Sendeschluss bedeutet wörtlich das Ende einer Rundfunksendung oder des Fernseh- oder Radioprogramms. Der Begriff stammt aus der Zeit, in der Sender zu festen Uhrzeiten ihr Programm beendeten und danach keine Inhalte mehr ausgestrahlt wurden, oft begleitet von einem Testbild oder Stille. Heute wird das Wort teilweise auch im übertragenen Sinn verwendet, etwa als humorvolle Umschreibung für „Schluss für heute“ oder das Ende einer Kommunikation.
Die Band
Ob es etwas mit Endgültigkeitsideen zu tun, oder einfach nur nostalgische Gründe hatte, die Band Sendeschluss aus Neunburg vorm Wald in Bayern hat sich für diesen Bandnamen entschieden und damit auch irgendwie direkt ein Statement geliefert. Die Band, das sind Tom (Bass und Background Vocals) und Tim (Gitarre und Vocals). Einen Drummer gibt es nicht und damit geht die Band auch offensiv um. Man arbeitet mit speziellen Setups, um das Fehlen unbemerkbar zu machen. Auf drei Alben und unzähligen Konzerten hat das bereits geklappt.
Das Album
Das dritte Studioalbum, „IRA“, ist am 22.05.2026 bei Ninecastle Records, dem bandeigenen Label erschienen und setzt den Weg nahtlos fort. „IRA“ steht für Zorn und das lässt auf ein wütendes Album schließen. Die LP, das Album ist aktuell haptisch nur auf grün-schwarz-marbled Vinyl inklusive Text-Inlay verfügbar, macht echt was her und ist ein toller Träger für die zehn Songs plus Intro.
Die Songs
Wie gerade schon erwähnt, startet das Album mit einem Intro, dieses trägt den Titel „IRA“ und da kommen Sendeschluss erstmal eher ruhig daher und gar nicht zornig. Dafür musikalisch wirklich gelungen und sehr melodisch. Ein wirklich tolles Intro, das perfekt ins Album und den ersten richtigen Song, gegen Ende dann doch härter und wütender einleitet.
Richtig los geht es dann mit „Die Esel reiten wieder“. Als Esel bezeichnet sich die Band gerne, denn sie arbeitet hart und steht für Charaktereigenschaften wie Starrsinn, Widerstandskraft und Gemeinschaft. Das Lied kündigt eine energiegeladene, rebellische Haltung mit neuen Liedern für ihre Fans an. Gleichzeitig baut es Grenzen gegen rechtes Gedankengut und Motivation für Offenheit, Zusammenhalt und einer ausgelassenen gemeinsamen Feier. Musikalisch gibt es hart auf die Ohren und das macht richtig Bock.
Eigentlich gab es ja direkt Action und doch geht es mit dem Song „Und Action“ noch härter weiter. Wut wird hier musikalisch und gesanglich in Bahnen gelenkt. Der Song erzählt von dem Wunsch, dem grauen Alltag und allen Zwängen zu entfliehen, um gemeinsam Freiheit, und Abenteuer zu erleben. Es geht darum, das Leben in vollen Zügen zu genießen.
„Die Kids“ ist dann deutlich rockiger mit viel Bass und Gebrüll, perfekt für Liveauftritte. Inhaltlich haben wir hier den Generationenkonflikt, den es ja bereits seit tausend Jahren gibt. Hier wird er laut als das, was er ist besungen: Blödsinn.
Der nächste Song, „Hasskommentar“, kritisiert die vergiftete Diskussionskultur, in der Hass, Halbwahrheiten und ständige Meinungsäußerungen sachliche Gespräche und Menschlichkeit verdrängen. Er ruft dazu auf, verantwortungsvoller mit der eigenen Meinungsfreiheit umzugehen und weniger Hass und Desinformation zu verbreiten. Musikalisch laut, mit harter Punkmusik.
„Angst“ kritisiert eine überreiche, aber empathielose Gesellschaft, die trotz Wohlstand egoistisch handelt, Schwächere ausnutzt und moralisch verarmt. Gleichzeitig äußert er große Angst vor einer Zukunft, in der Menschlichkeit endgültig verloren gehen könnte. Hier hört man musikalisch eher Wut statt Angst, aber beim bekannten Fight or Flight-Phänomen passt das ja auch.
Mein Highlight ist Kämpfer*in. Wie es bei so einem Titel sein muss, geht es direkt los. Laut und treibend, ehrlich und motivierend. Textlich wird hier der Mut eine*r Kämpfer*in hinausgeschrien und damit sind natürlich alle gemeint, die etwas für die Sache tun.
„Abgebrannt“ ist rockig bis Metal und reißt musikalisch mit. Der Song beschreibt, wie aus einem kleinen Funken eine alles verzehrende Beziehung oder Situation entsteht, die mehr nimmt als gibt und tiefe Verletzungen hinterlässt. Am Ende geht es um den entschlossenen Neuanfang, bei dem alle Brücken hinter sich abgebrochen werden, weil es kein Zurück mehr gibt.
Musikalisch nicht ruhiger, aber inhaltlich deutlich nachdenklicher wird es bei „Besserer Mensch“. Der Song handelt von ehrlicher Selbstreflexion, dem Loslassen der eigenen Vergangenheit und dem Wunsch, aus Fehlern zu lernen. Trotz aller Herausforderungen vermittelt er die Hoffnung, jeden Tag ein besserer Mensch zu werden und zuversichtlich nach vorne zu blicken.
„One Life One Crew“ ist ein Song von Sendeschluss zusammen mit der Punk-/Hardcoreband Ground2A aus Marburg. Mitreißend, Basslastig und wütend, absolut passend zum Album. Hier geht es um Freundschaft, Verbundenheit und die Gefahr der Rattenfänger, die genau das zerstören wollen, um es insgesamt einfacher zu haben.
Den Abschluss bildet das Lied „Wandern“. Melodisch und schön Gitarrenlastig. Hier kann der Sänger wirklich überzeugen. Wandern ist hier das Ziel des Weges. Man ist nicht gleich verloren, wenn man nicht zuhause ist und soll immer weiter gehen, so die Botschaft. Ein toller ruhiger und aufbauender Abschluss des Albums.
Handwerkliches
Die beiden Jungs liefern hier ordentlich ab. Musikalische Bretter über Bretter. Punk, Metal, Rock, eine tolle Kombination. Etwas zu viel Wut und Lärm, dafür die richtige Mischung an Ehrlichkeit und Menschlichkeit. Die Texte sind tiefgründig und laden zum Nachdenken und verweilen ein, während man bei der Musik eigentlich an Pogo denkt. So muss und so darf nur Punk sein. Instrumententechnisch und Gesanglich viel weiter als noch im letzten Album und vor allen Dingen eine wirklich tolle Produktion. Hier passt alles zusammen.
Fazit
Mit „IRA“ liefern Sendeschluss ihr bislang stärkstes und reifstes Album ab. Die Band verbindet druckvollen Punkrock mit Metal- und Rockeinflüssen, einer starken Produktion und ehrlichen, gesellschaftskritischen Texten, die weit über klassische Punk-Klischees hinausgehen. Trotz aller Wut stehen Menschlichkeit, Zusammenhalt und Hoffnung im Mittelpunkt. Genau dieser Kontrast macht das Album so überzeugend. Wer modernen deutschsprachigen Punk mit Haltung, Energie und Tiefgang sucht, sollte dem Album unbedingt eine Chance geben.
Kaufen könnt ihr das gute Stück hier, bei der Band selbst. Da gibt es auch noch cooles anderes Merch.

