Songs zu covern gehört zum Punk eigentlich schon immer dazu. Mal ist es eine Liebeserklärung an eine andere Band, mal wird ein Stück komplett neu interpretiert und manchmal hat man einfach Bock darauf, einen guten Song auf seine eigene Art zu spielen. Spannend wird es vor allem dann, wenn zwei Bands gegenseitig die Songs der anderen übernehmen. Dann bekommt das Ganze fast schon einen experimentellen Charakter, der die Fragen beantwortet: Was passiert mit einem Song, wenn plötzlich eine andere Band ihren eigenen Sound und ihre eigene Handschrift hineinbringt?
Die Waliser SHARP-, Oi!- Und Streetpunk-Gruppe Fatal Blow, von denen wir zuletzt deren aktuelles Album besprochen haben, und die Ludwigsburger Punkrocker von The Roadblocks sind nach gemeinsamen Auftritten noch einen Schritt weiter gegangen. Die beiden Bands haben zusammen eine Scheibe veröffentlicht und dabei jeweils zwei Songs der anderen Band in ihren jeweils eigenen Sound gepackt. Mehr Freundschaft geht nicht und deshalb passt der Titel „Friends“ auch verdammt gut.
Die Split-EP
Die 7“ Vinyl/Slip-EP der beiden Bands ist im Mai 2026 bei Mad Butcher Records erschienen. Auf der EP sind, wie bereits geschrieben insgesamt vier Songs, die zusammen auf rund zehn Minuten Spielzeit kommen. Die EP gibt es übrigens in zwei Versionen, einmal in grünem und einmal in schwarzem Vinyl für 10 beziehungsweise 9 Euro.
Die Songauswahl
Zwei Songs pro Band sind nicht viel und kann doch einiges über die eigene Haltung und die Favoriten aussagen. Fatal Blow haben auf der A-Seite „Have you ever?“ und „Running out of time“ eingespielt und The Roadblocks haben sich auf der B-Seite für „The Knives“ und „Johnny come lately“ entschieden.
Den Auftakt macht also „Have you ever? von The Roadblocks durch Fatal Blow und der Song passt nicht nur inhaltlich perfekt zur Band, sie haben ihn auch wirklich zu einem eigenen Song gemacht. Mir wäre nie aufgefallen, dass eine andere Band dieses Lied geschrieben hat. Inhaltlich geht es um das Außenseitertum und das Leben, welches man dadurch führen muss. Schlussendlich möchte das lyrische Ich aber gar kein anderes Leben haben.
Ähnlich wie beim ersten Song, ging es mir auch bei „Running out of time“. Auf den ersten Blick ein typischer Fatal Blow-Song. Die gecoverte Version finde ich ein wenig sanfter als das Original, aber das passt einfach zu Fatal Blow. Inhaltlich geht es um die verpassten Chancen Dinge, in dem Fall den Klimawandel, aufzuhalten.
The Roadblocks eröffnen ihre Seite mit „The Knives“. Lauter, ungestümer und härter als das Original und deshalb ein echter The Roadblocks-Song. Inhaltlich geht es um Gewalt, um Unruhen nach einem Messerangriff und die damit verbundene Eskalation. Hier aber nicht verbal, sondern tatsächlich auf der Straße.
Den Abschluss bildet „Johnny come lately“. Ein Song über Aufschneider und Besserwisser. Diesen Johnny hat man aber längst durchschaut und besingt seine offensichtliche Falschheit. Hier gefällt mir die Rauheit von The Roadblocks besser als das Original von Fatal Blow und insbesondere die Gesangsstimme. Auch hier wurde eine tolle Wahl getroffen.
Insgesamt haben die beiden Bands hier wirklich tolle Arbeit abgeliefert und die Songs zu ihren eigenen gemacht. Musikalisch bin ich zwar weiterhin eher bei den „ruhigeren“ Klängen von Fatal Blow, aber auch The Roadblocks konnten mich überzeugen. Mein Favorit ist „Have you ever?“, der mich inhaltlich und musikalisch abgeholt hat.
Fazit
Unterm Strich ist „Friends“ eine kleine, aber wirklich gelungene Split geworden. Beide Bands haben sich nicht einfach darauf beschränkt, die Songs der jeweils anderen nachzuspielen, sondern ihnen ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Genau das macht die Platte für mich interessant. Während ich musikalisch weiterhin etwas mehr mit dem Sound von Fatal Blow anfangen kann, haben mich auch The Roadblocks mit ihren Versionen überzeugt. Besonders „Have You Ever?“ ist bei mir hängen geblieben und für mich der stärkste Song der vier. Eine schöne Idee, gut umgesetzt und tatsächlich eine musikalische Freundschaftserklärung, die den Namen „Friends“ verdient.
Wer zuschlagen will, kann das hier beim Label tun.

