Drei Mr. Review Tapes? Ja, kann man machen. Wenn Black Butcher Classics schon dafür sorgt, dass diese alten Ska Perlen wieder auf Kassette landen, dann darf das Tapedeck auch ruhig ein paar Runden mehr drehen. Nach „XXV“ und „Lock, Stock & Barrel“ liegt mit „Walkin‘ Down Brentford Road“ nun das Album vor mir, mit dem Mr. Review ursprünglich 1989 ihr erstes großes Album veröffentlichten. Und irgendwie passt es, dass dieses Album den Abschluss bildet. Denn hier bekommt man noch einmal eine andere Seite von Mr. Review zu hören. Weniger Jubiläumsalbum, weniger Rückblick. Dafür die frühe Band, die sich ihren Platz im europäischen Ska erst noch erspielen musste. Der Einstieg mit „The Feeling Is Allright“ macht dabei schon ziemlich deutlich, dass hier niemand vorhatte, das Rad neu zu erfinden. Muss auch gar nicht sein. Der Song bringt den richtigen Groove mit und legt die Grundlage für das, was danach kommt.
Mit „Another Town“ folgt dann direkt mein erster persönlicher Favorit. Der Song hat für mich etwas wunderbar Eigenständiges. Er nimmt sich Zeit, ohne langweilig zu werden und verbindet den Ska Groove mit einer gewissen Nachdenklichkeit. Genau diese Kombination gefällt mir an „Walkin‘ Down Brentford Road“ besonders gut. „Chess“ setzt noch einen drauf und gehört ebenfalls ganz weit nach oben auf meine persönliche Liste. Hier darf sich der Song etwas entwickeln und gerade dadurch bekommt er mehr Tiefe als ein reiner Tanzflächenfüller. Ska darf schließlich auch mal den Kopf beschäftigen, während die Füße weitermachen. Nach dem kurzen „Buf Buf“ geht es mit „Scars On Our Soul“ weiter und auch hier bin ich sofort dabei. Der Song gehört für mich zu den stärksten Momenten des Albums. Etwas schwerer, etwas nachdenklicher und trotzdem fest im Ska verwurzelt. Genau solche Stücke verhindern, dass „Walkin‘ Down Brentford Road“ zu einer reinen Partyplatte wird.
„Chasing“ ist dann mein nächster Favorit. Wieder ein Song, der bei mir nicht einfach durchläuft, sondern hängen bleibt. Überhaupt fällt beim Hören auf, wie selbstverständlich Mr. Review schon damals mit unterschiedlichen Stimmungen umgehen konnten. Die zweite Seite startet mit „Ice & Snow“, bevor „Complications Of Life“ und „Tarzan Of The Eighties“ folgen. Mit „Skampilation“ wird anschließend noch einmal ordentlich Fahrt aufgenommen, während „Paradise By The Batmobile’s Dashboard Light“ mit seinem etwas ungewöhnlichen Titel schon zeigt, dass bei Mr. Review neben dem Ska auch eine gute Portion Humor und Spielfreude mit im Gepäck ist. Und dann kommt zum Abschluss „Shifting Sand“. mein fünfter Favorit und gleichzeitig ein verdammt schöner Schlusspunkt. Der Song darf sich etwas mehr Raum nehmen und bringt genau diese Atmosphäre mit, die ich an „Walkin‘ Down Brentford Road“ so mag. Kein hektischer Rausschmeißer, sondern ein Stück, bei dem man nach dem Ende durchaus denkt, Okay, Seite A noch mal?
Was mir bei diesem Album besonders gefällt, ist die Mischung aus Tanzbarkeit und Melodie. Mr. Review machen Ska, aber sie reduzieren ihn nicht auf „Hauptsache schnell und Hauptsache alle springen“. Da sind kleine Stimmungswechsel drin, ruhigere Momente und Songs, die auch beim zweiten oder dritten Hören noch etwas preisgeben. Und natürlich passt der Titel „Walkin‘ Down Brentford Road“ hervorragend zu diesem Album. Brentford Road in Kingston ist schließlich eng mit der Geschichte von Studio One verbunden. Einem Ort, der für die Entwicklung von Ska und Reggae eine gewaltige Bedeutung hat. Die 2026er Tape Ausgabe von Black Butcher Classics ist deshalb für mich nicht einfach irgendein alter Ska Klassiker auf Kassette. Sie bringt ein Album zurück ins Tapedeck, das mittlerweile einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat und trotzdem erstaunlich frisch wirkt. „Another Town“, „Chess“, „Scars On Our Soul“, „Chasing“ und „Shifting Sand“ sind dabei meine persönlichen Höhepunkte, aber eigentlich funktioniert die Platte am besten als geschlossenes Album. Und damit wären wir auch am Ende unserer kleinen Mr. Review Tape Runde angekommen. Drei Alben, drei unterschiedliche Phasen und drei Kassetten, die zeigen, warum Mr. Review einen festen Platz in der europäischen Ska Geschichte haben. Mein Tapedeck jedenfalls darf jetzt erst einmal Pause machen.
Das weiße Tape und auch die beiden anderen, bekommt ihr bei Mad Butcher Records für einen schmalen Taler.
