Dirty Sound Magnet zum Ersten („DSM III“), Dirty Sound Magnet zum Zweiten („Dreaming In Dystopia“) und jetzt schon wieder Dirty Sound Magnet mit „Me And My Shadow“ zum Dritten. Und das sind lediglich die drei Werke der aus dem schweizerischen Fribourg stammenden Psychedelic-Band, die ich (bisher) für den Keks besprochen habe. Davor gab’s schon ’nen Arsch voll Releases und selbst dazwischen gab es 2024 mit „Live Music Is My Drug“ eben jenen, den Livealbum-Release. Live ist auch das Stichwort, der den Output des Trios umso beachtlicher macht, ist die Band doch gefühlt nie zuhause, sondern ständig auf Tour. Wo zum Henker nehmen die also die Zeit her, ihre spitzenmäßigen Songs zu schreiben – und diese dann auch noch aufzunehmen?!
Bei dem Arbeitspensum stellt sich natürlich recht schnell, fast schon automatisch, die bange Frage, ob denn die Band nicht auch mal einen Qualitätseinbruch erleiden muss? Schon die ersten Takte von „Power Of This Song“ machen aber alle Befürchtungen zunichte. Der Song macht mit seinem coolen Queens Of The Stone Age-Vibe und den folkloristisch angehauchten Strophen seinem Namen alle Ehre. Ja ja, Herr Homme, da dürfen selbst Sie mal neidisch werden. Anerkennung wäre aber besser als Neid. Von mir bekommen Dirty Sound Magnet schon jetzt einen ganzen Batzen davon.
„Dance And Die“ dann, und genau in der Reihenfolge machen wir das. Megacool: die groovende Kuhglocke. Wusste ich gar nicht, dass man die so dermaßen rhythmisch intelligent in einen Song einflechten kann. Der Bass groovt eh cool und macht die Nummer zum nächsten Hit für den Indiedancefloor, inklusive Jimmy Page-Gedächtnissolo, bei dem man dann bierselig die Augen schließt und zum Luftgitarrenheld wird.
„Swimming In Trance“ drosselt dann das Tempo erstmals, ohne aber den Drive rauszunehmen. Weniger Party, mehr Emotion. Tut gut. „Calypso“ zeigt dann einfach alles, was Dirty Sound Magnet ausmacht: Tiefe, Einfühlsamkeit, Ausbruch und Rock und hintenraus auch das, was ich live so an ihnen schätze, hier auf Platte konserviert: einen Hammer-Improvisationspart. Geilo! Und fast möchte man voller Entsetzen rufen: „Was? schon um, die A-Seite?“
Aber keine Sorge, es geht gerade so supi weiter, wie es eben aufgehört hat. „Dead Inside“ groovt wie Audioslave, nur besser und singt wie Ozzy zu späteren Zeiten, nur kraftvoller. Danach lassen es Dirty Sound Magnet mit den drei Nummern „The 9 Commandments Of Men“, „Long Drive“ und dem finalen Titeltrack „Me And My Shadow“ ruhiger angehen, man möchte fast schon sagen, es ruhig ausklingen, ohne dabei aber an Intensität und/oder Qualität zu verlieren.
Dirty Sound Magnet halten ihre eigene Messlatte auch mit diesem Album weiterhin verdammt, fast schon beängstigend hoch. Man fragt sich, was wird da noch kommen, sollte die Band auf diesem Niveau weitermachen? Werden sie etwa Pink Floyd noch den Rang ablaufen, oder wird Krautrock noch in Käsrock umbenannt werden? Es bleibt spannend – und Dirty Sound Magnet bleiben auch auf „Me And My Shadow“ eine Klasse für sich!
Mit dem Spezialistenlabel Tonzonen Records haben sie zudem eine neue Labelheimat gefunden und dieses hat sich in Sachen Aufmachung der Platte nicht lumpen lassen. Schickes Splattervinyl, verpackt in ein Cover mit gar edel wirkendem Goldprägedruck, dazu ein beidseitig bedrucktes Inlay. Topqualität in allen Bereichen! VÖ ist der 30.01.2026 und ihr könnt „Me And My Shadow“ z.B. bei jpc bestellen.
