Ich habe schon diverse Konzertspecials besuchen dürfen, sei es ein Abschiedskonzert, ein Silvesterhighlight oder auch Geburtstagsspecial.
Stoppok toppt jedoch alles. Zu seinem 70ten Geburtstag beschenkte er sich selbst mit einem Galaabend mit, soviel war zumindest vorab bekannt, illustren Gästen. Dieser fand in einem der schönsten und größten Lichtspieltheater Deutschlands statt, der Lichtburg in Essen, die für Stoppok das ist, was für Grönemeyer Bochum.
Ich persönlich habe mich auf ein „Best Of“ Programm eingerichtet und war gespannt, welche zwei oder drei Gäste auf die Bühne kommen, selten lag ich so dermaßen falsch und war darüber einfach nur glücklich, dabei gewesen sein zu dürfen, da sich an diesem Abend einige Kreise schlossen.
Den Abend eröffnete kein geringerer als Reinhold Beckmann, der dieses Jahr auch 70 wurde, mit einer persönlichen Laudatio nach der sich das Publikum erhob und Stoppok ein Geburtstagsständchen brachte. Später am Abend teilte er sich dann noch mit den Musiker*innen die Bühne und bewies dabei sein Gesangs- und Songwriting Talent.
Im Anschluss betrat der Jubilar im goldenen Plastikanzug die Bühne und eröffnete den Abend mit „Sansibar“ und danach wurde es wuselig auf der Bühne, denn es begann für 1-3 Songs ein ständiges Kommen und Gehen: Danny Dziuk, Martin Bechler von Fortuna Ehrenfeld, Ulrich Rode von BAP u.v.m. jammten mit Stoppok um die Wette.
Im zweiten Teil wurde das Publikum mit Purple Schulz und Hannes Ringlstetter überrascht. Und wie kann man das toppen? Stoppok ist nicht nur für humorvolle Ansagen und Anekdoten sowie obligatorische Textaussetzer bekannt sondern auch für sein virtuoses Saitenspiel, egal ob an der Gitarre, dem Banjo oder der Mandoline. Und dann kündigte er drei Künstler mit der Bemerkung an, dass ihm die Zeit zum üben fehlen würde, um so Gitarre spielen zu können wie Joscho Stephan und das Transatlantic Guitar Trio. Was die drei Künstler mit ihren akustischen Gitarren anstellten war der Wahnsinn. Derartiges Gitarrenspiel kenn man eher von den E-Gitarren-Soli, bei Hendrix & Co, doch es kam noch besser, nein es wurde zum Ende hin gar legendär, als die inzwischen 80jährige Inga Rumpf die Bühne betrat und das große Finale einläutete, bei dem alle Künstler*innen gemeinsam nochmal auf der Bühne standen.
Dieser Abend war aber nicht nur deshalb etwas ganz besonders für mich. Ich hatte tatsächlich mein Smartphone zuhause vergessen und war sehr froh darüber, dass ich mich für eine analoge Konzertkarte entschieden hatte. Ich konnte kein Photo oder Video machen, keine Statusmeldung posten, nichts dergleichen. Ich hatte keine Wahl und mir blieb nichts anderes übrig, als einfach das Konzert zu hören und zu genießen wie früher. Es hat tatsächlich etwas gedauert, bis ich mich auf den reinen Konzertgenuss einlassen konnte. Traurig, oder? Aber es hat sich gelohnt, ich habe schon nach kurzer Zeit nichts vermisst und konnte das Konzert erleben, wie man es einst immer getan hat, mit zuhören, träumen und mitsingen. Vielen Dank Stoppok, dass du mir das möglich gemacht hast.

