Drug Stop heißt die Band aus München. Wenn sich da nicht instant Assoziationen zum musikalischen feuchten Traum eines jeden, von der gen Süden führenden Dauerbaustelle A8 staugeplagten Brummifahrers auftun, fress ich den berühmten Besen samt Stiel. Und tatsächlich sind im Opener „57 Years“ auch dezente Country-Anleihen zu vernehmen. Nicht nur, was die Musik anbelangt, sondern auch textlich. So wissen nicht nur die Straßenkönige Truck Stop immer wieder von tollen Geschichten, die das (Trucker-)Leben so schreibt zu berichten, sondern bieten ja vor allem US-amerikanische Countrymusiker*Innen oftmals etwas seriösere Lebensweisheiten und Erfahrungsberichte an.
Sänger und Mastermind von Drug Stop, Markus „Don Marco“ Naegele, jedenfalls berichtet von den einschneidenden Erfahrungen seiner bisherigen 57 Jahre auf dieser Erde. Diese waren nicht immer nur gut und er zeichnet mitunter ein melancholisches bis düsteres Bild mit simplen Stilmitteln, sprich simpler Sprache, für uns. Ja und vielleicht, aber nur vielleicht, war die Begegnung mit Kurt Cobain damals in Köln ja bewusst oder unterbewusst einflußreich auf die Namensgebung des Quintetts?
Die Quintessenz des Ganzen aber ist, „57 Years“ eröffnet „Love You All The Time“ aus rein musikalischer Sicht auf angenehme Art und Weise. Das ist zunächst mal simple Unterhaltungsmusik. Und daran ist rein gar nichts auszusetzen. Dabei soll es aber nicht bleiben und so werden die acht Songs von Drug Stop zunehmend komplexer, vielleicht auch in gewisser Sicht anstrengender, auch wenn ich von diesem Wort in Zusammenhang mit Drug Stop eigentlich Abstand nehmen will. Sehr schön finde ich die sich geradezu aufdrängende songwriterische Stringenz, mit der Drug Stop ihr Debütalbum „Love You All The Time“ aufbauen.
Im dann folgenden zweiten Song, dem Titeltrack, stellen sich uns die Bläser vor. Hier noch mit einem höflichen Hallo und mit der Mischung aus Mike Ness‘ Solosachen und R.E.M., die wir noch vom ersten Song im Ohr haben, liegen wir auch hier nicht ganz falsch. Spätestens aber mit dem dritten Song „The Only One For Me“ und dem dann folgenden, geradezu episch langen „Heaven“ nehmen die Bläser eine gar denkwürdige Position ein und wir sind an der Stelle angelangt, die Drug Stop auch das Prädikat „Free-Jazz“ verleihen.
Ab jetzt wird das Ganze also schon au a bissi was für Nerds und wer sich weiterhin lieber gerne auf den Unterhaltungsfaktor von Musik beschränken möchte, der/die hört halt gerne bitte weiterhin Bayern 3. Für euch ist nämlich spätestens jetzt Schluß mit Lustig auf „Love You All The Time“. Ihr kauft aber wahrscheinlich auch keine Schallplatten beim auch hier verantwortlichen und durchaus exquisiten Köln/Münchner Label Rheinschallplatten?! Die oder Drug Stop selbst würde ich an eurer Stelle dringend zwecks Erwerb der Platte kontaktieren, solltet ihr Interesse an Unterhaltungsmusik abseits der gängigen Normen haben. Je mehr ich drüber nachdenke, gefällt mir diese Umschreibung der Musik von Drug Stop doch am besten…

