Was war das bitte für ein Jahr!? Wann immer ich mir die Tagessuppe da draußen angesehen habe, dachte ich am Ende: War das Fiktion oder echt? Da hätte ich dieses Jahr an sooo vielen Stellen schreien können.
Und dabei haben mich ehrlich gesagt N.T.Ä. (Nadine, Tommy, Äxel) aus dem Saarland ganz gut abgeholt. Darum ist mein empfohlener Melodic Street Punk Soundtrack als Untermalung für die 2025er Tagesschau mit all ihren Unfassbarkeiten: N.T.Ä. – Dark Stories. Mit einem schwarz-weißen Grafik-Design Cover, angelehnt an einen Linolschnitt, das einen Rabenvogel zeigt.
Wütend und rotzig ins Mic gebrüllt von Frontfrau Nadine Nevermore, die auch den Bass spielt. Manchmal erinnert mich der Gesang an The Baboon Show. Gefällt mir, würde ich gerne mal live sehen. Mein Lieblingssong auf dem Album ist „Away“ mit einem Feature von Lee Hollis (Spermbirds). Bloß weg hier! Denken sich ja irgendwie viele, zur Zeit. Das fällt mir so international auf. Aber was sollen wir machen, außer abwarten und Musik hören? Weitere gute Vorschläge werden in den Kommentaren gesammelt.
Also, bisschen beruhigen und am besten ganz weit away nach Down Under mit Press Club verziehen. Mit dem ’25er Album To All The Ones That I Love von Press Club kann ich es mir doch ganz gemütlich machen, zuhören und dabei sein in der kreativen Erlebniswelt von den vier Australier:innen mit Frontfrau Natalie Foster.
Hier wurde mit viel Liebe zum Detail im eigenen Studio von Gitarrist Greg Rietwyk über einen längeren Zeittraum getüftelt und gefeilt. Warum? Weil sie können! Auch das bunte, grafische Cover stammt aus der eignen Hand der Band, von Sängerin und Grafikdesignerin Natalie Foster. Press Club fand ich auch live sehr überzeugend, den Konzertbericht gibt’s hier.
Die Platte dazu habe ich mir dann auch gegönnt. Bester Song für mich auf der LP: „No Pressure“. Ein geiles Lied, um nicht von der vorgenannten Unglückbotschaftenlawine überrollt zu werden, den ganzen Shit zu vergessen und trotzdem einen tollen Tag zu haben. Am besten mit dem Kopf Down Under an einer Schaukel hängend und in den blauen Himmel schwingend.
Dieses Jahr hatte ich auch ein tolle Zeit bei Kai & Funky von Ton Steine Scherben featuring Birte Volta. Die Wahl einer Sängerin an Rio Reisers Platz stellt sich als richtig gut raus. Auch die Reduzierung auf zwei akustische Instrumente und einen E-Bass funktioniert.
Lieblingssong? Jeder Einzelne! Ich war insgesamt auf vier Konzerten von Marbach über Berlin bis Kiel und habe mir als Souvenir an die tolle Zeit die 2025er Staub & Straße Live-LP mitgebracht von meiner Reise.
Na gut, wenn ich dieses generationenübergreifende Publikum aus über 50(!) Jahren deutscher Rock-Geschichte sehe, dann glaube ich doch noch an gute Nachrichten, ich muss sie mir bloß selbst raussuchen. Ja, die gibt’s nämlich, so ein bisschen versteckt unterm Dreck, da glitzert was. Bitte mehr davon in 2026! <3
Zum Schluss gibt’s wieder was zum Lesen, nämlich das 2025er Spezial Fanzine Sexismus im Punk. Das Zine hat Ronja Schwikowski von Plastic Bomb geschrieben. Es basiert zum Teil auf Texten von Diana Ringelsiep, die als Vorlage für einen Vortrag im Rahmen der Punk as F*ck– Lesungen von Ronja gehalten wurden.
Ungebrochen besteht Interesse an dem 2022 beim Ventil Verlag erschienen Buch, das uns bereits in der dritten Auflage vorliegt. Diesen Vortrag bekommt ihr jedenfalls zu Papier gebracht im Fanzine-Format. Das Heft kostet einen schlappen Fünfer bei verschiedenen Mailordern.
Wer sich jetzt etwas vom guten Vinyl gönnen will: Hier entlang bitte!
Die N.T.Ä. Lp gibts hier bei Flight 13.
Press Club gibts in zwei Farben bei Tante Guerilla. Hier bekommst du die hellblaue Vinyl und hier die Gelbe.
„Staub und Strasse (Live 2024)“ von Kai & Funky (Ton Steine Scherben), Birte Volta ist bei Bandcamp erhältlich. Mit diesem Album als Soundtrack habe ich auch Folge #7 der Staffel 2 meiner Fortsetzungssgeschichte Rattster Story geschrieben, der Roadtrip um die Plattensammler Ratte und Hamster. Schmökern, Musik hören und Illustrationen!
Meine guten Vorsätze für 2026: Die volle handwerkliche Packung an Mucke, Artwork und Rock’n’Roll-Literatur nehme ich komplett mit rüber ins neue Jahr! Dazu kommt noch etwas MusInclusion und Diversity Dive, beim Rest lasse ich mich überraschen.
In diesem Sinne: Ritsch, Ratsch, Rutsch!

