„Elsewhere“ fühlt sich an wie der Moment, in dem eine Band aus der Stille eines Kirchenraums heraustritt und sich ins „Utz utz utz“ eines Clubs begibt. Bei Grandbrothers war der Klang über viele Jahre geprägt von einem einzigen Instrument: einem Konzertflügel, aus dem sie mittels Verfremdung eine ganze Soundwelt entwarfen. Nun, mit „Elsewhere“, öffnen Erol Sarp und Lukas Vogel – Grandbrothers – dieses minimalistische Konzept und erweitern es um Drum-Samples, analoge Synthesizer, Bässe und elektronische Texturen. Das Ergebnis ist ein mutiger Neuanfang, der zugleich respektvoll mit der eigenen Vergangenheit umgeht.
Musikalisch balanciert das Album zwischen Intimität und Körperlichkeit. Die klaren, perlenden Klavierklimpereien, die man kennt, sind weiterhin präsent, doch sie sind nicht mehr der Mittelpunkt. Stattdessen verschmelzen sie mit treibenden Beats, tiefen Basslinien und dichten Soundlandschaften. Es entsteht eine Atmosphäre, die gleichermaßen nüchtern und hypnotisch wirkt – mal ruhig und meditativ, mal pulsierend und tanzbar. Songs wie der Opener „We Collide“ zeigen, wie organisch dieser Schritt gelungen ist: Die vertraute Piano-Melodie wird ergänzt durch druckvolle Drum-Loops und brodelnde Synths — eine Übergangsform, die zwischen Club und Konzertsaal oszilliert.
Doch „Elsewhere“ bleibt kein bloßer Versuch, neu zu klingen: Die Produktion fühlt sich durchdacht und kohärent an. Obwohl der Groove spürbar stärker im Vordergrund steht, gehen die Grandbrothers nicht in Richtung Pop-Kitsch oder trivialer Dance-Elektronik — ihre Melancholie, ihre sanfte Emotionalität und ihr Gespür für Atmosphäre bleiben erhalten. Tracks wie „Where Else“ oder „Fable“ bringen das besonders auf den Punkt: hypnotische, cineastische Klangräume, die zum Eintauchen verführen – introspektiv und zugleich mit klarer Club-Energie.
Auch konzeptionell wirkt „Elsewhere“ wie eine bewusste Standortbestimmung: Kein Bruch aus Übermut, sondern ein Schritt ins Offene. Der Titel ist Programm, null Abkehr, sondern Aufbruch. Und dieses neue Kapitel steht ihnen gut. Die Musik klingt erwachsen, selbstbewusst, ohne Kompromisse. Sie fordert Aufmerksamkeit, schafft Stimmung und lädt dazu ein, sich treiben zu lassen.
Wenn du dich auf „Elsewhere“ einlässt, erwartet dich ein Album, das lebt – mit Klang, mit Rhythmus, mit Seele. Es ist kein Hintergrundsound, kein easy listening: Es ist Klangkunst, mit Herz, mit Spannung, mit Raum zum Atmen und Bewegen. Grandbrothers zeigen, dass man mit Piano und Tiefbass, mit Zurückhaltung und Bassdrum, mit Nostalgie und Neugier zugleich etwas Neues schaffen kann. „Elsewhere“ ist nicht nur ein Album, es ist ein Erlebnis.
Das Album gibt es im Bandshop, als auch bei JPC zu erwerben.
Viel Spaß beim Hören und Entdecken!

