Zunächst einmal ein dickes Sorry an die Jungs von Pitshot aus Emlichheim. Euer Zweitwerk „Zerrissen“ lag nun wochenlang zwar unbeachtet, aber dennoch nicht vergessen bei mir rum. Aber letztlich ist Zeit ein kostbares Gut, der Keks leider nur ein Hobby und das wahre Leben ganz schön aufwändig.
Jetzt aber soll es für diesen Moment nur um euch und um „Zerrissen“ gehen. Und wie es der Zufall so will, habe ich erst vor zwei Tagen mal wieder ein Album von Dritte Wahl rausgezogen. „Gib Acht!“ war’s. Natürlich nicht einfach so in der kaum vorhandenen Freizeit, sondern zum Autofahren. Dienstlich. Jetzt höre ich Pitshot an und gehe innerlich die Distanz von Emlichheim nach Rostock durch. Sind schon ein paar Meilen, aber musikalisch könnten die beiden Bands Nachbarn sein.
Nicht nur, dass Pitshots Christoph ein ähnlich markantes und enthusiastisches Organ hat wie Dritte Wahl’s Gunnar. Nein, da ist noch viel mehr, was die beiden Bands zu Nachbarn macht. Der metallische Deutschpunk-Sound samt dieser unbändigen Energie, genauso wie die zynische, kritische und in deutlicher Sprache vorgetragene Art der Lyrics. Aber gut, Rostock ist doch weit genug weg und Pitshot sind keinesfalls ein einfacher Rip-Off. Viel zu sensibel und unglaublich persönlich sind die Texte, wie etwa der vom rasend schnellen Opener „Dieses Gefühl“. „Ich will nicht allein sein. Will ich allein sein? Brauch ich deine Nähe? Warum geh ich auf Distanz? Ich will normal sein, doch bin es nicht. Bin das ich, oder das Kind, das aus mir spricht? …“. Christoph scheint hier sein Innerstes nach außen zu kehren und ich ziehe meinen Hut vor so viel Offenheit gegenüber dem/der Hörer*In.
Mindestens genauso spricht mich aber Pitshots Haltung gegenüber dem blau-braunen Abschaum an, der sich hier immer breiter macht. Pitshot sprechen mir in „Fuck You“ wirklich direkt aus dem Herzen, noch dazu, wo doch gerade Landtagswahl in meinem „Se Wohlstandsländle“ war und der Abschaum doch satte 18,8% Abschaum für sich gewinnen konnte. Ja, auch da – oder aber gerade da – wo es eigentlich (fast) allen gut geht, geht die Angst um. „Ich will nicht, dass Angst dieses Land regiert. Und ich will nicht unsere Freiheit verlieren. Zeigt mehr Menschlichkeit, Respekt und Toleranz. Kein Platz für braune Scheiße, kein Platz für Ignoranz. Kein Platz für Nazis hier im Land!“
Deutliche Worte, klare Worte, klare Kante, gute Band! Und wie so oft werden diese Worte natürlich von den richtigen und doch irgendwie auch von den falschen Menschen gehört. Ihr wisst, was ich meine. Pitshot sind eine Punkband. Eine Punkband mit deutschen Texten. Und wo ich bei diesen Kriterien ganz oft ganz arg kritisch bin, bekommen Pitshot von mir 10 von 10 Punkten! Und die gibt’s nicht als Wiedergutmachung für die lange Wartezeit, sondern genauso ehrlich und aufrichtig gemeint, wie Pitshot mit uns agieren.
Fette Produktion, by the way und vor dem Artwork hat sich mein kleiner Sohn gegruselt. Schon okay, er ist erst 3 und zur Musik von Pitshot wiederum hat er ordentlich getanzt! Ich auch. Und ihr dann auch, sobald ihr euch „Zerrissen“ z.B. beim verantwortlichen Berliner Label Smith & Miller Records geholt habt.

