Wow! Was ein opulentes Werk! Mit dem am 22.05. auf Kidnap Music erscheinenden Doppelalbum „Herz Voran“ setzen sich Angora Club aus Flensburg schon zu Lebzeiten selbst ein Denkmal. Inside/Out-Gatefold, eine Beilage, die eigentlich schon als Buch definiert werden kann, ein aufwändiges und spürbar mit „Herz Voran“ gestaltetes Artwork und last but not least: 15 Songs, gepresst auf vier tiefschwarze Vinylseiten. So viel zur Hardware. Und nun zur Software.
Mit pochendem Herzschlag im Song „Hjertet-Frem“ eröffnen Angora Club ihr Meisterwerk und mein eigenes möchte sich dem wummernden Beat anpassen. Dazu diese bluesige Gitarrenarbeit; der Song funktioniert auch wunderbar ohne den kehligen Gesang von Olli und stimmt uns mit viel musikalischer Emotion auf noch mehr Emotion ein, die da folgen mag.
Schon jetzt wird klar, Angora Club bieten uns auf „Herz Voran“ keine lose Ansammlung von Songs an. Nein! Das hier ist ein symbiotisches Gesamtkunstwerk, das unsere volle Aufmerksamkeit verlangt, diese aber auch verdient. Entsprechend gibt es auch keinen Song, den ich explizit hervorheben möchte. Zu groß die Gefahr, dass ihr euch den dann auf irgendeiner unliebsamen Plattform zieht und den Rest gänzlich verschmäht. Hähä! Ausgetrickst! Aber glaubt mir, ihr werdet mir noch dankbar sein, wenn Angora Club mit „Herz Voran“ auf vollen vier Seiten erstmal auf eurem Teller rotiert.
Volle Aufmerksamkeit nicht nur, weil Angora Club uns musikalisch ein äußerst detailverliebtes Werk bieten, sondern vor allem auch deshalb, weil sie sich nahtlos in die Reihe mit Bands wie Muff Potter, Dackelblut, Turbostaat und (fast schon logisch bei dem Label) Pascow stellen und uns damit – ihr ahnt es schon – auch textlich einiges abverlangen. Ich gebe zu, da werd‘ ich selbst bei mehrmaligem Hören plus parallelem Lesen nicht immer schlau draus, aber dennoch ist klar spürbar, das hier, das Ganze, „Herz Voran“, ja das gibt alles einen tieferen Sinn.
Und dann packen sie mich doch auch immer wieder direkt da, wo es am meisten weh tut und sprechen mir so glasklar und direkt aus meinem Herzen. „…Gefühlt sind alle ewig nur am Jammern. Was ändern tun die wenigsten. …“ klagen Angora Club in „Dann Doch Lieber Augenringe“. Ich bin mal so frech und behaupte, dass dies ein absolut treffsicheres Ergebnis einer Bachelorarbeit in Soziologie sein könnte, sofern die These sich auf diese unsere Gesellschaft bezogen hätte. Note 1 mit Sternchen geht an Angora Club und auch ich nehme mich da nicht raus.
Eine These aber, die ich auf jeden Fall bestätigen kann ist diese hier: Bisher waren Angora Club zwar auf meinem Radar, flogen aber auch irgendwie weit darunter. Mit „Herz Voran“ schlagen sie aber frontal auf meinem Bildschirm ein. Dringender Tipp an alle und am besten gleich mal kucken. Am besten wohl bei Kidnap Music.

