Mitte der 90er erschien mit Ritual das Debüt der schwedischen Prog-Band Ritual, mittlerweile eine der legendärsten Bands der schwedischen Progressive-Szene. Wirklich aufmerksam geworden bin ich auf das Album allerdings erst Jahre später, als es 2004 remastered und neu aufgelegt wurde. Zu dieser Zeit hörte ich sehr intensiv Progressive Rock und begann diese Musikrichtung richtig zu lieben. Ritual waren mir damals noch völlig unbekannt, umso größer war die Überraschung, als ich dieses Debüt zum ersten Mal hörte.
Was sofort auffällt: Obwohl die Band aus Schweden stammt, klingt dieses Album kaum nach dem damals typischen skandinavischen Retro-Prog. Stattdessen orientiert sich die Musik deutlich am klassischen Progressive Rock der Siebziger und verbindet diesen mit ausgeprägten Folk-Einflüssen. Diese Mischung wirkt erstaunlich frisch und unverkrampft. Man hört klar heraus, wo die musikalischen Wurzeln liegen. Einflüsse von Gentle Giant und Jethro Tull sind ebenso spürbar wie Anklänge an die frühen Jahre von Genesis. Zwischendurch blitzt sogar der mehrstimmige Gesang von Queen auf, was besonders bei „Life Has Just Begun“ gut zu hören ist.
Die Musik auf Ritual wirkt verspielt und träumerisch, fast märchenhaft. Gleichzeitig steckt hinter den Kompositionen eine klassische Prog-Struktur mit vielen kleinen Details und dynamischen Wechseln. Besonders die Instrumentierung trägt viel zur Atmosphäre bei. Mandoline, Flöten und andere akustische Instrumente prägen den Charakter der Songs entscheidend. Sie sorgen damit für Dynamik und Tiefe und machen den ganz eigenen Stil dieses Albums aus.
Zu den stärksten Momenten des Albums zählen für mich „Dependence Day“ und „Solitary Man“. Gerade letzterer zeigt sehr schön, wie souverän Ritual komplexe Prog-Strukturen mit melodischem Songwriting verbinden konnten. Gleichzeitig gehört auch „Life Has Just Begun“ zu den Höhepunkten des Albums, nicht zuletzt wegen seiner Gesangsharmonien.
Dabei ist Ritual eigentlich kein Album, das man auf einzelne Stücke reduzieren sollte. Es funktioniert am besten als Gesamtwerk. Erst wenn man sich Zeit nimmt und die Musik wirken lässt, entfaltet sich der volle Charme dieser Aufnahme.
In der Progressive-Rock-Szene hat sich das Album über die Jahre einen hervorragenden Ruf erarbeitet und wird von vielen Fans regelrecht geliebt. Auch das eclipsed magazine würdigte die Bedeutung der Platte und nahm sie in seine Liste der 150 wichtigsten Prog-Alben auf.
Die aktuelle Vinyl-Neuauflage erscheint über Karisma Records unter der Katalognummer KAR307LP. Die Edition kommt als Gatefold-Doppel-LP und ist auf 300 Exemplare limitiert. Für die Veröffentlichung wurde das Remaster von Hans Fredriksson verwendet, das bereits 2004 für die CD-Wiederveröffentlichung über InsideOut Music erstellt wurde. Die Pressung ist sauber und klar geraten und gibt dem Album genau den warmen und detailreichen Klang, den diese Musik verdient.
Unterm Strich bleibt Ritual ein exzellentes Debüt und ein Album, das man als Prog-Fan unbedingt kennen sollte. Wer die klassischen Prog-Alben der frühen Jahre liebt, wird hier sehr wahrscheinlich ebenfalls seine Freude haben.
Ordern könnt ihr das gute Stück im bandeigenen Shop auf Bandcamp. Oder beim Plattendealer Eures Vertrauens, online wie offline, allerdings scheint Eile geboten, denn bei einigen Onlinestores wird sie bereits nicht mehr gelistet.