Der Opener beginnt mit einer verspielten Melodie die an einen Jingle erinnert. Oder an ein Theme einer Familie-Sitcom und ich weiß nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Die Rede ist von „The Raccoon and the Dog“ mit dem wir in „Innermost“ von Mikael Máni einsteigen und auch direkt mitten drin sind. Denn das verspielte und eine gewisse Leichtigkeit bilden die Basis für das Album, durchziehen es, sind Fundament auf dem dann in verschiedenen Spielarten experimentiert wird.
Um ehrlich zu sein, bekomme ich das Bild vom Waschbär und vom Hund, was mit dem Lesen des Songtitels entstand, nicht mehr aus meinem Kopf und so schreibt er gerade auf Basis von Titeln und Musik seine eigene Sitcom. Beweis dafür, dass Titel und Sound wunderbar passen (und dass ich vielleicht einen Überschuss an Phantasie habe).
Aber da Mikael, wie er sagt, seine Songs aus einer Stimmung und aus Geschichten heraus schreibt, bzw. sie in den Songs stecken, ist es vielleicht völlig in Ordnung, wenn aus einer Story ein Song und wieder einen Story entsteht. Vielleicht ist es mehr als in Ordnung und ganz wundervoll und eben das was Musik ausmacht. Der Grund, weshalb für so viele Menschen (und sei es als Hörende) Musik eine so wichtige Rolle im Leben spielt.
Zurück zum musikalischen Inhalt von „Innermost“. Charakteristisch ist Mikael Mánis E-Gitarre, ebenso Klavier, Keyboard und Metallophone um die sich die weiteren Streichinstrumente arrangieren. Das führt zu einem special Sound, der sich schwerlich beschreiben lässt. Anders als wir es zum Beispiel bei den norwegischen Kollegen von Datadyr oder Soft Ffog, bei denen der Jazz gerne mit Progressive Rock gewürzt und dementsprechend dunkel schattiert ist, klingt es beim dem Isländer Mikael leichter, freundlicher was zum einen natürlich an der Kompositipon als solche liegt, ich aber auch im Einsatz des Metallophone begründet sehe und höre. Oder habt ihr schonmal vom düsteren Klang des Glockenspiels gehört?
Also es lässt sich dieses Album schwerlich einer Spielart des Jazz unter, – oder zuordnen und genauso schwer lässt sich „Innermost“ von Mikael Máni beschreiben. So abgedroschen der Satz klingen mag und so sehr man dahinter eine Unfähigkeit der Reviewschreibenden vermuten kann (sei’s drum, kann ich mit leben), komme ich doch nicht um ihn drum herum: Hört euch das Album an! Und ich schreibe bewusst DAS ALBUM, denn im ersten Moment kann der Opener aufgrund seines oben beschriebenen Charakters, vielleicht nicht direkt auf Anklang stoßen. Und bei unserem durch Streaming und Allgorhythmus konditionierten Hörverhalten mag es „Innermost“ etwas schwerer haben, aber hier sollte das Album als Ganzes und Gesamtes betrachtet werden, was als Ganzes wesentlich zugänglicher ist und als Ganzes dann nämlich Kunst ist und nicht bloßer Jingle oder Theme.

