Was zeichnet eine richtig gute Soul-Platte aus? Richtig! Man kann schon beim ersten Durchlauf und somit ohne Vorkenntnisse die Melodien mitpfeifen. Rollen wir beim fünften Longplayer „Road To Mandalay“ des recht umtriebigen Hamburger Soulkollektivs Angels Of Libra das Feld mal von hinten auf, so dürfte das auch für fast alle kein Problem sein, denn mit „This Boy“ dreht das Kollektiv zum Abschluss zwar nicht gerade einen Klassiker, aber dennoch einen Beatles-Song durch den soulig-poppigen, na ja, Fleischwolf ist es ja nicht gerade, aber die Redewendung verlangt es halt so. Gefällt mir persönlich übrigens besser als das Original.
Auch ansonsten ist meine oben aufgestellte These, von wegen, „kann man doch eh instant mitmachen“, in keiner Weise despektierlich gemeint. Viel mehr gilt es die Worte „richtig“ und „gute“ zu beachten. „Road To Mandalay“ ist halt einfach eine richtig gute Platte. Gründe dafür gibt’s derlei viele, als da u.a. die Vielseitigkeit der im Genre möglichen Spielarten wäre. Richtig stark die funky Note im Opener „Ain’t No Lovin'“ und genau das ist eine der Nummern, die einem ungehört schon bekannt vorkommt. Gleichzeitig geben Songs dieses Kalibers auch den Sinn für’s ’70er-Jahre-Artwork vor, könnte der Song doch in so gut wie jedem Streifen mit viel Sonnenschein und aus dieser Ära den Soundtrack mimen. Klasse Opener und ich bin sofort voll drin!
Und dann wird der Bogen über den Gesamtinhalt von zwölf Songs eben auch noch in andere Richtungen gespannt. Der Titeltrack etwa und auch das darauffolgende „Time Stands Still“ auf Position 9, bzw. 10 führen die Angels Of Libra so ein klein wenig in Richtung Schwermütigkeit des Kollegen Charles Bradley (R.I.P.). Auch das ist ganz großes Kino. Wofür es dann doch mehr als nur den einen Durchlauf braucht, ist die Erkenntnis, das v.a. die Bläser einen richtig guten Job machen. Die sind sehr klug und dynamisch in die Songs eingeflochten und wirken geradezu charakteristisch für den Sound der Angels Of Libra. Und auch hier ist wichtig: keine Despektierlichkeit und nur weil das Gebläse besondere Erwähnung findet, heißt das nicht, dass die anderen nicht auch spitzenmäßig sind.
Die Angels Of Libra können musikalisch und qualitativ so vieles und decken so vieles ab. „Road To Mandalay“ wirkt wie ein Rundumschlag aus 70 Jahren Soul. Inhaltlich lassen sich die Angels Of Libra dabei von Rudyard Kiplings Gedicht „Mandalay“ leiten. Das wiederum ist zwar deutlich älter als 70 Jahre (es ist aus dem Jahre 1890), bietet aber dennoch eine solide Basis für solides Soulwerk. Ich zitiere direkt vom Promozettel weg: „…die Geschichte eines Mannes, der durch seine Vergangenheit wandert, um Frieden und Erneuerung zu finden.“
Ihr dagegen: bleibt mal schön in der Gegenwart und holt euch unbedingt das am 30.01. auf Waterfall Records erschienene Meisterwerk „Road To Mandalay“ der Angels Of Libra, z.B. bei jpc. Irgendwie klingt das Wort als solches gefühlt auch schon wieder ein bisschen despektierlich, aber das Album hier ist echt Pflichtstoff!

