Inmitten all der unzähligen US-Punkbands der ’90er nahmen DFL (steht für: Dead Fucking Last) eine eher untergeordnete Rolle ein. Und das, obwohl sie mit Gründungsmitglied Adam „Ad-Rock“ Horovitz von den Beastie Boys und der zeitweisen Mitgliedschaft von Brian Baker (Minor Threat, Bad Religion) und Amery Smith (Suicidal Tendencies) durchaus Prominenz in den eigenen Reihen hatten. Klar, da gab es mal die Deals mit dem Beastie Boys-eigenen Label Grand Royal für’s Debütalbum „My Crazy Life“ und danach dann – bei dem Sound quasi unvermeidbar – mit Epitaph Records, nebst Beiträgen auf der fast schon legendären Samplerreihe „Punk-O-Rama“, aber Erste Liga haben DFL dennoch nie gespielt.
Nun, woran liegt’s? Vielleicht daran, dass die Band in satten 21 Jahren Existenz (DFL gründete sich 1991 in L.A., lag aber zwischen 1999 und 2013 auf Eis) nicht gerade zu den Veröffentlichungsweltmeisterinnen zählt. Die Veröffentlichungspolitik von DFL ist wegen diverser Songüberschneidungen, etc. etwas wirr, aber ich komme da auf so ca. 3,5 Studioalben und ein paar Singles und EP’s. Andere haben in solch einer langen Zeit definitv mehr rausgehauen. Vielleicht liegt’s aber auch daran, dass DFL mit ihrem ’80er-HC-Sound in den melodischen ’90ern nicht mehr den Zahn der Zeit getroffen und das Gros der Punk-Kids somit nicht mehr erreicht haben?
Jetzt aber, sage und schreibe 35 Jahre nach der Gründung, wollen es DFL nochmal wissen und bringen mit „Fuck It“ auf SBÄM Records (VÖ war am 24.04.) tatsächlich nochmal einen Release mit neun Songs raus. Auch heuer ist Prominenz mit an Bord. Fletcher Dragge, der Gitarrist von Pennywise, hat das Ding produziert sowie den Titeltrack gleich noch mitgeschrieben.
Ich kenne die beiden DFL-Releases „Grateful…“ (1997) und „YRUDFL“ (2021) und gemessen daran lässt sich mit Fug und Recht behaupten: DFL bleiben sich und ihrer Linie auch mit „Fuck It“ mehr als treu. Das ist neun mal lupenreiner US-HC wie ihn einst z.B. die Circle Jerks, MDC, Reagan Youth und wie sie alle hießen, gemacht haben. Sicherlich aber in neuerem, sprich modernerem Soundanstrich. Da knallt das dann mehr, ist dafür aber vielleicht nicht mehr ganz so geeignet für Soundnostalgiker*Innen.
Lässt es der Titeltack noch gemütlich anstampfen, geht spätestens mit „Paddy Wagon“ die Post ab. Mein persönliches Highlight folgt als Opener der B-Seite. „WWFD“ ist ein Instrumental (keine Sorge, der Gesang von Crazy Tom ist topp und der Song ist nicht wegen seines fehlenden Mitwirkens mein Fave!), das den bereits bekannten Old School-Sound von den DFL mit einer weirden Garagenkante der Marke The Cramps verbindet.
Und während ich hier all meinen Senf zum Besten gebe, ist „Fuck It“ schon mindestens 15 mal durchgerattert. Sind aber auch einfach wahnsinnig schnell vorbei, die neun Songs. Und werden dabei niemals langweilig! Und sollte dieser unwahrscheinliche Fall doch eines weniger schönen Tages eintreten, so macht sich meine Version von „Fuck It“ auch spitzenmäßig als Wanddeko. Denn wie eigentlich immer, haben sich SBÄM Records auch dieses Mal nicht lumpen lassen und hauen den Release als abgefahrene Picture-Disc, als Green/Black-marbled „Paddy Wagon“-Version, oder aber für weniger bunte Vögel auch auf schlichtem schwarzem Vinyl raus.
Textbeilage is‘ dagegen leider nicht, aber es gibt ja derzeit mehr als genügend Gründe, die ein herzliches, aber herzhaftes „Fuck It“ verdient haben. Holt ihr euch also schnellstens euer persönliches Stück „Fuck It“ nach Hause und beeilt euch dabei besser ein bisschen. Die oben genannten Versionen machen zusammen gerade einmal läppische 500 Stück aus! Ordern am Besten direkt beim SBÄM-Shop.

