Juhuuu! Endlich wieder eine musikalische Geschichtsstunde mit den Oberstudienräten von Mad Butcher Classics. Fangen wir mal damit an: Wer von euch kennt die frech dahergrinsende Dame, die das Cover von „Singles“ ziert? Ihr da hinten in der letzten Reihe nicht? Na dann seid ihr wohl halt einfach noch zu jung! Dann wiederum dürftet ihr aber auch noch zu jung sein, um die aus dem englischen Burnley stammende Punkband Notsensibles zu kennen. Denn obwohl sich die Band 2005 wieder zusammengerauft hat und seither unter anderem zweimal das englische Mekka des Punks, das Rebellion Festival in Blackpool, bespielt hat, hatte sie ihre glorreichen vier Jahre zu der Zeit, als die olle Thatcher – ja, genau die da auf dem Cover – das Zepter im UK schwang. Mit dem Unterschied, dass die „Eiserne Lady“ etwas länger ihr Unwesen treiben durfte.
Von 1978 bis 1982 waren Notsensibles am Start und feierten in dieser Zeit sogar eine Nummer 8 in den UK Indie Charts mit tadaaa!, dem Song „I’m In Love With Margaret Thatcher“. Wohl nicht ganz ernst zu nehmen, die Nummer, aber sicherlich auch nicht nur spaßig gemeint, auch wenn der Humor grundsätzlich nie zu kurz kommen durfte bei Notsensibles. Fast alle anderen Songs auf „Singles“ stammen ebenfalls aus diesen vier Jahren, wurden damals auf vier 7″es verteilt herausgebracht und exakt in der hier vorliegenden Reihenfolge 2012 als Compilation von Notsensibles auf dem bandeigenen Label Notsensible Records unter dem Titel „Singles Remasters“ nochmals veröffentlicht. Allerdings nur auf CD. Und das mögen wir ja nicht so. Super also, dass sich Mad Butcher Classics der Sache jetzt nochmal angenommen haben und das Ding so rausbringen, wie sich’s gehört, nämlich auf schwarzem Vinyl!
So. Genug gelernt für heute, jetzt hören wir wieder Musik. Und diese ist in diesem Falle durchaus gewöhnungsbedürftig, das muss man schon sagen. Mit konventionellem Punkkonsum hat das nicht allzu viel zu tun. Vielmehr klingen Notsensibles so ein wenig wie Kabarett mit Musik untermalt. Die Stimme von Michael „Haggis“ Hargreaves, die muss man schon mögen und sie ähnelt so ein klein wenig der Stimme vom Kollegen Olga von den Toy Dolls. Schon unterhaltsam also, aber halt auch nicht für jede*n.
Gitarren und hektische, nicht immer ganz treffsicher anmutende Drums gibt’s schon und das klingt dann auch nach UK-Punk der ersten Stunde, im Vordergrund stehen aber (mir zu) häufig die Keys, was der Musik von Notsensibles einen sehr experimentellen Touch mit auf den Weg gibt. Wildes Chordurcheinander wie in „Lying On The Sofa“ strengt eher an, als dass es zum Pogotanz einlädt. Für Punkpurist*Innen ist das hier unterm Strich eher nichts, auch wenn straighte UK-Punknummern wie „Little Boxes“ zwischendrin immer wieder Futter liefern mögen. Sag ich jetzt mal so. Allen, denen ein simples „one, two, three, four“ (mittlerweile) aber zu wenig ist, kann dieser kompakte Überblick über das Schaffen der Notsensibles aber durchaus was altes Neues, was „etwas anderes“ bieten. „Singles“ ist nicht nur Musik, sondern vielmehr auch ein musikalisches Zeitdokument.
Ein Zeitdokument, das ihr euch am besten beim GEO Epoche der Punkmusik, also direkt bei Mad Butcher Records bestellt.

