Also erstmal zu Engst, Dit sind so’n paar Jungs aus Berlin, die seit Jahren ihr Ding durchziehen, ohne sich groß zu verbiegen. Kein Hochglanz, kein auf geschniegelt, eher so ehrlich auf die Fresse, mit bisschen Herz und ordentlich Meinung. Die machen Deutschpunk mit Pop-Kante, also eingängig genug, dass de’s sofort mitsingen kannst, aber trotzdem nich komplett weichgespült. So und dann kommt dieses Album „Gute Laune“ um die Ecke… und ick sach dir gleich, der Titel is schon bisschen frech. Dit is hier keine „Sonne scheint, alles supi“-Platte. Dit is eher so’n Soundtrack für Tage, wo du dir denkst, „Boah, alles nervt“, aber du stehst trotzdem auf und machst weiter. So’n trotziges Ding halt.
Gleich am Anfang mit „Auf die nächsten Zehn“ merkste schon, wo der Hase langläuft. Dit is so’n Song, der dir sagt, „Wir sind noch da, egal wat kommt.“ Bisschen groß, bisschen pathetisch, aber funktioniert. Kannste dir schon vorstellen, wie alle beim Konzert die Arme hochreißen und mitbrüllen, auch wenn se eigentlich heiser sind. Dann haste „Sag mir warum“ und zack, Stimmung erstmal runtergezogen. Aber nich auf so’n künstlich traurigen Film, sondern eher ehrlich. So dieses Gefühl, wenn dir Fragen im Kopp rumschwirren und du keine Antworten kriegst. Tut bisschen weh, aber genau deswegen bleibt dit hängen. Mit „Großstadtprolet“ wird’s wieder rotziger. Schön gegen den ganzen Alltagstrott, bisschen gegen sich selbst auch. Dit hat Druck, dit schiebt nach vorne, ja genau so’n Ding, wo de beim Hören automatisch schneller läufst oder innerlich schon im Moshpit stehst.
Und dann kommt „Sandra“ mit einem komplett anderen Vibe. Plötzlich persönlich, fast schon leise im Vergleich. Da merkste, die können auch anders, nich nur Krawall. Is jetzt nich kitschig, eher so’n ehrlicher Blick auf zwischenmenschlichen Kram, der halt manchmal kompliziert is. Dann haste so’n Teil wie „Magen-Darm“ ey, komplett stumpf, aber im guten Sinne. So’n Song, der einfach sagt, „Scheiß drauf, wir nehmen uns hier nich zu ernst.“ Brauchste auch, sonst würd dich dit Album irgendwann runterziehen. Mit „Roter Teppich“ und „Gott ist tot“ gehen se wieder schön drauf auf diese ganze Fake-Welt. Selbstdarstellung, Oberflächlichkeit, der ganze Quatsch. Dit is schön bissig, aber nich übertrieben schlau dahergeredet. Eher so, „Wir sehen dit und finden’s scheiße.“ Reicht ja auch.
„Revolution“ is dann wieder so’n klassischer Mitgröhl-Brecher. Nix super Tiefgründiges, aber dafür Energie ohne Ende. Dit is gemacht für verschwitzte Clubs und Leute, die einfach mal alles rauslassen wollen. Überraschend stark find ick „Lied über Blumen“, klingt erstmal wie’n Witz, is aber gar keiner. Is ruhiger, bisschen nachdenklicher, fast schon so’n kleiner Ruhepol mitten im Album. Tut gut, weil’s zeigt, dass se nich nur laut können. Und ick sach euch, einmal jehört und du hast nen Ohrwurm. Und hinten raus, mit „Therapie“ und „Zeit zu gehen“, wird dit Ganze nochmal schwerer. Da geht’s mehr nach innen, bisschen dunkler, bisschen nachdenklicher. Aber trotzdem nich hoffnungslos. Eher so, „Is alles nich geil, aber wir kommen schon klar.“ Musikalisch, ja gut ick bin ehrlich, dit is jetzt kein Experimentierkasten. Viel läuft nach dem gleichen Schema. Strophe, Aufbau, Refrain, fertig. Kannste sagen „kenn ick schon“, stimmt auch bisschen. Aber ganz ehrlich? Dit passt einfach zu denen. Die wollen gar nich das Rad neu erfinden, die wollen, dass du mitgehst und dit klappt. Und dit is auch der Grund warum ick die Jungs mega sympathisch finde. Am Ende fühlt sich „Gute Laune“ an wie so’n Abend mit Kumpels, wo erst bisschen abgekotzt wird über alles, was nervt und am Ende sitzt man trotzdem da und denkt „Ja gut, wird schon irgendwie.“ Und genau dit is die Stärke von dem Album. Keine falsche Hoffnung, kein Gelaber, einfach weitermachen, auch wenn’s nervt.
Platte kaufste bei Engst oder im Plattenladen deines Vertrauens, lohnt sich.

