Zwei Typen, eine Menge Loop-Pedals und ein Sound, der nach fünf Leuten klingt: So lässt sich das österreichische Duo le_mol ziemlich treffend zusammenfassen. Raimund Schlager und Sebastian Götzendorfer machen seit 2012 gemeinsam Krach und Schönklang, und mit “Split Split” ist jetzt Album Nummer sechs am Start (erschienen am 16. Oktober bei Noise Appeal Records). Wer den Titel für einen Tippfehler oder einen Gemeinschaftsrelease hält: Nope, “Split” ist hier Konzept. le_mol „erzählen“ über Spaltung, Zerfall und Risse, die durch Welt, Gesellschaft und Hirn gehen. Und um die schräge Idee, dass sich am Ende alles wieder zusammenfügt, wenn man nur oft genug splittet.
Die Songtitel liefern dazu die Interpretationshilfe, denn le_mol arbeiten fast komplett instrumental. “Splitsville” ist die unvermeidliche Trennung, “Splitter” die erzwungene, “Split Brain” die pathologische, und “Split The Rich” ist die Spaltung, für die man mal richtig Bock hätte. Hier darf man ruhig mal grinsen.
Musikalisch bekommt man sieben Tracks zwischen melancholischem Post-Rock und Shoegaze, mit Post-Punk, Ambient und einem ordentlichen Schuss Industrial-Dreck obendrauf. Perlende Klavierfiguren schweben über kantigen Gitarrenriffs, stoische Drums laufen gegen flirrende Sounds, und irgendwann baut sich aus einem zarten Motiv eine ausgewachsene Soundwand auf. Das Spannende: Das Klavier geht im Gitarrengewitter nicht unter, was bei so viel Lautstärke nicht selbstverständlich ist. Die Stücke fühlen sich an wie zusammengesetzte Fragmente, die erst nebeneinander laufen, dann übereinander und sich schließlich gegenseitig in die Quere kommen. Der Fokustrack “one third split second” ist dafür das Paradebeispiel: Er startet mit nachdenklichen Klavierlinien, rollt über Elektronik und Drum-Grooves und landet in einem Finale mit E-Bows, verzerrten Gitarrenwänden und gespenstischen Snares, das verdächtig nach Godspeed You! Black Emperor klingt. Muss man mögen, ich mag’s.
Die einzige echte Stimme auf dem Album gehört The Zew, einer selbsternannten Cyborg-Folk-Musikerin aus Wien, die bei “Split Tongue” existenzialistische Texte beisteuert. Visuell zieht sich das Splitprinzip durch Collagen und Monotypien der Wiener Künstlerin Hanna Hollmann.
Kritikpunkt? Eigentlich keiner. Wer bei Post-Rock sofort Gähnanfälle bekommt, wird auch hier kein Bekehrungserlebnis haben, denn ganz neu erfunden wird das Rad auch hier nicht. Aber die Platte klingt dicht, organisch und trotz aller Wucht erstaunlich geerdet. Ein Album zum Abtauchen, nicht für nebenbei.
Erwerben könnt ihr das Album – gibt es übrigens auf nettem gelb-schwarz marmorierten Vinyl – zum Beispiel über folgenden Link, aber auch sonst bei jedem gut sortierten Plattenladen eures Vertrauens.
LE_MOL – SPLIT SPLIT
Viel Spaß beim Hören und Entdecken!

