17 Jahre minimalisiert das Chemnitzer Quartett Suralin nun schon durch das Indie-Universum. Ist „minimalisiert“ denn überhaupt ein erlaubtes Verb? Da schau ich jetzt nicht extra im Duden nach, denn egal was da stehen sollte – oder auch eben nicht – für die Umschreibung des Tuns rund um den verträumten Pop, Rock, Surf, Post-Punk und Kraut der Band gibt’s halt nun mal kein besseres Tunwort.
Aber bitte, werte Leserschaft, lassen Sie sich doch bitte nicht gleich abschrecken. Laufen Sie doch bitte nicht gleich weiter. Bleiben Sie noch ein wenig für vier Songs auf 7″ und staunen Sie, was man mit Minimalismus, oder besser: mit minimalistischen Mitteln, alles erschaffen kann. Suralin beweisen es Ihnen.
Im Opener „Driving Home“ höre ich da zunächst mal jede Menge Wave raus, was dann wohl zur Umschreibung „Postpunk-Pop“ auf dem Promozettel beigetragen haben dürfte. Klingt wohlig schön nach New Order, so mein Empfinden. Wohl vor allem wegen dem Gesang von Sänger/Gitarrist Alex. Darüber hinaus zeichnet sich aber schon jetzt die große Kunst von Suralin ab. Die Band schafft mit wenig Tönen ganz schön viel. Ganz schön viel Stimmung bei gleichzeitiger Traumschwelgerei. Ganz viel Emotion bei gleichzeitiger Coolness. Habe ordentlich Lust auf mehr.
Der Titeltrack an zweiter Stelle nimmt an Fahrt auf. The Charlatans, ganz klar. Für mich zumindest. Die Chemnitzer schielen so ein klein wenig auf die Insel. Oben beschriebene große Kunst bleibt weiterhin bestehen. Vielleicht so was wie der Sommerhit der EP.
Scheibchen umgedreht und „The Sentiment’s A Lie“ überrascht mit dezenten Surf-Anleihen. So klingt dann der Sommerabend am Strand, ganz romantisch mit Lagerfeuer und einem kühlen Getränk in der Hand. Der Song hilft ungemein dabei, für einen Moment, wenn auch nur für einen kurzen, all die unschönen Dinge auf dieser Welt ausblenden zu können. Das ist dann wohl die wahre große Kunst von Suralin. Für mich der beste Song auf der Scheibe.
Aber: Musik allein kann die Welt nicht retten. Und das fast schon bedrohlich wirkende Finale „I Love A Boy“ holt uns wieder in die Realität zurück. Wieder mehr Post-Punk, dieses mal ohne Pop, dafür mit großartiger Bassline von Matthias, den bereits bekannten, ähnlich stoischen, weil passenden Drums von Steve und einer zur Versöhnung angebotenen, geradezu zuckersüßen Gitarrenmelodie von Toni zum Ende hin.
Die Aufmachung und das Artwork von „Every Day Slices Me“ ist passend zur Musik sehr minimalistisch gehalten. Sicherlich Geschmackssache, diese Lampe da, dafür aber ist der Himmel ganz schön blau. Würde ich im Plattenladen sehr wahrscheinlich einfach überblättern – und deshalb ist es mir ganz wichtig, euch den Warnhinweis zu geben, dass ihr das nicht auch tun solltet! Sonst verpasst ihr doch vier supi Songs!
Zum Abschluß nun noch mein Geständnis. Ich höre mit „Every Day Slices Me“ zum ersten Mal was von Suralin. Folglich kann ich zu den vorhergehenden fünf Releases der Band nichts sagen, keine Vergleiche ziehen, die ganze Palette eben. Dennoch denke ich, lehne ich mich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass euch mit dieser 7″ der Einstieg in das Suralin-Universum mehr als gelingen dürfte, sollte euch die Band bis dato ebenfalls noch nicht bekannt sein, zumal euch das verantwortliche Label It’s Eleven Records die Scheibe auf schickem red/black-marbled Vinyl zum schmalen Taler anbieten kann. Releasedate ist der 11.09., check it out!
