Bei Nerve Center aus Berlin wird nicht lange um den heißen Brei herumgeredet. „Damage Is Done“ ist eine dieser Veröffentlichungen, bei denen bereits nach den ersten Takten klar ist, dass hier niemand gekommen ist, um sich musikalisch beliebt zu machen. Die fünf Songs plus Intro bewegen sich irgendwo zwischen Hardcore-Punk, Noise und Raw Punk. Sie sind dreckig, kantig und angenehm unbequem.
Gerade einmal knapp dreizehn Minuten dauert der Spaß, wobei „Spaß“ bei Nerve Center vielleicht nicht unbedingt die passende Vokabel ist. Das kurze „Intro“ macht seinen Job und schafft eine passende Atmosphäre, bevor „Stuck“ die Tür endgültig eintritt. Der Song kommt mit ordentlich Druck und zeigt ziemlich schnell, dass Nerve Center nicht auf Hochglanz stehen. Hier darf es scheppern, kratzen und weh tun. Die Produktion unterstützt diesen Charakter, ohne den Songs die nötige Wucht zu nehmen.
Mein erster richtiger Favorit ist allerdings „House Cleaning“. Der Song hat diese dreckige, nervöse Energie, die sich sofort festsetzt. Die Gitarren schneiden ordentlich, der Bass schiebt von unten und die Drums treiben das Ganze unerbittlich nach vorne. Besonders gefällt mir, dass der Track trotz seiner Kürze nicht gehetzt wirkt. Er besitzt genau die richtige Portion Kontrolle im Chaos. Ein Song, der ziemlich schnell klarmacht, warum diese EP nicht unbedingt für den gemütlichen Sonntagmorgen bei Kaffee und Croissant gedacht ist.
„Pick Your Poison“ setzt anschließend noch einen drauf. Der Titel passt schon ziemlich gut zur musikalischen Gangart, denn hier gibt es keine angenehme Zwischenlösung. Der Song ist kompakt, aggressiv und besitzt diese herrlich giftige Atmosphäre, die guten Hardcore-Punk auszeichnet. Nerve Center lassen den Track nicht unnötig ausufern und treffen gerade deshalb ins Schwarze. Kaum hat man sich auf das Riff eingeschossen, ist die Nummer schon wieder vorbei, also zurück auf Anfang.
Zwischen all dem Krach steckt mit „A Life Not For Living“ ein Stück, das etwas anders wirkt. Der Song nimmt sich weniger Zeit, als manch andere Nummer, hinterlässt aber trotzdem seine Spuren. Gerade solche kurzen Einschübe funktionieren auf „Damage Is Done“ gut, weil sie die EP nicht zu einer einzigen, durchgehenden Lärmwand werden lassen.
Den Abschluss bildet „Harboring Violence“, für mich neben den beiden vorher genannten Songs der dritte große Höhepunkt. Der Track bringt noch einmal ordentlich Gewicht mit und besitzt eine ganz eigene Bedrohlichkeit. Hier passt einfach alles zusammen. Die Gitarren, der treibende Rhythmus und die Vocals, die sich mit ordentlich Nachdruck durch den Song arbeiten. „Harboring Violence“ fühlt sich tatsächlich wie ein würdiger Abschluss an. Nicht weil danach die Luft raus wäre, sondern weil Nerve Center noch einmal alles bündeln, was diese EP ausmacht.
Was mir an „Damage Is Done“ gefällt, ist die Konsequenz. Nerve Center versuchen nicht, ihre Songs größer erscheinen zu lassen, als sie sind. Keine unnötigen Intros, keine überlangen Arrangements und kein Versuch, aus sechs Songs eine künstliche Full Length zu basteln. Die Band nutzt die kurze Spielzeit genau so, wie sie genutzt werden sollte. Jeder Song kommt auf den Punkt und verschwindet wieder, bevor sich Abnutzungserscheinungen einschleichen können.
Auch auf der schwarzen Vinyl, die mir vorliegt, passt das Ganze wunderbar zusammen. Das Format fühlt sich bei einer solchen Veröffentlichung einfach richtig an. Platte auflegen, Lautstärke hoch und knapp dreizehn Minuten später fragt man sich, warum man eigentlich schon wieder bei der letzten Rille angekommen ist. „Damage Is Done“ ist keine EP, die versucht, besonders gefällig zu sein. Sie ist rau, wütend, unangepasst und genau deshalb funktioniert sie. „House Cleaning“, „Pick Your Poison“ und „Harboring Violence“ sind für mich die klaren Favoriten und bleiben auch nach mehreren Durchläufen hängen. Nerve Center liefern hier keine musikalische Komfortzone, sondern eine kurze, ziemlich intensive Breitseite aus Berlin. Und manchmal braucht es eben keine halbe Stunde, um ordentlich Schaden anzurichten.
Erhältlich ist das gute Stück über Bandcamp oder direkt beim Label.
