Wer beim Rollenspiel gerne stimmungsvolle Hintergrundmusik nutzt, kommt an einigen Künstler*innen nicht vorbei. Erdenstern, Soundtracks aus Film und Fernsehen, aber auch Größen wie Enya oder Loreena McKennitt bieten sich besonders für das Fantasy-Genre an. Für düstere Rollenspiele wie Cthulhu oder Vampire: Die Maskerade bieten sich Midnight Syndicate oder ANTINOË an – letztere ist dabei ein besonders spannender Neuzugang. Die kann man aber natürlich auch ohne Rollenspiel im Vordergrund sehr gut hören.
Die Künstlerin
ANTINOË, bürgerlich Teresa Marraco, bezeichnet sich selbst als „Black Metal Pianistin“. Ihre Erfahrung in der Szene ist beeindruckend: Sie arbeitete bereits mit Dimmu Borgir, Coldborn, Elffor, Balmog und Empty zusammen. Auf ihrem ersten Album hat sie Songs der Black Metal-Szene bereits pianistisch und gesanglich auf ihre eigene Art und Weise umgesetzt. Mit The Fold erschien nun das erste reguläres Debütalbum der Madrilenin.
Das Album
Auf The Fold präsentiert Teresa Marraco eigene Kompositionen, getragen von ihrer außergewöhnlichen Stimme und ihrem virtuosen Klavierspiel. Thematisch erinnern einige Stücke an Black Metal, sind aber deutlich sanfter und ruhiger. Perfekt, um tief in die Musik einzutauchen. Das Album ist als MC, CD, Vinyl und limitierte „Turn to Dust“ Transparent-Glitter-Vinyl erhältlich und natürlich auch auf allen gängigen Plattformen zu hören. Erschienen ist das Album beim, norwegischen Label Dark Essence Records.
Die Songs
Insgesamt beinhaltet das Album 12 Songs mit teilweise kurzen Texten, die den Fokus klar auf die Musik legen. Alle Songs sind melodisch und von der tollen Stimme der Sängerin geprägt und durch das Klavierspiel und die begleitende Düsternis wirkliche Kunst.
Den Auftakt macht Night Falls. Hier wird musikalisch die Hölle auf Erden in ewiger Nacht begleitet. Ein großartiger Auftakt, der direkt deutlich macht, das der Fokus wirklich im Musikalischen liegt.
The Devil‘s Voice erinnert mich an die Songs von Midnight Syndicate. Hier geht es um eine Stimme, die vernommen wird, die Stimme des Teufels, die ruft und nach der auch verlangt wird. Düster und mit vielen Interpretationsmöglichkeiten.
Turn To Dust entführt uns zum Verfall, beziehungsweise zur Beobachtung des Verfalls. Das lyrische Ich beschreibt sich selbst als Beobachter des unaufhaltsamen Verfalls und irgendwie auch der Hoffnungslosigkeit, denn es gibt kein Entrinnen. Das wird auch musikalisch sehr passend untermalt.
Indulgence lässt uns ANTINOËs Talent am Klavier genießen. Ein tolles Zwischenstück, welches das außergewöhnliche Talent deutlich macht.
Flock entführt in eine fast träumerische Welt aus Bergen, Meer und Himmel. Thematisch geht es um Sehnsucht und unerfüllte Beziehungen, die musikalisch ätherisch und zugleich prägnant umgesetzt wird.
Threshold schließt die A-Seite ab. Hier wandern wir am Rand des Wahnsinns, am Rand des Lebens und versuchen eine Antwort auf die Frage nach dem Danach, nach Ende oder Ewigkeit zu beantworten. Thematisch genauso düster wie musikalisch.
Die B-Seite ist anders und geht weg von den Black Metal-lastigen Themen. Sie startet mit Chaos in the Sky, dem Song mit den längsten Lyrics. Hier geht es um eine intensive, nächtliche Verbindung zwischen zwei Menschen, geprägt von Nähe, Leidenschaft und Unruhe. Gleichzeitig reflektiert das lyrische Ich innere Widersprüche, Ängste und Sehnsüchte, die sich in einem Chaos, Liebe?, manifestieren. Der hoffnungsvollste Song des Albums.
Ulven – Wölfe. Hier heulen Wölfe den Mond an. Mehrstimmig werden die norwegischen Lyrics gesungen und das ist wirklich toll. Erinnert gesanglich nicht an Wölfe, passt aber thematisch zum Rudelthema. Eines der besten Stücke des Albums.
Nach Norwegisch wird es nun Spanisch. Si Te Dejo Ir, Falls ich dich gehen lasse, wird emotional. Mit trauriger Stimme singt die Künstlerin über den bittersüßen Moment des Loslassens, in dem man jemandem einen letzten Kuss schenkt, bevor man oder die andere Person weiterzieht. Es geht um Abschied, Freiheit und die gleichzeitige Sehnsucht nach Nähe.
Når du dør reflektiert über Tod, Vergänglichkeit und Erinnerung. Er fragt, ob man beim Sterben alles vergisst, beschreibt, dass alle Menschen sterben und die Schwelle des Todes überschreiten müssen, und betont, dass die Lebenden sich an die Verstorbenen erinnern – zumindest kurz, bis auch sie selbst diese vergessen. Es bleibt melancholisch.
Lightbringer bringt Hoffnung und Licht. Es geht dabei um eine kraftvolle und zugleich sanfte Präsenz in der Natur, die Licht bringt, das Dunkel vertreibt Wärme verkörpert. Der positivste Song des Albums, der uns aber auch nicht vergessen lässt, dass es auch an einem sonnigen Wintertag kalt sein kann.
Den Abschluss des Albums bildet der Song Four Things. Dieser treibt sacht dahin und entlässt uns ganz ohne Lyrics melancholisch und doch mit Hoffnung. Das Klavier kommt ihr besonders gut zur Geltung, mal leise, mal laut, mal hektisch, mal entspannt, vier Dinge. Ein perfekter Abschluss.
Handwerkliches
Das Album ist von Anfang bis Ende wirklich gelungen. Die Aufnahmen sind perfekt abgemischt und vorher bereits toll komponiert worden. ANTINOË kann alles und das fast alleine, das ist wirklich eine Ausnahme in der Musikindustrie und gerade in diesem Genre. Auch die Platte ist toll, nicht nur optisch, sondern auch akustisch. Kein Vergleich zu digitalen Medien. Klare Empfehlung hier für Vinyl.
Fazit
ANTINOË, alias Teresa Marraco, verbindet auf ihrem Debüt The Fold düstere Black-Metal- und melancholische Themen mit sanftem Klavier und ihrer außergewöhnlichen Stimme. Zwölf tiefgründige, emotionale Stücke zeigen ihr handwerkliches Können und machen das Album zu einem intensiven Hörerlebnis – besonders auf Vinyl. Ein absolutes Muss für Fans atmosphärischer Musik.
Das Album findet ihr bei Bandcamp und im Shop des Labels.

