Vier Jahre nach „Unter Tage“ melden sich Malatesta zurück. Das ist lang genug, um die Vorfreude in Skepsis kippen zu lassen. Aber auch kurz genug, um sich nach den ersten Takten von „Gewalt“ zu fragen, warum zur Hölle man überhaupt gezweifelt hat. Schon „Lichtgas“ kennt keine Aufwärmphase. Die Gitarren bauen einen massiven Klangwall auf, das Schlagzeug treibt unnachgiebig nach vorne und dann kommen diese Vocals. Nicht poliert, nicht geschniegelt roh, sondern so, als müssten sie sich ihren Weg mit bloßer Willenskraft durch die Instrumente bahnen. Es ist genau diese Unmittelbarkeit, die Malatesta so überzeugend macht. Hier wird nichts inszeniert. Die Songs wirken, als hätten sie einfach rausgemusst. Dabei beeindruckt vor allem, wie kontrolliert die Band mit ihrer Wucht umgeht. Viele Crust- oder Hardcore-Veröffentlichungen setzen auf Dauerfeuer und hoffen, dass schon irgendetwas hängen bleibt. „Gewalt“ verfolgt einen anderen Ansatz. Die Songs bauen Spannung auf, ziehen sie wieder zurück und lassen sie im richtigen Moment explodieren. Das Ergebnis ist nicht nur laut, sondern packend.
Mit „Bombenhagel“ folgt ein Stück, das seinem Namen alle Ehre macht. Die D-Beat Passagen rollen unaufhaltsam nach vorne, während die Gitarren zwischen Melodie und Dissonanz pendeln. Trotz der schieren Energie wirkt nichts überladen. Im Gegenteil, die Band findet genau die richtige Balance zwischen Chaos und Kontrolle. Das ist Musik, die drückt, ohne stumpf zu werden. „Überleben“ verändert anschließend die Dynamik. Nicht, weil Malatesta plötzlich auf die Bremse treten würden, sondern weil sie verstehen, dass Härte mehr ist als Geschwindigkeit. Der Song wirkt wie der Moment nach dem Einschlag, wenn der Lärm verstummt und erst langsam klar wird, was gerade passiert ist. Gerade diese Zurückhaltung macht ihn so eindringlich. Den Abschluss bildet „Lektionen“, das für mich den Höhepunkt der EP darstellt. Hier greifen alle Elemente ineinander. Das kompromisslose Schlagzeug, die kantigen Riffs und die Vocals, die irgendwo zwischen Verzweiflung und Entschlossenheit pendeln. Die Einflüsse aus Crust, emotionalem Hardcore und Emoviolence sind unverkennbar, doch Malatesta verlassen sich nie auf bloße Genre-Zitate. Statt bekannte Versatzstücke aneinanderzureihen, formen sie daraus einen Sound, der sich unverkennbar nach ihnen anhört.
Auch produktionstechnisch trifft die Band einen Nerv. Der Mix besitzt genügend Dreck, um die notwendige Rauheit zu transportieren. Bleibt dabei aber offen genug, damit jede Gitarrenlinie ihren Platz findet. Das Schlagzeug klingt druckvoll, ohne künstlich aufgeblasen zu wirken und die Vocals sitzen genau dort, wo sie hingehören. Nämlich mitten im Geschehen statt sauber darübergelegt. Was „Gewalt“ letztlich auszeichnet, ist jedoch weniger die technische Umsetzung als ihre Glaubwürdigkeit. Diese vier Songs wirken nicht, als wären sie geschrieben worden, um möglichst hart oder kompromisslos zu erscheinen. Sie klingen, als wären sie das Ergebnis von Erfahrungen, die sich ihren Weg nach draußen gebahnt haben. Genau deshalb entfaltet die EP eine Intensität, die weit über ihre kurze Spielzeit hinausreicht. Malatesta zeigen eindrucksvoll, dass rohe Emotion und durchdachtes Songwriting kein Widerspruch sind. „Gewalt“ ist schwer, wütend und emotional aufgeladen, verliert dabei aber nie den Blick für Atmosphäre und Dynamik. Statt den Hörer mit permanentem Krawall zu erschlagen, entwickelt die EP einen Sog, der einen vom ersten bis zum letzten Ton festhält. Vier Songs. Knapp fünfzehn Minuten. Kein überflüssiger Moment. „Gewalt“ fühlt sich nicht wie ein Zwischenrelease an, sondern wie das konzentrierte Destillat dessen, was Malatesta derzeit ausmacht.
Wer jetzt Bock auf die Platte hat, sollte mal bei Tanz auf Ruinen Records (oder bei dem Händler eures Vertrauens) vorbei schauen und sich ein Exemplar sichern. Alternativ kann man natürlich vorab bei Bandcamp reinhören.
