Alin Coen ist mittlerweile so etwas wie eine feste Größe in der deutschen Singer-Songwriter-Szene. Mit kleinen Pausen macht sie seit 2007 Musik!
Mit „Du bedeutest mir die Welt“ legt sie jetzt schon ihr siebtes Studioalbum vor. Begleitet wird sie wie gewohnt von Philipp Martin am Bass und Fabian Stevens am Schlagzeug, die beiden halten sich aber bewusst zurück, sodass Coens Stimme und ihr Klavier im Mittelpunkt stehen.
Der Titel ist Programm: Zehn Songs, knapp eine halbe Stunde, und im Kern geht’s um Nähe, Mitgefühl und die feinen Verbindungen zwischen Menschen, egal ob Liebe, Freundschaft, Abschied oder Hoffnung.
Schon der Opener „Immer noch da“ zieht einen direkt rein, warm und umarmend, fast wie ein Versprechen für den Rest des Albums. Richtig gut gefällt mir, wie Alin Coen nicht nur aus der eigenen Perspektive singt, sondern bei Songs wie „Keine Eile“ auch in die Rolle der guten Freundin schlüpft, die jemandem tröstende Worte zuspricht. Auch „Atme ein, atme aus“ funktioniert genau so, denn er ist ein zerbrechlicher, sehr persönlicher Song, der einem regelrecht über eine schwere Trennung hinweghelfen will.
Musikalisch bewegt sich das Album zwischen ruhigem Deutschpop und Folk, getragen von viel Klavier und sanften Arrangements. Positiv überrascht hat mich „Schwer verliebt“, wo es richtig viele kleine Details zu entdecken gibt, und auch „Alles beginnt im All“ zeigt, dass Alin Coen sich traut, mit etwas elektronischeren Spielereien zu arbeiten, ohne sich dabei untreu zu werden. Insgesamt strahlt das Album eine überraschend große Positivität aus. Dieser leicht hoffnungsvolle Blick nach vorn, gepaart mit einem dankbaren Rückblick, tut in der aktuellen Zeit einfach gut.
Ganz ohne Schwächen kommt „Du bedeutest mir die Welt“ aber nicht aus. Vor allem auf der ersten Albumhälfte schleicht sich eine gewisse Eintönigkeit ein – viele Songs ähneln sich im Tempo und in der Grundstimmung, sodass das Album streckenweise etwas einseitig wirkt. Dazu kommt, dass Bass und Schlagzeug so zurückhaltend eingesetzt sind, dass man sich in Kombination mit Coens oft nur gehauchtem Gesang manchmal ein bisschen mehr Spektakel oder Dynamik wünscht. Auch textlich ist nicht jede Zeile ein Volltreffer: Bei „Die wichtigen Zahlen“ klingt sie streckenweise etwas gehetzt, und der Reim von „Zweisamkeit“ auf „Achtsamkeit“ im Refrain ist schon arg naheliegend. Wer von Coen die ganz großen Gefühlsausbrüche oder gesellschaftspolitische Kanten erwartet, wie man sie etwa von Dota oder Mine kennt, wird hier eher nicht fündig, dafür bleibt sie sich selbst treu: direkt, warm, undramatisch.
Unterm Strich ist „Du bedeutest mir die Welt“ trotz dieser kleinen Schwächen ein Album, das einen schnell für sich einnimmt. Coens Stimme hat nach wie vor diese hypnotische, geborgene Wirkung, die sich besonders in ruhigen Songs wie „Atme ein, atme aus“ oder „Keine Eile“ direkt auf einen überträgt. Vielleicht ist es phasenweise etwas zu harmonisch und gleichförmig, um durchgehend zu überraschen – aber als warme, ehrliche Liebeserklärung an die Welt und die Menschen funktioniert es definitiv.
Erwerben könnt ihr das Album direkt bei Alin Coen über den folgenden Link. Zu erwerben ist das Album aber auch in jedem gut sortierten Plattenladen.
ALIN COEN – DU BEDEUTEST MIR DIE WELT
Viel Spaß beim Hören und Entdecken!
