Wenn man sich so umhört, hätte den US-Amerikanern Modest Mouse kaum mehr jemand einen solchen Geniestreich wie das jüngst erschienene Doppelalbum „An Eraser And A Maze“ zugetraut. Bauernfängerei? Stimmungsmache? Ich weiß es nicht, hab‘ mich dieser Meinung aber nur zu gerne angeschlossen. Subjektiv, behaupte ich. Hat doch der Vorgänger „The Golden Casket“ an der ein oder anderen Stelle schon derbe geschwächelt, ist „An Eraser And A Maze“ dafür wieder umso größeres Kino.
Nun, woran liegt’s? In erster Linie (und rein subjektiv) an der großen Bandbreite an Stimmungen, die Modest Mouse hier transportieren, wenn nicht gar vermitteln. So gelingt es dem notorischen Dauernörgler Isaac Brock samt seiner Band gleich mit dem Opener „Picking Dragons‘ Pockets“ trotz derbe verzerrten Bassintro einen klangfarbenfrohen und geradezu fröhlichen Marker zu setzen. Da hat man doch gleich viiiiieel mehr Lust auf mehr davon und Modest Mouse eignen sich sogar bestens als Soundtrack zur aktuellen Hitzewelle!
Doch dabei allein soll es im weiteren Verlauf nicht bleiben. Und sowieso wird doch dringend und sehnlichst auf den Regen gewartet. Modest Mouse, könnt ihr auch Voodoo? Vielleicht mit dem, dem Schaffen des Bob Dylan nicht ganz unähnlichen, Folk-Song „Dogbed In Heaven/Give It A Skeleton“, der hintenraus so herrlich schrullig und verschroben wird. Oder mit dem gar ganz düsteren und schon hart an The Cure erinnernden „Absolutely Necessary Never“.
Ihr seht schon, da ist heuer ganz schön was los im Hause Modest Mouse. Und eben darin besteht die große Stärke von „An Eraser And A Maze“. Langeweile ist woanders. Die drei genannten Hörbeispiele beweisen es, mein eigentlicher Favorit ist aber „Third Side Of The Moon“. Dieser Song stellt für mich so etwas wie die Quintessenz aus all den 15 Schmuckstücken auf „An Eraser And A Maze“ dar. Warum? Nun, in Worte zu fassen, fällt mir das schwer. Ist eher so ein Gefühl, so wie alles auf dem Release eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle ist.
Unterm Strich bleibt aber die gar ganz wunderbare Erkenntnis: Modest Mouse melden sich auf mehr als eindrucksvolle Art und Weise zurück und feiern mit „An Eraser And A Maze“ quasi ihre eigene Reinkarnation. Klingt euch zu religiös und es geht doch nur um Musik? Na ja, wer sich vom Glauben an Modest Mouse abgewandt hatte, wird ihn hier garantiert wiederfinden. Obertipp und basta!
Auch was die Aufmachung anbelangt, liegt die Qualitätsmesslatte hier ganz hoch. Das Gatefold in Hochglanz punktet ordentlich mit der schaurig-schönen und mit dezentem Relief ausgestatteten Tiergrafik, die ihre Fortführung auf den bedruckten Innenhüllen findet. Das Vinyl selbst gibt’s in verschiedenen Farbvarianten, also sucht euch bitte eine davon aus.
„An Eraser And A Maze“ ist Anfang Juni auf Glacial Pace Recordings erschienen und z.B. bei jpc erhältlich.
