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Home Reviews Vinyl 12inch

Angus & Julia Stone – Karaoke Bar

(Folk, Indie, Folk-Americana / Virgin Music)

by Norman
01.10.2026
in 12inch, Reviews, Vinyl
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Angus & Julia Stone - Karaoke Bar 1
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Angus & Julia Stone? Bis vor Kurzem hätte ich mit diesem Namen wahrscheinlich erstmal wenig anfangen können. Das australische Geschwister-Duo war für mich komplett unbekannt und ist tatsächlich erst durch den Vinyl-Keks auf meinem musikalischen Radar gelandet. Genau solche Entdeckungen machen für mich einen großen Teil des Reizes aus. Eine Platte kommt ins Haus, der Name sagt einem nichts und dann wird einfach aufgelegt. Ohne Erwartungen, ohne Vergleich zu irgendwelchen früheren Alben, einfach mal hören, was da kommt.

Mit „Karaoke Bar“ liegt nun das aktuelle Studioalbum der beiden vor, das am 4. September 2026 erschienen ist. Angus & Julia Stone sind bereits seit vielen Jahren musikalisch unterwegs und haben sich zwischen Singer-Songwriter, Folk und Indie ihren eigenen Sound aufgebaut. Für mich ist das allerdings der erste Berührungspunkt mit ihrer Musik, weshalb ich völlig unvoreingenommen an die Platte herangegangen bin. Entstanden ist das Album an verschiedenen Orten in Griechenland, Frankreich und Australien. Die Reisen und Begegnungen, die Angus & Julia Stone dabei erlebt haben, sollen ebenfalls in die Songs eingeflossen sein. Und tatsächlich vermittelt „Karaoke Bar“ über weite Strecken ein ziemlich freies und offenes Gefühl. Nichts wirkt hektisch oder überladen, stattdessen bekommt jeder Song seinen Raum.

Was mir ziemlich schnell auffällt, sind die Stimmen der beiden. Angus und Julia ergänzen sich wunderbar und erzeugen gemeinsam eine sehr warme und intime Atmosphäre. Dazu kommen fein arrangierte Instrumente, dezente elektronische Elemente und jede Menge kleine Details, die man vermutlich nicht alle beim ersten Durchlauf mitnimmt. „Karaoke Bar“ ist keine Platte, die einem permanent mit dem musikalischen Vorschlaghammer begegnet. Sie arbeitet wesentlich subtiler und lebt von Stimmung, Melodie und Atmosphäre. Der Titeltrack „Karaoke Bar“ macht dabei einen richtig guten Anfang. Der Song besitzt eine angenehme Leichtigkeit, ohne dabei belanglos zu wirken. Gleichzeitig schwingt eine kleine Portion Wehmut mit, die sich eigentlich durch das gesamte Album zieht. Für mich war das einer der Songs, bei denen ziemlich schnell klar wurde, dass diese Platte musikalisch eine ganz andere Ecke bedient als vieles, was sonst so bei mir auf dem Teller landet.

Mit „Monroe“ geht es entspannt weiter, bevor „Celestial Bodies“ für mich eines der ersten richtig großen Highlights setzt. Der Song besitzt diese wunderbar schwebende Atmosphäre, bei der man nicht ständig darüber nachdenkt, wie der Song eigentlich aufgebaut ist. Man hört einfach zu und lässt sich treiben. Gerade diese Mischung aus Melancholie, Wärme und feinen elektronischen Farbtupfern gefällt mir richtig gut. „The Start“ hält das Niveau und mit „Strangely Strangely“ folgt direkt mein nächster Favorit. Der Titel klingt schon ein bisschen danach, als würde hier irgendetwas leicht aus der Reihe tanzen und genau das gefällt mir. Der Song wirkt ein wenig entrückt und besitzt trotzdem eine eingängige Seite. Einer dieser Tracks, bei denen man sich nach dem Ende durchaus dabei erwischt, noch einmal zurückzugehen. Auf der zweiten Seite wird es mit „Brightest Place“ und „Take Me Back to Japan“ wieder etwas ruhiger. Letzterer trägt schon allein durch seinen Titel ein gewisses Fernweh in sich. Überhaupt scheint Reisen bei „Karaoke Bar“ nicht nur ein Thema für die Presseinfo zu sein. Das Album vermittelt tatsächlich dieses Gefühl von unterwegs sein, Eindrücke sammeln und irgendwo zwischen verschiedenen Orten und Stimmungen hängen zu bleiben.

Mit „Cowgirls Lover Boi“ kommt anschließend einer meiner weiteren Favoriten. Der Song bringt noch einmal eine andere Farbe in die Platte und sorgt dafür, dass sich die zehn Stücke nicht einfach nur wie ein langer, gleichmäßig dahinplätschernder Sonnenuntergang anhören. Dafür gibt es einfach zu viele kleine musikalische Ideen und Veränderungen. „The Cherry Farm“ führt dann Richtung Zielgerade, bevor „Mexico City“ für mich noch einmal richtig schön auftrumpft. Auch hier geht es nicht um großes Pathos oder den musikalischen Holzhammer. Der Song lebt von seiner Atmosphäre und den Stimmen von Angus und Julia. Für mich definitiv ein würdiger Abschluss und gleichzeitig mein fünfter Favorit auf dem Album.

Überhaupt finde ich es spannend, wie schnell mich eine Platte abholen kann, obwohl mir die Band vorher überhaupt nichts gesagt hat. Ich bin musikalisch ziemlich breit unterwegs und lande dabei gerne mal bei ordentlich Krach, Punk, Hardcore oder Metal. „Karaoke Bar“ schlägt nun ganz bewusst eine andere Richtung ein. Hier gibt es keine verzerrten Gitarrenwände, die mir die Wohnzimmerpflanzen aus dem Topf pusten, sondern Musik, die wesentlich subtiler arbeitet. Und genau darin liegt für mich auch der Reiz dieser Platte. Angus & Julia Stone versuchen auf „Karaoke Bar“ offenbar nicht, das Rad komplett neu zu erfinden. Sie nehmen ihren bekannten musikalischen Kosmos, geben ihm durch elektronische Elemente ein paar neue Farben und lassen die Eindrücke ihrer Reisen mit einfließen. Für jemanden wie mich, der gerade erst über den Vinyl-Keks auf die beiden gestoßen ist, funktioniert das hervorragend. Ich brauche schließlich keinen Vergleich zu fünf Vorgängeralben, sondern kann einfach hören, was mir da gerade aus den Lautsprechern entgegenkommt. Und das gefällt mir ausgesprochen gut.

Meine persönlichen Favoriten sind „Karaoke Bar“, „Celestial Bodies“, „Strangely Strangely“, „Cowgirls Lover Boi“ und „Mexico City“. Wobei ich sagen muss, dass sich die Platte insgesamt angenehm geschlossen präsentiert. Mit gerade einmal gut 35 Minuten ist auch schnell Schluss, bevor sich irgendein Song unnötig breitmacht. Die Nadel hebt ab und man denkt sich durchaus, das ging jetzt aber flott. Für mich ist „Karaoke Bar“ deshalb eine dieser schönen Vinyl Überraschungen, mit denen man vorher überhaupt nicht gerechnet hat. Angus & Julia Stone waren mir bis vor Kurzem völlig unbekannt und jetzt steht ihre Platte bei mir im Regal. Ob ich deshalb gleich zum Experten für die bisherige Diskografie des Duos geworden bin? Ganz sicher nicht. Aber darum geht es beim Vinyl-Keks ja auch nicht. Es geht darum, Musik zu entdecken. Und genau das hat bei mir mit „Karaoke Bar“ ziemlich gut funktioniert.

Wer jetzt Bock hat auf eine musikalische Reise mit Angus & Julia, der sollte sich schnell sein Vinyl sichern. Die bekommt ihr zum Beispiel bei Bravado oder dem Händler eures Vertrauens.

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Tags: AmericanaAngus & Julia StoneAustraliaFolkFolk PopIndieIndie-FolkSinger-SongwriterVirgin Music
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