Diese Platte hier ist im Grunde eine Erfolgsgeschichte übers Nicht-Aufgeben, verpackt in elf Songs. Sven Stellmach, Kopf der Hamburger Band wearemarvin, hat 2012 angefangen, an diesem Album zu schreiben – und jetzt, 14 (!) Jahre, diverse Line-Up-Wechsel und mehrere abgebrochene Recording-Anläufe später, ist „Don’t Panic“ endlich fertig. Man muss dem Mann echt Respekt zollen für diese Sturheit, die meisten Leute hätten das Projekt nach Jahr fünf oder sechs vermutlich beerdigt.
Musikalisch bewegt man sich ziemlich unverhohlen im Dunstkreis der frühen 2000er New-York-Indie-Welle – sprich: The Strokes lassen grüßen, und zwar ordentlich. Lässiger Slacker-Rock mit gleich drei (!) Gitarristen (Stellmach selbst, dazu Jonny Wenk und der herrlich benannte Velvet Bein, seines Zeichens auch bei Swutscher aktiv und Head of La Pochette Surprise), was eigentlich nach viel zu viel klingen müsste, aber irgendwie funktioniert’s einfach richtig gut. Alles fühlt sich entschleunigt an, cool, ein bisschen thrift-store-mäßig lässig im Gesang, dabei textlich gar nicht so leicht: Es geht um Verzweiflung, Depression, existenzielle Fragen – nur eben umgemünzt in überraschend eingängige, fast schon uplifting-wirkende Slacker-Rock-Hymnen.
Der Titelsong klingt fast wie ein italienischer Film-Score mit dramatischem Unterton, und generell haben viele Songs von wearemarvin diese bildhafte, fast episodische Qualität – jeder wie eine kleine, abgeschlossene Geschichte für sich. Auch die zyklische Dramaturgie des Albums ist ziemlich clever gemacht: Man startet eher steif und ungelenk mit „Once“, und je weiter man reinhört, desto verspielter und energetischer wird’s, bis man sich im Finale fast schon beflügelt fühlt.
Einzelkritikpunkt vielleicht: Fünf der elf Songs gab’s in ähnlicher Form schon auf der EP von 2019, ganz frisch ist also nicht alles auf der Platte. Aber wer erwartet nach 14 Jahren Entwicklungszeit schon komplett neues Material? Für Strokes-Fans, die den neueren Sachen der Band eher skeptisch gegenüberstehen, ist „Don’t Panic“ jedenfalls ein mehr als würdiger Ersatz. Gute-Laune-Musik mit ordentlich Tiefgang drunter, sozusagen – und ein schönes Beispiel dafür, dass gute Dinge eben manchmal Zeit brauchen.
Zu erwerben ist das Album bei La Pochette Surprise über den folgenden Link:
WEAREMARVIN – DON’T PANIC
Viel Spaß beim Hören und Entdecken!
