Ich muss ehrlich zugeben, als ich den Namen Roxton nebst dem Titel „My Name Is Rock“ des neuen Albums des Münchner Quintetts zum ersten Mal gehört habe, dachte ich nichts Gutes. Klang nach zu viel Klischee und erinnerte mich an ein paar Strebermucker aus meiner Stufe, die schön brav Gitarrenunterricht genommen haben, um dann mit großem Angebergehabe das Solo von Bon Jovis „Runaway“ zwar fehlerfrei, aber doch halt auch peinlich vorzurocken. Not my cup of tea! Also Bon Jovi (in den 80ern!) vielleicht schon, aber nicht das eben beschriebene Möchtegern-Rockstargehabe dazu. So also rein in das Album.
Und dann das! Selbst wenn Roxton tatsächlich mit für mich befremdlichen Klischees spielen wollen/sollen (was ich nicht weiß!), ihre Musik steht trotzdem für sich und nimmt mich auch direkt mit. Halleluja, das Album trägt seinen Namen verflucht noch eins zurecht! Das hier ist ROCK! Aber, was genau ist das eigentlich, dieses Rock? Den Begriff geradezu inflationär verwendend, weiß das doch dann immer trotzdem keine*r so genau. Oder liegt das etwa genau an dieser Inflation? Nun, ich kann Licht ins Dunkel bringen und sagen, hört euch Roxton – „My Name Is Rock“ an und ihr habt eine ziemlich hilfreiche Quelle für eine ziemlich passgenaue Definition. Denke ich.
Für alle, die das Album nicht anhören: selber Schuld. Und doch sollt ihr wenigstens in Worten geholfen werden. Da wäre zunächst mal eine absolut lobenswerte, weil ultra druckvolle Produktion. Geile Soundeinstellungen an sich und das Ganze sehr homogen abgemischt. Wir bewegen uns dazu und schon deshalb wild und erfüllen damit ein Rock-Attribut. Dazu immer wieder geile Gitarrensoli und egal ob streberhaft Unterricht genommen wurde, oder nicht, wir spielen dazu Luftgitarre. Rock-Attribut Nummer 2: Check!
Und dann ist vielleicht auch das hier der wahre Rock: Nähe und Verbundenheit, anstatt Distanz und Stargehabe. Schließlich ist der Rock für alle da. Max Roxton jedenfalls legt jeder bestellten, der gerade mal 200 schicken petrolfarbenen Platten, herausgebracht auf dem eigenen Label Roxton Records, ein persönliches Anschreiben bei. Und Roxton betonen, dass sie nicht nur, bzw. überhaupt, Musik mit uns „teilen“, sondern auch einen großen Teil ihres Lebens. Und auch wenn das Klischee da gefährlich nahe kommen mag, so finde ich das in diesem Fall doch ehrlich, aufrichtig und authentisch.
So. Und dann gibt’s da auch noch die Songs als solche. Da höre ich ganz viel raus, was euch helfen könnte. Zwölf geile Songs bedienen euch mit Stuff, den ihr vielleicht stilistisch von den Foo Fighters, von Soundgarden, von Incubus, von Audioslave, von Alter Bridge kennt. Jede Menge Rock also! Den Titelsong selbst finde ich richtig stark und trotz verführerischem Titel gar nicht klischeehaft. Der hätte sich damals dank seines gehaltvollen Sprechgesangs auch ganz gut auf der Crossing All Over-Samplerreihe gemacht (die ich jüngst wieder für mich entdeckt habe).
Ansonsten bieten euch Roxton auch zwölf mal sehr viel Abwechslung. Es ist melodisch, es ist hart, es ist euphorisch, es ist melancholisch, es ist emotional. Es ist Rock! Ich kann euch diese Platte einfach nur wärmstens empfehlen. Over and out.
Neben der Musik ist auch das Artwork, das Gatefold sowie die bedruckte Innenhülle von hoher Qualität. Download-Code gibt’s auch noch, Alles da, was das Herz begehrt. Schaut am besten direkt bei Roxton rein.

