So Pi mal Daumen zum 30sten Geburtstag haben sich die Stuttgarter Punk’n’Roller Oxxon mit ihrem dritten Album „…And Don’t Forget To Rock’n’Roll“ selbst beschenkt. Und weil Freude ja bekanntlich dann am größten ist, wenn man sie teilen kann, haben so ziemlich genau 500 Menschen das Glück, dieses handnummerierte Kleinod an Punkmusik auf einer schicken red/black-marbled-LP ihren Teil vom Geburtstagskuchen nennen zu dürfen.
Dabei hat dieses Geburtstagsgeschenk auch definitiv eine Art nostalgischen Touch. So nach dem Motto: „wir dachten uns, weil du doch schon damals und deshalb haben wir uns gedacht und blablabla“. Denn eigentlich kommen uns Oxxon mit einer Musik ums Eck, die in grauer Vorzeit mal die schwer verdaulichen Titulierungen Punk’n’Roll oder auch „Schweinerock“ getragen hat. Im heutigen Post-Punk-Zeitalter ja kaum mehr vorstellbar.
Ich dagegen find’s geil und erinnere mich gerne an die Zeit zurück, als Peter Pan Speedrock und die Backyard Babies das Maß aller Dinge (für uns) waren. Lemmy ist auch nicht mehr da und Oxxon’s Sänger Ralf könnte mit seiner Reibeisenstimme völlig legitim dessen direkter Erbe werden. Klar also jetzt, oder? Oxxon mischen ihre drei Akkorde mit ordentlich Rotz und Gitarrengekniedel auf. Und wenn mir die KI jetzt definiert, dass „Gekniedel“ das „ausgiebige, oftmals als störend empfundene Gitarrensolo…“ sei, ja dann leck mich doch, doofe KI! Das hier ist geil gemacht und absolut Luftgitarrengeeignet.
Einzig die Coverversion von Dead Moon’s „54/40 Or Fight“ käme für meinen Geschmack und gemessen am Original mit ein bisschen weniger, jetzt nennen wir es halt doch mal „Gekniedel“, aus. Das mit den Coversongs ist allerdings so eine Sache, denn derer finden sich insgesamt gleich drei auf „…And Don’t Forget To Rock’n’Roll“. Neben dem eben angesprochenen „54/40 Or Fight“ drehen Oxxon noch den Schmachtfetzen „Porque Te Vas“ des spanischen Musikers José Luis Perales sowie die Alternative Rock-Nummer „Pull My Trigger“ der in den frühen ’90ern aktiven Band Crimery durch den R’n’R-Fleischwolf. Bei insgesamt zehn Songs wirkt das nach viel Fremdkomposition und böse Zungen könnten dem Quartett mangelnde eigene Kreativität vorwerfen.
Jedoch ist es so, dass es Oxxon durchaus gelingt, genannte drei Songs stilistisch quasi zu ihren eigenen zu machen und sie nahtlos in ihr eigenes Repertoire einzufügen. Um ehrlich zu sein, bei „54/40 Or Fight“ war mir schon klar, aus wessen Feder das eigentlich stammt. Bei den anderen zwei Coversongs hätte ich mir – abgesehen vom spanischen Text des einen – aber nichts weiter gedacht, wäre da nicht das überaus aufschlussreiche und reich bebilderte Inlay gewesen.
Insofern und final haben Oxxon mit „…And Don’t Forget To Rock’n’Roll“ ein stimmiges und hart rockendes Gesamtwerk abgeliefert, das mich auch in den Punkten Artwork und Grafik voll überzeugt. Mal gucken, wo sind denn jetzt gleich nochmal all die Schweinerockplatten von damals…
„…And Don’t Forget To Rock’n’Roll“ erschien am 15.05. auf Smith & Miller Records und ist z.B. bei jpc erhältlich.

