Diese Frankfurter Band mit dem ultracoolen Namen – Highest Primzahl On Mars – hatte es mir vor einiger Zeit schon angetan. Ich hatte nur nie Gelegenheit, mal so richtig reinzuhören. Und wie es eben als End-Dreißiger ist, lernt man da nicht mehr so viel neue Musik kennen – was als Möchtegern-Musikjournalist schon ein Widerspruch in sich ist. Highest Primzahl On Mars hatte auch in Recklinghausen ein Konzert, aber auch das hatte ich aus irgendwelchen Gründen nicht geschafft.
Na gut, meine Anfrage an Andy von Clostridium Records hatte sich jedenfalls mit der Anfrage des Bassisten Frank Diedrich von Highest Primzahl On Mars an mich überkreuzt und da habe ich dann doch mal beides dazu genutzt, nochmal vernünftig in diese Platte und allgemein in die Band reinzuhören. Und was sie auf „What???“ raushauen, ist schon famos. Diese Veröffentlichung markiert einen neuen Höhepunkt in der Entwicklung der Band und zeigt eine musikalische Reife, die tief in instrumentaler Kreativität und improvisatorischer Freiheit verwurzelt ist. Die Platte ist ein Doppelalbum, das sowohl auf Vinyl als auch als CD erhältlich ist und durch seine Länge und Vielfalt beeindruckt. Besonders auffällig ist, dass nur wenige der Stücke auf dem Album kurz sind – viele Tracks erstrecken sich über lange Zeiträume und laden den Hörer dazu ein, tiefer in die hypnotische Welt der Band einzutauchen. Und da frag ich mich dann doch immer, wie man solch lange Tracks einstudieren kann und wie man diese Tracks immer gleich spielt. Klar – instrumental ist es wahrscheinlich immer mit gewissen Nuancen.
Der Titeltrack „What???“ selbst ist verhältnismäßig kurz im Vergleich zu den restlichen Kompositionen, aber gerade dieser Einstieg funktioniert wie eine Art Türöffner in das komplexe Klanggebilde, das noch folgen sollte. Danach nehmen Tracks wie „Mind Is Coming“ und „Path Of Peace“ den/die Zuhörer*in mit auf ausgedehnte, oft tranceartig anmutende Reisen. Diese Stücke zeichnen sich durch lange, sich entwickelnde Passagen aus, in denen sich rhythmische Muster, Gitarrenimprovisationen und wechselnde Klangtexturen dynamisch entfalten. Neben diesen längeren Tracks gibt es auch kürzere, experimentellere Zwischenspiele wie „Dim Nofio Yn Yr Afon“, die kleine, aber intensive Momente im Gesamtwerk setzen.
Im weiteren Verlauf des Albums finden sich Titel wie „Timescape“, „Botcamp“, „Edge Of Time“ und „Nova Express“, die alle ihre eigenen musikalischen Landschaften aufspannen – von treibenden, fast motorischen Rhythmen bis hin zu sphärischen Klangflächen, die stark an Science-Fiction-Soundtracks oder kosmischen Trance erinnern. Gerade diese Vielfalt macht „What???“ zu einem faszinierenden Album, dessen Strukturen sich mit jedem Durchlauf weiter öffnen und neue Facetten preisgeben. Die CD-Version enthält darüber hinaus zwei Bonustracks mit noch längerer Spieldauer, „Curved Nothing“ und „Planet 18:34“, die das immersiv-psychedelische Erlebnis weiter vertiefen und fast schon wie zusätzliche Dimensionen innerhalb des Albums wirken.
Musikalisch ist das Gesamtergebnis eine Mischung aus verschiedenen Elementen, die sowohl Fans klassischer Kraut- und Space-Rock-Sounds wie auch Liebhaber experimenteller Psychedelic-Musik anspricht. Oder auch Post-Rock – Fans wie mich. Die langen Improvisationspassagen und wiederkehrenden Motive erzeugen ein Gefühl von Weite, das perfekt zu dem bandtypischen Stil passt. „What???“ wirkt wie ein Statement der Band: eine bewusste Herausforderung an traditionelle Songstrukturen und gleichzeitig eine Einladung, sich auf ein musikalisches Universum einzulassen, das sich seiner eigenen Logik und Ästhetik bedient.
Wer Space- und Kraut-Rock mag, der/die wird keineswegs an Highest Primzahl On Mars vorbei kommen. Und wer die Platte erwerben möchte, dem sei der folgende Link zu empfehlen:
HIGHEST PRIMZAHL ON MARS – WHAT???
Und auch dieser Link bringt euch zum Space-Kraut-Glück!
Viel Spaß beim Hören und Entdecken!

