Bei dem „Doğu Ekspresi“ handelt es sich um einen (Nach)zug mit dem du bequem von Ankara nach Kars fahren kannst, ebenso handelt es sich hierbei um das neue Album der Schaffhausen Band Café Türk. Doch zunächst braucht es ein wenig Kontext, denn dass es dieses Album gibt ist nicht selbstverständlich. Ich versuche mich kurzzufassend und nenne wenigstens ein paar Eckdaten aus dem fast zweiseitigen Pressetext. Hier liest sich die Entstehungsgeschichte der Platte so spannend, dass ich geneigt bin sie vollständig zu zitieren, aber das geht ja nun nicht. Also in Kürze:
Zwischen 1983 und 1990 war die Band Café Türk wohl so etwas wie ein Geheimtipp in der Schweizer Subkultur und darüber hinaus. Doch ohne die Anfrage des Londoner Labels Zel Zele im Jahr 2019 wäre wohl von der Band nichts mehr, oder zumindest nichts Neues mehr zu hören gewesen. Aus der Anfrage wird 2020 ein Doppel-Vinyl mit alten ,aufgearbeiteten Songs und zwei Jahre später folgt das Livealbum „Live in Neunkirchen 1990“. Grund genug für Metin Demirals, den Gründer von Café Türk, seine alten Bandkollegen anzusprechen um nach so langer Zeit doch wieder was Neues zu erarbeiten. Herausgekommen ist „Doğu Ekspresi“ und der Titel legt nahe, dass wir uns hier auf eine musikalische Reise begeben. Die Fahrt dauert nur eine knappe halbe Stunde mit neun Stationen.
Melancholie auf zartem 80er Jahre Disco-Beat. Ja, im Subtitel hab ich es mehr schlecht als recht als New Wave – Disco-Rock bezeichnet, das stimmt schon und ist zugleich völlig unzureichend, wird „Doğu Ekspresi“ einfach nicht gerecht. Songs wie „Çöl“ sind verspielter, poppiger, weniger Beat mehr flow und kommt gänzlich ohne Metin Demirals Gesang aus, der häufig mehr Sprechgesang ist, oder nennen wir es Rap?
Leider sind die Texte nicht auf dem Cover abgedruckt, oder auf einem Inlay zu finden, so dass ich keine Ahnung habe worum es inhaltlich geht. Die Texte sind türkisch und ich ich frage mich gerade, weshalb ich keine(n) Freund*in um Übersetzung, bzw inhaltliche Einordnung gebeten habe. Aber Musik spricht immer auch für sich, hört euch einfach mal Tracks wie „Ayla“ an.
An dieser Stelle empfehle ich auch mal in die schon oben erwähnte Café Türk Compilation von 2020 zu hören. Dies bekommt ihr, genauso wie „Doğu Ekspresi“ unteranderem hier.