Im Buch „Conan City Hardcore“ berichten Protagonisten (ja, eigentlich alles Kerle) von den Anfängen der Grazer Hardcore-Szene um die Jahrtausendwende.
Mich erinnert es sofort an die Art und Weise, die ich neulich schon im Buch „Kinder von Hoy“ lesen durfte, wie dort einzelne Leute zu Wort kommen, es dann einige Fliesstextpassagen gibt, dann wieder ein Kommentar eines Beteiligten. Diesmal fiel es mir etwas leichter, in einen Lesefluss zu kommen.
Es geht im Großen und Ganzen darum, dass es in Graz eigentlich nur große Clubs gab, in denen keine „kleinen“ Hardcore- oder Punkshows stattgefunden haben. Es gab keine unabhängige Szene abseits des Mainstream.
Klar kommen auch einige Bands drin vor, die sich in dieser Zeit gegründet haben und ja auch irgendwo unterkommen mussten, wollten.
Die meisten Bands aus dieser Szene: ich habe noch nie von denen gehört. Wobei es schon einige gibt, die wohl auch weiter weg auf Tour waren.
Grob habe ich mal nach ein paar Bands im Netz geschaut, ob ich Tondokumente finde, leider ohne hörbares Ergebnis.
Es geht los damit, wie sich die beiden Autoren, H.C. Roth und Chris Magerl kennengelernt haben, wie sie begannen Punk und Hardcore zu hören und warum unbedingt etwas in Graz passieren musste, um Konzerte möglich zu machen.
Conan City Hardcore heißt die Konzertgruppe und hat sich nach dem berühmtesten Östereicher (nach Falco) benannt: Arnold Schwarzenegger.
H.C. Roth ist ja auch OX-Redakteur und erzählt auch davon, wie er sich bei dem damals schon weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Magazin als Schreiber bewarb und genommen wurde. Einige seiner Konzertberichte ergänzen dann auch das Gesamtbild.
A propos Bilder: einige Fotos in schwarz-weiß sind immer wieder drin und in der Mitte des Buches auch einige Farbdrucke.
Man bekommt einen ganz netten Eindruck in all diese kleinen Anekdoten, über die Freundschaften, die entstanden sind und was eigentlich bis heute „überlebt“ hat; denn die Konzertgruppe hat es nicht geschafft.
Das erfahren wir am Ende: Chris hat eine Alternative-Rockband (mit Punk-Attitüde) namens „The Burning Flags„.
Für die Menge an unbekannten Bands und Menschen, die hierzulande kaum jemand kennen wird, ist das Buch natürlich verrückt zu lesen: wohin steckt man all die Leute? Allerdings ist es ziemlich erfrischend nicht das nächste Buch über irgendwelche „Titanen“ des New York Hardcore zu lesen, und wie sie sich selbst beweihräuchern. Ein bisschen eine andere Zeit. Und natürlich braucht es ja manchmal etwas Zeit, die erst zur Vergangenheit werden muss, um die Menschen wieder zusammenzubringen und diese Zeit aufzuarbeiten. Denn Aufarbeitung ist ja auch Arbeit an sich selbst. Und dieses Reflektieren fällt ja doch jeder Menge Menschen schwer.
Von daher ist „Conan City Hardcore“ ein recht kurzweiliges Buch!
Das Buch gibt es beim Verlag oder sicher auch in der ein oder anderen linken Buchhandlung (auch in denen, die ausgeschlossen wurden!).

