Mit „Pt. 1 & Pt. 2“ legt Brach kein klassisches Album vor, sondern eher so etwas wie ein bewusst zusammengesetztes Gesamtbild aus zwei Phasen und genau da kommt das Tape ins Spiel. Die Veröffentlichung als Kassette wirkt nämlich nicht wie ein nachträglicher Einfall oder irgendein Retro-Gag, sondern ziemlich konsequent. Das Ding gehört eigentlich genau so auf Tape. Nicht nur vom Vibe her, sondern auch von der Art, wie sich die Songs anfühlen. Direkt, roh und ohne Interesse daran, besonders „fertig“ zu wirken. Man merkt schnell, dass hier zwei EPs zusammengeführt wurden, aber es fühlt sich eben nicht wie ein einfaches Hintereinander an. „Pt. 1“ tritt dir ziemlich gerade ins Gesicht. Kurz, kompakt, wenig Umwege. Viel Druck, wenig Luft, eher dieses unmittelbare „raus damit“-Gefühl. „Pt. 2“ dagegen wirkt nicht unbedingt ruhiger, aber etwas kontrollierter. Die Songs nehmen sich mehr Zeit, bauen Spannungen anders auf, lassen Stellen auch mal wirken, bevor sie wieder eskalieren. Zusammen ergibt das eine Dynamik, die auf Tape tatsächlich besser funktioniert als man denken würde, weil man es eher am Stück hört, statt einzelne Tracks rauszupicken.
Gerade das Format macht hier viel aus. Kassette zwingt dich ein bisschen dazu, das Release anders wahrzunehmen. Du hörst Seite A, drehst um, hörst weiter. Kein Skippen, kein nebenbei Durchklicken. Und genau dadurch wirkt das Ganze geschlossener, fast wie ein bewusst gesetzter Ablauf. Erst der unmittelbare Druck von „Pt. 1“, dann die etwas tiefer gehenden, strukturierteren Momente von „Pt. 2“. Das hat fast schon so eine kleine Dramaturgie, die digital wahrscheinlich schneller verloren geht. Soundmäßig bewegen sich Brach irgendwo zwischen düsterem Hardcore und diesen leicht dissonanten, manchmal fast flächigen Gitarrenmomenten, die den Songs mehr Raum geben ohne sie weich zu machen. Die Produktion ist rau, aber nicht planlos. Man hört, dass das alles ziemlich bewusst so klingt. Da ist Luft drin, da ist Reibung, da ist dieses leichte Scheppern, das den Songs Gewicht gibt. Nichts wirkt überpoliert, aber auch nichts fällt auseinander.
Die Vocals sind dabei ein großer Faktor. Die klingen nicht geschniegelt oder kontrolliert, sondern eher angekratzt, teilweise fast am Rand. Wütend, aber nicht eindimensional. Es ist eher so eine Mischung aus Druck und Unsicherheit, die ziemlich gut rüberkommt, ohne dass es künstlich wirkt. Genau das gibt der Band ein eigenes Profil, weil es eben nicht nur Aggression ist, sondern auch etwas, das darunter liegt. Was das Tape zusätzlich unterstreicht, ist dieser klare DIY-Ansatz. Das fühlt sich nicht wie ein Produkt an, das darauf ausgelegt ist, irgendwo im Algorithmus zu funktionieren, sondern eher wie etwas, das du dir am Merch-Tisch mitnimmst, weil du gerade ein gutes Set gesehen hast. Etwas, das man bewusst einlegt und komplett durchhört. Und genau dafür funktioniert „Pt. 1 & Pt. 2“ ziemlich gut.
Klar, im Detail gibt es hier und da Ecken, die man glätten könnte, Übergänge die noch sauberer wären, Produktion, die man „größer“ machen könnte. Aber genau das würde dem Ganzen wahrscheinlich eher schaden. Die Stärke liegt eben darin, dass es nicht perfekt ist. Sondern direkt, kantig und ehrlich. Unterm Strich ist das weniger ein Release für nebenbei und mehr eins, das man bewusst hört. Kein großes Konzeptalbum, aber auch kein loses Sammelsurium. Eher ein geschlossenes Ding mit zwei klar erkennbaren Seiten. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Und als Tape funktioniert das nicht nur gut, sondern wahrscheinlich genau so, wie es gedacht war.
Das Tape bekommt ihr bei der Band oder über Provinzpostille.
