Dieses Bandprojekt – oder ist es gar doch eine ausgewachsene Band? – erregt allein schon wegen seiner Mitglieder großes Aufsehen. Codefendants heißt das Ding und mit „Lifers“ hat es Anfang August sein zweites reguläres Studioalbum veröffentlicht. Codefendants und ihrem neuen Album hier und jetzt einen Freifahrtschein ob der Prominenz an Bord auszustellen, wäre der Sache aber keinesfalls gerecht. Schließlich ist das hier ein richtig guter Bastard an Musik, der mehr verdient hat, als auf seine Protagonisten beschränkt zu werden und den Codefendants selbst als „Crimewave“ bezeichnen.
Kurz zur Prominenz, die da wäre: Sam King von Get Dead, der Rapper Julio „Ceschi“ Ramos und Michael Burkett, alias Fat Mike von NOFX, der „Lifers“ auch produziert hat. Die drei bilden den Kern von Codefendants und was speziell Letztgenannten anbelangt, so ist das hier meiner bescheidenen Meinung nach das beste Stück Musik, an dem er in den letzten 20 Jahren beteiligt war. Das soll sein bisheriges Schaffen, sein Lebenswerk, nicht schmälern und die Messlatte liegt hoch, fragt man zumindest all die Kids und junggebliebenen Alten, die sich auf Skateboards schwingen und sich gerne die Haare färben. Vielmehr ist „Lifers“ halt einfach richtig stark und für mich eine der positivsten Überraschungen des Musikjahres 2026!
Zum Kern gesellt sich auf „Lifers“ ein ganzer Arsch voll Gäste mit den verschiedensten instrumentalen und verbalen Beiträgen. Die jetzt alle aufzuzählen, würde den Rahmen hier echt mehr als sprengen. Einer soll aber dennoch genannt werden. The D.O.C. trägt ordentlich dazu bei, nein, er charakterisiert den Song geradezu und macht „Rivals“ mit zum besten Song unter den zwölf vertretenen.
Und was ist das jetzt, dieser Crimewave? Hm, schwer in Worte zu fassen. Das ist der HipHop, Gangsta Rap, Punk, Ragga, New-Wave, Flamenco, Screamo,… hab ich was vergessen? Etwas idealistisch betrachtet, trägt wohl jede beteiligte Person ihr Bestes von dem bei, was sie sonst eben am besten kann. Codefendants gelingt es auf „Lifers“ geradezu grandios, Tanzbarkeit mit Aggression, Groove mit Lässigkeit und straighten Punk mit verkopfter Raffinesse zu kombinieren. Immer für eine Überraschung gut, zu keiner Zeit langweilig oder gar langatmig: „Lifers“ muss man selbst gehört, muss man selbst erlebt haben, um mitreden und auch mitfühlen zu können. Punkt!
Veröffentlicht wurde das Album vom US-Label Regime Music Group, das sich nicht hat lumpen lassen, was die verschiedenen Ausführungen anbelangt. Allerdings lassen diese sich auch nicht unbedingt im Preis lumpen! Jedoch bietet z. B. jpc die Platte in schlichtem Schwarz und zum akzeptablen Preis an. Die 30 Tacken lohnen sich auf jeeeeden Fall, Leute!
