Grade 2 kommen von der Isle of Wight und sind so ziemlich das Gegenteil einer zusammengewürfelten „Projektband“. Die drei haben schon als Teenager zusammen angefangen, stark geprägt von klassischem UK-Punk und Oi!. Sie haben sich ihren Weg Schritt für Schritt durch die Szene erspielt. In kleinen Clubs und durch frühe Releases, haben sie sich viel Live-Erfahrung sammeln können. Mit der Zeit wurden sie auch außerhalb der Insel bekannter und landeten schließlich bei Hellcat Records, was im Punk-Kosmos schon so etwas wie ein Qualitätssiegel ist. Ihr Sound hat sich dabei merklich entwickelt. Weg vom reinen Streetpunk, hin zu etwas Melodischerem, ohne die Kante zu verlieren. „Talk About It“ wirkt wie der Punkt, an dem sich das alles bündelt. Das Album ist kurz, direkt und ohne Umwege. Es geht sofort los und hält das Tempo konstant hoch, ohne dabei gehetzt zu wirken. Eher wie ein durchgehender Druck, der nie ganz nachlässt. Songs wie „Cut Throat“ setzen da direkt die Richtung. Schnell, kompakt und ziemlich bissig. Das ist genau dieser Einstieg, der klar macht, dass hier nichts groß aufgebaut wird, denn du bist sofort mittendrin.
„Hanging Onto You“ geht dann ein kleines Stück in eine andere Richtung. Immer noch schnell, aber melodischer, fast schon eingängig im Refrain. Das ist so ein Song der zeigt, dass die Band mehr kann als nur nach vorne prügeln. Ähnlich funktioniert auch „Standing in the Downpour“, der etwas offener wirkt und mehr Raum lässt, ohne an Energie zu verlieren. Da merkt man, wie stark sie inzwischen mit Dynamik arbeiten können, ohne ihren Kern zu verwässern. „Better Today“ ist dann so ein klassischer Mittelfeld-Track, der vielleicht nicht sofort heraussticht, aber genau das tut, was er soll. Tempo halten, Stimmung tragen, keine Lücken entstehen lassen. Und genau da zeigt sich auch eine Stärke des Albums, es gibt kaum Ausfälle. Selbst die weniger auffälligen Songs funktionieren im Gesamtfluss.
Der Titeltrack „Talk About It“ sitzt ziemlich zentral und fühlt sich auch so an. Eingängig, direkt, aber mit einem leichten Unterton, der hängen bleibt. Kein großer Ausbruch, eher ein Song, der sich langsam festsetzt. Danach kommen mit „Don’t Worry About Me“ oder späteren Tracks wieder Nummern, die stärker auf Mitsingbarkeit setzen, ohne ins Banale abzurutschen. Das wirkt alles sehr bewusst gesetzt. Viel Abwechslung, aber innerhalb klarer Grenzen. Was sich durch fast alle Songs zieht, ist dieses Gleichgewicht zwischen Außen- und Innenperspektive. Klar, es gibt genug klassische Punk-Themen. Frust, Druck, gesellschaftliche Schieflagen. Aber vieles wirkt persönlicher, weniger wie ein reiner Rundumschlag. Das macht die Songs greifbarer, weil sie nicht nur gegen irgendwas gehen, sondern auch zeigen, wie sich das Ganze anfühlt.
Soundtechnisch bleibt das Album dabei immer auf Linie. Druckvolle Drums, klare Gitarren, Vocals mit genau der richtigen Menge Dreck. Alles ziemlich tight gespielt, aber ohne steril zu wirken. Man merkt, dass die Band Erfahrung hat, ohne dass sie ihren ursprünglichen Charakter verloren hat. Klar, komplett neu ist das alles nicht. Wenn man darauf wartet, dass Grade 2 hier das Genre auseinandernehmen, wird man das nicht finden. Aber das Album fühlt sich auch nicht nach Stillstand an. Eher wie eine Band, die genau weiß, wo sie steht und das einfach konsequent durchzieht. Am Ende ist „Talk About It“ eine Platte, die vor allem über ihren Flow funktioniert. Die einzelnen Songs sind stark, aber richtig gut wird es, wenn man sie am Stück hört. Es baut sich kein großes Konzept auf, aber eine klare Stimmung die sich durchzieht. Und genau deshalb bleibt das Ding hängen. Nicht weil es alles neu macht, sondern weil es das, was es macht, ziemlich überzeugend durchzieht.
Das Album bekommt ihr im Shop der Band oder bei dem Händler eures Vertrauens. Eine ganz klare Kaufempfehlung!

