Wie geil ist das denn?! Das Debütalbum „Inferno, Baby!“ der aus Kiel stammenden Band The Waffle House Index aufgelegt und instant zig Assoziationen im Kopf. Teilweise recht hanebüchene (Project Pitchfork, The Prodigy) und teilweise doch recht passable. Auf jeden Fall ’90er! Da bin ich mit mir selber einig und hach! Was waren das für unbeschwerte Zeiten! Hat Musik denn da nicht schon ganz viel von ihrem Zweck erreicht, wenn sie den Denkapparat von dem/der Hörer*In in Wallung versetzt? Und wie gesagt, wir sind immer noch in den Anfangstakten des Openers „Cannonball“.
Ha! Und so schnell kann man sich täuschen! Da hilft der beste Denkapparat nix (klar, als ob den ausgerechnet der olle Riedinger hätte?!), wenn der auf dem Holzweg ist. Der Opener ist gleich ein Cover und das Original aus dem Jahr ’81 und wenn ich das jetzt einfach nur weiß, dann ist es auch leicht, zumindest den Electro-Anteil von The Waffle House Index in diese Dekade zu stecken. Ray Stevens schrieb den Song damals als Soundtrack für den Heiße-Reifen-Streifen „The Cannonball Run“, The Waffle House Index katapultieren ihn ins Hier und Jetzt und Sänger André hat doch sicherlich eine mindestens genauso coole Sonnenbrille auf, wie Hauptdarsteller Burt Reynolds zu seinen besten Zeiten?!
Der Mann, also André, hat so eine dermaßen lässig-coole Art, uns mit seinem Barriton zu unterhalten, da ist Sonnenbrille Pflicht. Gefällt mir saugut, v.a. auch in Kombination mit den völlig überdrehten und dennoch mitten aus dem Leben gegriffenen Lyrics. „The Kids Are Grumpy“ biegt mich als Zweifach-Papa da mit am meisten durch vor Lachen. Die Heli-Eltern in Überfürsorge für die Kids – v.a. wohl aber für sich selber. Passiert dem Kind nichts, passiert mir nichts, Klammer auf, egal, wie das Kind das so finden mag, Klammer zu. Auszug gefällig? „…Potential threats spotted miles away. Selected friends, allowed on tuesdays. No maths unsolved, no scraped up knees. Egos evolved, so it should be.“
Einfach genial und mit eine der Steilvorlagen für eine Referenzband. Die überdrehten Lyrics mein ich und Electric Six mein ich. Doch nicht nur lyrisch liegt Kiel da bei Detroit. Auch musikalisch könnte man beide Bands bedenkenlos zusammen auf Tour schicken, um dann Abend für Abend Wetten abzuschließen, welche Band heute wohl den Weirdo-Preis für sich in Anspruch nehmen wird. Billy Idol bildet dann zusammen mit Bela B. die Jury und Robert Smith schaut danach, dass die Leute sich nicht zu sehr amüsieren. Schließlich verursacht zu viel Lachen recht schnell Bauchweh.
Aber Lachen ist doch auch gesund, Herr Smith und The Waffle House Index sind die urkomischste Band, die ich seit langem gehört habe. Liest sich zwar doof und vielleicht sieht sich das Quartett selbst auch anders. Ich jedenfalls fühle mich bestens unterhalten und find‘ es einzig ein wenig schade, fast schon zum Heulen, dass „Inferno, Baby!“ gerade einmal sieben Songs umfasst. Also bitte, liebe Waffle House Index, schickt mir/uns schnell einen Nachschlag von eurem arschgeilen Mix aus Wave, Electro, Punk und Rock’n’Roll rüber!
Vorerst aber „Inferno, Baby!“ holen und dann bitte neben der Musik auch das schnieke und farbenfrohe Artwork beachten. Hier passt einfach alles und das Album ist schon seit dem 30.01. draußen und z.B. direkt beim verantwortlichen Label Toanol Records erhältlich.
