Leftöver Crack sind zurück! ich hätt’s ja kaum für möglich gehalten. Schließlich liegt der letzte Albumrelease schon satte zehn Jahre zurück. Das bandgewordene Anarcho-Syndikat aus New York City veröffentlicht mit „White Guilt Atrocity Quilt“ und „Brad Sabbath“ zwei neue Songs auf einer schicken roten 7″ via dem bandeigenen Label Recidivist Bible Camp und SBÄM Records.
Die Band hatte schon immer so ein klein wenig ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb des Punk. Grund war und ist die teilweise geradezu aberwitzige Vermischung von Ska mit Crust, von Hardcore mit Rocksteady, von Punk mit Death Metal und mit all dem genannten. Was die Vorgängerband Choking Victim schon vielversprechend begann, setzten Leftöver Crack seit ihrer Gründung 1998 noch vielversprechender fort.
Kaum mehr für eine Überraschung gut, also? Ha! Von wegen! Mit dem quasi Titeltrack der 7″ zaubern Leftöver Crack nun noch was (für sie) völlig Neues aus dem Hut. „White Guilt Atrocity Quilt“ klingt nach lupenreinem Bay Area Thrash nebst zweistimmigem Gitarrensolo. Das zwar in Punk und somit simpel, aber dennoch braucht es schon zwingend den nasalen, quäkenden, fast schon nervenden und gerade deshalb geilen Gesang von Stza Crack und Tibbie X., um diesen, mit einer Spielzeit von 4:20 Minuten fast schon ungewöhnlich langen, Song auch Leftöver Crack zuordnen zu können. Wurde so nicht erwartet, ist dafür umso geiler.
Wäre für den (einst?) bekennenden Metal-Hasser Fat Mike aber wohl nicht in Frage gekommen zu produzieren. Dafür aber hat er sich dem zweiten Song „Brad Sabbath“ als Produzent angenommen. Der klingt nicht nur im Wortspiel/Wortwitz nach dem Punkkasper, sondern passt auch musikalisch besser zu dem, was er für gewöhnlich so raushaut. Im direkten Vergleich jedenfalls. Schon wieder viel mehr Leftöver Crack, wie man sie kennt, wie sie einem/einer aber auch immer wieder mal ein ungläubiges Kopfschütteln abringen können.
Im quasi Inlay haben euch Leftöver Crack ganz schön was zu sagen. Sorry, aber das ist zu tiefgründig, um es euch hier in wenigen Worten herunterzubrechen. Aber so viel sei gesagt: die Lektüre lohnt sich. Die Musik so gesehen auch, nur muss jeder/jede selber wissen, ob er/sie die aus meiner Sicht ganz schön gesalzenen Preise, die hier für zwei Songs abgerufen werden, bereit ist zu bezahlen. Das ist tatsächlich auch mein einziger Kritikpunkt an dieser 7″, die ja eigentlich zu 1000% Punk in allen Belangen sein sollte.
Nach meiner Recherche bekommt ihr „White Guilt Atrocity Quilt“ direkt beim in Europa verantwortlichen Label SBÄM Records am billigsten. Jetzt kauft das Ding halt. Schließlich bringen Leftöver Crack nicht alle Tage was Neues raus (zwinker!)!

