Endlich, endlich! Endlich war es mir vergönnt, Machine f****** Head live sehen zu können. Es gab tausend Gründe, weshalb das bisher einfach nie hat sollen sein. Mal gab es Terminkollisionen mit der eigenen Band und dann kam auch noch Corona, das verdammte Virus, das die bereits gekauften Tickets nutzlos machte. Aber heute, nein! Heute kommt nichts mehr dazwischen! Mein Kollege und Konzertbuddy Sven und ich, wir sind so was von dabei!
Zunächst mal bin ich allerdings etwas verwundert. Kein Support-Act für diese längst etablierte Thrashmetalgröße? Gibt’s denn auf dem ganzen Planeten keine Band, die mit Machine Head touren will?! Gibt’s doch gar nicht! Ich entwickle da jetzt mal eine gewagte, vielleicht sogar freche These: Die Ludwigsburger MHP-Arena, zu normalen Zeiten Heimarena der örtlich ansässigen Bundesliga-Basketballer MHP Riesen Ludwigsburg, ist heute Abend zwar angenehm voll, bei weitem aber nicht überfüllt oder gar ausverkauft. Machine Head aber fahren das volle Besteck auf. Pyroeffekte, digitale Leinwandshow während des kompletten Konzerts, ja selbst ein Drumset, das unter anderen Umständen drei davon ergeben würde (mal im Ernst: spielt Matt Alston wirklich all diese Toms und Cymbals?). Das kostet Geld, das kostet viel Geld und auch wenn der VVK mit 65€ für eine Mainstream-Produktion ja noch im Rahmen war, auch das ist viel Geld für den die Konzertgänger*In. Ihr merkt schon, da beißt sich die Katze in den Schwanz und meine These lautet: schleppender VVK (vielleicht weil sich nicht mehr jede*r der/die gerne möchte, das Ticket leisten kann??) bei teurer Produktion macht gleich keine Vorband, die ja auch noch gerne was vom Kuchen hätte abhaben wollen. Ich kann mir nicht helfen, aber zumindest für mich klingt meine These gar nicht mal so verkehrt und mein Vorschlag für die Zukunft wäre, die Profishow etwas abzuspecken, dadurch das Ticket billiger anbieten zu können, dadurch mehr Leute den Konzertgang ermöglichen zu können, unterm Strich dann sogar mehr in der Kasse zu haben, um sich dann womöglich sogar noch den Support-Act leisten zu können. Na, wie klingt das in euren Ohren? Ich bin kein BWLer und wahrscheinlich deshalb auch zu naiv, die Sache ist viel komplexer und blablabla, aber letztlich geht es es um die Musik. Und die ist heute Abend einfach nur geil, Feuerwerk hin oder her!
Und damit sind wir nach dem Gemecker endlich beim Kern dieses Berichts und seines Anlasses angekommen. Machine Head zeigen sich einfach nur in f****** Bestform! Rob Flynn ist mit seinen fast 59 Lenzen auf dem Buckel stimmlich immer noch beeindruckend gewaltig und zeigt bei bester Laune auch genauso beeindruckende Entertainerqualitäten. Supersympathisch!
Vielleicht kann man sich meine ausschweifende These von oben aber auch einfach nur sonstwo hin stecken und Machine Head wollten einen eigenen Abend mit ihren Fans haben. Schließlich spielt die Band satte 2 Stunden und 30 Minuten inkl. Zugabe! Holla die Waldfee, das ist wirklich lang, wird aber nie langweilig. Und bei der Spielzeit könnt ihr euch ja sicherlich denken, dass Machine Head sich durch all ihre Releases boxen, was ich wiederum sehr geil und lobenswert finde.
Das wiederum hat auch ein sehr abwechslungsreiches Programm zur Folge, haben Machine Head im Zuge ihrer Karriere in meiner subjektiven Wahrnehmung ja einen krassen Stilwechsel durchlaufen. So wird auch der erste Song, den ich von der Band jemals bewusst wahrgenommen habe, heute Abend zum Besten gegeben, womit ich nicht unbedingt gerechnet habe, was mich aber doch schon sehr hoch erfreut. „From This Day“ heißt das Ding vom ’99er Album „The Burning Red“, ohne das damals zu den NuMetal-Glanzzeiten quasi gar nichts ging. Und was soll ich sagen, die Livedarbietung klingt halt wie auf Platte. Da stimmt jeder Ton, wie auch bei jedem anderen Song. Schon sehr beeindruckend!
Logischerweise wird auch das meiner bescheidenen Meinung nach beste Thrashmetal-Album aller Zeiten mit zwei Beiträgen berücksichtigt. Von „The Blackening“ werden „Beautiful Mourning“ und als finale Zugabe „Halo“ präsentiert. Mir persönlich fehlt da noch „Clenching The Fists Of Dissent“, aber wer bin ich schon und das ist Jammern auf hohem Niveau.
Wunderschön, geradezu Gänsehaut erzeugend: die Akustikversion von „Darkness Within“, die ihre Existenz laut Rob Flynn dem vermaledeiten Corona-Virus zu verdanken hat. Schließlich habe man damals nur online jammen können und so seien auch die ansonsten auf Starkstrom angewiesenen Machine Head auf die Akuklampfe umgestiegen. Bei all dem Übel trotzdem eine schöne Geschichte und Flynn schafft es heute Abend einmal mehr, dass ich mich irgendwie zum intimen Kreis der Band aus Oakland zugehörig fühle. So schön heimelig hier in diesem großen Wohnzimmer!
Und wie das normalerweise so ist bei einer Familie, gibt es da auch diverse Generationen unter einem Dach vereint. Hier und heute sind sie alle da, die Menschen, die in Flynn’s Alter sein dürften und die Menschen, die quasi meine Kinder sein könnten. Das macht mir Mut und Hoffnung für die Zukunft harter Rockmusik. Denn egal, dass die Bude heute nicht rammelvoll war: es gibt sie immer noch, die Metalheads und es wird sie auch immer geben. Hoffentlich bleiben uns auch Machine Head in dieser heute dargebotenen Toppform noch lange erhalten!

