielleicht auch mal etwas chaotisch gearbeitet, aber immer mit hörbarer Spielfreude. Für Fans ist das Album eine charmante Erinnerung daran, dass Ska-Punk nicht nur politisch und laut sein kann, sondern auch eine ziemlich gute Spielwiese für musikalische Experimente. Und wenn dabei ein paar Songs „geschwedet“ werden müssen, dann ist das offenbar ein Preis, den Rantanplan gerne zahlen.
Erwerben könnt ihr das Album unter anderem unter folgendem Link:

