Eigentlich hatte ich ja die Hoffnung schon aufgegeben, dass da nochmal was kommt. Schade, dachte ich. Wieder ist eine geile Band stillschweigend von uns gegangen und was bleibt, ist die Erinnerung an ein paar schöne, nicht ganz nüchterne gemeinsame Abende sowie die Erinnerung an die schiere, nennen wir es mal positive, Gewalt ihrer Liveauftritte.
Schließlich liegt der letzte Release „Feral Thoughts“ schon satte sieben bis acht Jahre zurück und auch auf der Bühne haben sich Sniffing Glue, zumindest aus süddeutscher Sicht, immer rarer gemacht. Und dann das! Ebenfalls stillschweigend, sprich ohne jegliche Vorankündigung, Vorabveröffentlichung oder sonstiges Brimborium erschien die 5-Track-EP „Horsehead“ am 30.01. via Kidnap Music. Und irgendwie noch viel stillschweigender, sprich weder bestellt, noch im Ansatz damit gerechnet, hat der liebe Alex vom Label mir diese EP zum Besprechen zugeschickt.
Danke, lieber Alex! Danke, liebe Sniffing Glue, dafür dass es euch noch immer gibt! Danke für dieses auf Vinyl gebannte Lebenszeichen! Und jetzt geht’s los!
Und zwar direkt mit dem Titeltrack. Der ist ein wenig überraschend, weil im Vergleich zu bisher Bekanntem schon sehr groovig. Liegt vor allem am smoothen Basslauf, der den Song subtil trägt. Assoziationen zu Dancefloor-Smashern wie „Ballroom Blitz“ oder „Radar Love“ werden wach, bzw. könnten aufwachen, wäre da nicht diese klaustrophobische und dystopische Aura, die Sniffing Glue seit je her zu was Besonderem im Hardcore-Punk macht. Schön im Midtempo erzählen Sniffing Glue eine Geschichte zwischen Spießertum und Apokalypse. Kurz, knapp und herrlich, auch wenn der Song mit über drei Minuten Spielzeit im Bandkosmos wohl fast schon so was wie einen Operncharakter hat. Geile Nummer!
Mit „Romance“ bewegen wir uns eher wieder auf sicherem, weil bekanntem Terrain. Rasend schnell, mit offensichtlicher ’80er-HC-Kante à la Circle Jerks und innerhalb von einer Minute und 39 Sekunden wird auch klar: der Titel entspricht nicht so ganz dem eigentlichen Inhalt. Alles andere wären doch auch nicht Sniffing Glue, oder? Und jetzt bleiben wir auch da, wo wir inzwischen gelandet sind. Mit „Request Denied“, „Cocaine For The Universe“ und v.a. dem finalen „Isolate“, das so voller Wut und Feedback-Orgien steckt, knallen uns Sniffing Glue dreimal eins vor den Latz. Die Band hat es immer noch drauf, vielleicht sogar mehr denn je?!
Dann ist Feierabend. Leider viel zu früh – und doch bin ich froh und glückselig ob dieser Musik, dieser Gewalt, diesem Ausbruch und überhaupt, dass Sniffing Glue wieder auf dem zerkratzten Parkett angekommen sind. vermutlich wird es vielen Menschen so gehen, und doch ist „Horsehead“ auf gerade einmal läppische 300 Stück limitiert. Ich würde an eurer Stelle also alles andere stehen und liegen lassen, wollt ihr am Ende nicht mit leeren Händen dastehen!
Schlichtes schwarzes Vinyl, ein Inlay mit sämtlichen Texten und der Micky Maus gibt’s am besten direkt bei Kidnap Music zu holen. Ran da!


Hallo „Der Riedinger“, du triffst so geil den Spirit von Band & EP, ich habe direkt bestellt, Danke. Lagartija Nick
Hallo „Der Riedinger“, du triffst so geil den Spirit von Band & EP, ich habe direkt bestellt, Danke. Lagartija Nick